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Serie: Die Chance der Kunstszene in Mannheim liegt in ihrer Vernetzung - davon können auch die Museen lernen

Kunst braucht Kooperationen

Von unserem Redaktionsmitglied Annika Wind

Protest kommt manchmal mit der Post. In Form einer (fiktiven) Todesanzeige etwa, wie sie kürzlich der Maler Edgar Schmandt verschickte. Auf einer Collage beschwerte er sich plakativ über seinen "jahrelangen Kulturhunger" in Mannheim, an dem er nun verstorben sei. Auch Joseph Beuys zählte zu denen, die öffentlich protestierten: Im Rahmen eines Happenings trat er eines Tages sogar offiziell aus der Kunst aus. Gute Kunst konfrontiert, aber nie ohne guten Grund. Daher hatte auch der Protest im vergangenen Jahr in Mannheim nichts mit Selbstinszenierung zu tun: Für zahlreiche Künstler, die eine Petition unterzeichneten, war das Maß des Erträglichen einfach erreicht. Sie forderten für ihre Arbeit mehr Unterstützung.

In der Tat hatte man in der "Musikstadt" Mannheim die Kunst lange Zeit vernachlässigt. Dieses Gefühl vermittelte schon der Ort, an dem man regionale Künstler zeigte: Die "Stadtgalerie" war nichts anderes als eine schnöde Ausstellungsfläche zwischen Büros. Im Rathaus in E 5 wurden die Werke eher abgestellt denn präsentiert. Und der Versuch, subventionierte Ateliers anzubieten, scheiterte: Im Jungbusch mietete die Stadt ein Atelierhaus an - dessen horrende Miete sich kein Künstler leisten konnte. Noch immer haben Künstler mit unflexiblen Förderrichtlinien für Projektanträge zu kämpfen. Und angekauft wird von städtischer Seite nichts. Der Etat der Kunsthalle dafür ist gestrichen und Projekte wie Kunst am Bau oder im öffentlichen Raum werden selten oder gar nicht gefördert. Blinder Aktionismus oder absolute Ignoranz waren lange die Vorwürfe gegen das Kulturamt - die auch die Petition formulierte. Erreicht hat man durch sie nun immerhin, dass der Förderetat für die Freie Szene aufgestockt wurde. Aber manches könnte auch in Gang kommen, weil es ein neues Bekenntnis in der Politik gibt: Mannheim will Kulturhauptstadt 2020 werden - und kann dabei auf seine Künstler nicht verzichten.

Welche Potenziale in der Stadt stecken, hatte 2009 "Artscoutone" gezeigt. Ein städtisches Projekt, das zwei entscheidende Dinge förderte: den Austausch innerhalb der Szene und die Nutzung vernachlässigter Orte, wie etwa leerstehender Fabriken. Möglich war die Schau allerdings nur, weil hinter ihr ein Kunstbeauftragter stand, wie ihn das Kulturamt weiterhin beschäftigen sollte. Allerdings nicht, wie bisher, als Honorarkraft, sondern in Vollzeit, denn seine Arbeit beinhaltet viel: etwa die unbürokratische Vermittlung von Arbeitsräumen oder Sachmitteln. Aber auch kuratorische Expertise, am besten in Verbindung mit einer neuen, repräsentativen "Stadtgalerie", die auch offen für internationale Künstler wäre. Schließlich hat Mannheim ein Manko im Vergleich zu Karlsruhe oder Mainz: Seine Freie Kunstakademie ist keine staatliche Hochschule und überregional ohne Bedeutung - obwohl sie immer wieder Talente hervorbringt. Die Stadt muss daher helfen, ihre guten Künstler bekannter zu machen - und zu halten.

Kontakte stärker ausbauen

Dass Kunst von der Kooperation lebt, zeigt derzeit das "Einraumhaus" auf dem Alten Messplatz, in das Myriam Holme und Philipp Morlock Künstler aus ganz Deutschland in den öffentlichen Raum holten - und sie mit Mannheimern zusammen brachten. Wenn am 17. September die Saison für den Galerienverband Rhein-Neckar beginnt, beteiligt sich erstmals auch die Kunsthalle und verlängert ihre Öffnungszeiten. Eine Zusammenarbeit in den Kunstvereinen hatte 2008 Johan Holten angestoßen: Für die Schau "Islands and Ghettos" arbeitete der Direktor des Heidelberger Kunstvereins mit Häusern in drei Städten zusammen. Seitdem hat sein Modell Schule gemacht.

Ein Beispiel für ideale Vernetzung ist auch das Fotofestival, das Institutionen der Metropolregion verbindet und auf Impulse von außen setzt - durch internationale Künstler und Kuratoren. Aber auch die Museen haben das Potenzial gemeinsamer Projekte erkannt. Allerdings: Seit Jahren ist keinem der regionalen Kunsthäuser ein echter Coup geglückt.

In Mannheim wird das gern mit dem Direktorenwechsel, der Altbau-Sanierung und dem desaströsen Zustand des Mitzlaff-Baus erklärt. Sicherlich wäre ein Neubau der Kunsthalle auch vorteilhaft für die Kulturhauptstadt-Bewerbung. Aber hinter einer schönen Hülle bräuchte es immer auch ein unverwechselbares Profil: etwa den Skulpturenschwerpunkt der Kunsthalle oder die konkrete Kunst im Hack-Museum in Ludwigshafen. Alleinstellungsmerkmale, die sie von den anderen Museen des Landes unterscheiden. Und die man stärker hervorheben sollte.

Mannheimer Morgen
21. August 2010

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