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Sie wurden denunziert, ihre Arbeit verboten und ihre Bilder beschlagnahmt oder zerstört: Wer nicht den Ideologien des Nationalsozialismus entsprach, galt in der NS-Zeit als "entarteter Künstler". In diesem unrühmlichen Kapitel deutscher Kunstgeschichte spielte Mannheim eine besondere Rolle: Die Kunsthalle war eines der ersten deutschen Museen, die ihre Bestände von nonkonformen Werken in einer Sonderschau anprangerte. 1937 verlor sie durch Beschlagnahmungen wichtige Teile ihrer modernen Sammlung - bis heute. In einer Serie erklärt unsere Zeitung die Geschichte solcher "Verbotener Bilder", von denen nur wenige nach dem Krieg in das Museum zurückkehrten. Was "entartete Kunst" bedeutete und ob die Kunsthalle ein Recht auf die Rückgabe ihrer verlorenen Bilder hat, erklärt Christoph Zuschlag, Professor für Kunstgeschichte an der Universität Koblenz-Landau.
Herr Zuschlag, 1937 ließen die Nationalsozialisten im Rahmen der Aktion "Entartete Kunst" 20 000 Kunstwerke aus 100 deutschen Museen entfernen. Was schätzen Sie, wie viele kehrten später wieder in die Kunsthäuser zurück?
Christoph Zuschlag: Andreas Hüneke von der Forschungsstelle "Entartete Kunst" an der Freien Universität Berlin hat jüngst einmal die Zahlen zusammengetragen und festgestellt, dass von den knapp 2400 beschlagnahmten Gemälden heute etwa 500 wieder in Museumsbesitz sind. Von diesen kamen 120 zurück in ihr Herkunftsmuseum. Anders gesagt: Rund jedes fünfte beschlagnahmte Bild befindet sich wieder in einer öffentlichen Sammlung, jedes zwanzigste Bild kehrte in das Museum zurück, aus dem es 1937 entfernt worden war.
Warum war die Kunsthalle Mannheim von den Beschlagnahmungen der Nazis besonders stark betroffen?
Zuschlag: Sie war am Ende der Weimarer Republik eines der wichtigsten Museen moderner Kunst in Deutschland. Weil die ersten beiden Direktoren, Fritz Wichert und Gustav Friedrich Hartlaub, sehr fortschrittlich dachten und den aktuellen Kunsttendenzen gegenüber aufgeschlossen waren.
Die Kunsthalle Mannheim verlor damals 107 Gemälde, 14 Plastiken, 87 Aquarelle, 119 Zeichnungen, 496 Grafiken und fünf Bücher. Was machten die Nazis mit ihnen?
Zuschlag: Einige Werke waren Teil der Wanderausstellung "Entartete Kunst", die von 1937 bis 1941 in 14 Städten des damaligen Reiches gezeigt wurde. Sechs Gemälde aus der Mannheimer Kunsthalle wurden am 30. Juni 1939 auf einer Auktion in der Galerie Fischer in Luzern versteigert. Etliche weitere wurden in die "Verwertungsmaßnahmen" der Nazis einbezogen, das heißt, über Kunsthändler gegen Devisen ins Ausland verkauft oder auch gegen Werke alter Meister getauscht. 30 Gemälde, drei Plastiken und etwa 180 Papierarbeiten wurden 1939 in Berlin als "unverwertbar" verbrannt.
Wo sind die damals beschlagnahmten Werke heute?
Zuschlag: Von den Mannheimer Beständen sind fünf Gemälde und acht Zeichnungen in die Mannheimer Kunsthalle zurückgekehrt, außerdem sind 21 Gemälde, vier Plastiken und 35 Papierarbeiten in anderen Museen nachweisbar. Andere befinden sich in Privatbesitz, wiederum andere wurden zerstört. Es gibt aber auch Arbeiten, deren Verbleib bis heute unbekannt ist.
Anfang Mai wurde in New York eine Gouache von Kandinsky aus den damaligen Beständen der Mannheimer Kunsthalle an einen Privatmann verkauft - hat das Museum ein Recht darauf, dass solche Werke wieder zurückkehren?
Zuschlag: Nein. Das "Gesetz über Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst" vom 31. Mai 1938, das die entschädigungslose Enteignung der 1937 beschlagnahmten Kunstwerke festschrieb, wurde weder von den Alliierten noch von der BRD oder der DDR formell aufgehoben. Auch wenn dies vielleicht zunächst unverständlich erscheint, müssen wir uns klar machen, dass sich die Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts und die Entschädigung für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung nach 1945 auf rassisch und politisch verfolgte Menschen konzentrierte - Museen lagen da nicht im Blickfeld. Durch die Beschlagnahmungen von Kunst wurden Menschen nicht physisch verfolgt oder geschädigt, wenngleich viele Künstler unter der Verfemung ihres Werks natürlich litten. Der Verlust für die Museen ist enorm, letztlich müssen wir uns aber über jedes Werk freuen, das den NS-Bildersturm überstanden hat, auch wenn wir nach Basel oder New York fahren müssen, um Bilder aus ehemals Mannheimer Besitz zu sehen.
Die Wanderausstellung "Entartete Kunst" hatte einen Vorläufer in der Mannheimer Kunsthalle...
Zuschlag: Ja, das stimmt. Bereits kurz nach der Machtübernahme gab es in verschiedenen Städten Sonderausstellungen, in denen der Bestand an moderner Kunst in diffamatorischer Absicht zur Schau gestellt wurde. Sie hatten ein rein politisches Ziel, sollten die gerade überwundene Weimarer Demokratie diskreditieren und den Sieg der Nazis feiern. Interessant ist, dass diese so genannten "Femeausstellungen" nicht von offiziellen Stellen angeordnet wurden, sondern auf die Initiative lokaler Parteifunktionäre und Protagonisten zurückgingen.
Wer war für die diskreditierende Sonderausstellung "Kulturbolschewistische Bilder" 1933 in Mannheim verantwortlich?
Zuschlag: Otto Gebele von Waldstein, einer der führenden NSDAP-Funktionäre in Mannheim und als Stadtrat Mitglied der Kunsthallenkommission. Von Waldstein war am 3. April 1933 zum Hilfsreferenten für die Kunsthalle ernannt worden, nachdem deren Direktor Gustav Friedrich Hartlaub "beurlaubt" worden war. Nach eigener Aussage hatte von Waldstein den Auftrag für diese Ausstellung von Oberbürgermeister Karl Renninger erhalten.
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