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Junge Talente: Nationaltheater-Bariton Nikola Diskic nimmt Anlauf für eine große Karriere

Auf dem Weg in die Welt hinaus

Von unserem Redaktionsmitglied Stefan M. Dettlinger

Sänger mit Zukunft: Nationaltheater-Bariton Nikola Diskic.

Sänger mit Zukunft: Nationaltheater-Bariton Nikola Diskic.

© rinderspacher

Im Grunde gibt es nur Bemerkenswertes an diesem Mann: Zum einen, so erzählt Nikola Diskic in der Kantine des Nationaltheaters, sei er als Achtjähriger bei seinem allerersten Opernbesuch, es war eine "Fledermaus" in seiner Heimatstadt Belgrad, wie die meisten Kinder eingeschlafen. Mehr als für Oper habe er sich nämlich für runde Dinge interessiert, die man mit Füßen in eckige Dinge befördert, zumal sein Opa nicht in der Oper, sondern bei Roter Stern Belgrad und der Nationalmannschaft gespielt habe. Zum anderen, und das ist das vielleicht Bemerkenswerteste, ist er sich einer Sache bombensicher. Diskic verkündet sie ganz ohne Zweifel und mit einem Lächeln: "Ich werde an allen großen Opernhäusern singen! Das weiß ich!"

Wir sprechen hier von der Scala in Mailand, vom Londoner Royal Opera House Covent Garden, der Met in New York und - natürlich - den Festspielen in Bayreuth, denn auch Wagner hat sich der 1983 geborene Serbe, der ein Examen der BWL bereits in der Tasche und eines in Gesang noch vor sich hat, längst genähert. Unlängst sang Diskic, der sich auch in Richtung Verdi- und Kavaliersbariton entwickelt, den Heerrufer in Tilman Knabes umstrittener "Lohengrin"-Version. Was für ein Aufstieg! Der Mann ist noch keine 30!

Keine halben Sachen

Trotzdem: Da sitzt er gelassen neben der Pressereferentin Sandra Strahonja, der nüchterne Kantinentisch verströmt Anti-Romantik und der Sänger verkündet trocken Sätze wie diesen: "Ich interessiere mich sehr für Archäologie und Geschichte. Ich will wissen, was war - und was wahr ist." Der Betriebswirtschaftler scheint sich für (fast) alles zu interessieren. Vielleicht folgt er dem guten alten Humboldt'schen Ideal, nach dem der Bildung und Aufklärung des Menschen autonome Individuen und offene Weltbürger entwachsen.

Diskic spricht ein recht gutes Deutsch, zumal für einen, der erst seit 2007 im Lande ist. "Ich mag keine halben Sachen", sagt er mit seinem sonoren und sympathischen Bariton. Wenn Deutsch, dann also richtig. Aber er will damit wohl auch sagen: Egal, was ich tue, ich gehe immer bis an die Grenze. An der Grenze aber ist seine Stimme, die er immer noch an der Musikhochschule Mannheim bei Snezana Stamenkovic ausbilden lässt, genauso wenig angekommen wie seine Karriere.

Schon dass er jetzt, seit dieser Saison, zur Stammbesetzung der National(theater)mannschaft gehört, war ein großer Schritt. Ein anderer: Diskic sang in diesem Jahr als Laureat in der Endrunde des renommierten Reine-Elisabeth-Wettbewerbs in Brüssel. Aus 400 Einsendungen wurden per DVD 90 Kandidaten ausgewählt, und diese 90 nahmen dann am Wettsingen teil und wurden allmählich auf 24, dann auf zwölf für die Endrunde ausgedünnt. Diskic war dabei.

Mit feurigem Temperament

Woher kommt so viel Talent? "Das habe ich von Mama und Papa", sagt er (wobei weder Mama noch Papa Sänger oder Musiker ist oder war). Er sang in Kinderchören. Ersten Unterricht erhielt er (erst) mit 20. Zum Talent kommt bei ihm nicht nur Fleiß, sondern auch Temperament, und dieses sei bei Serben feuriger, unruhiger und direkter als bei Deutschen. Mit Seele hat das Diskics Ansicht nach aber nichts zu tun. Es ginge darum, das Temperament auf der Bühne zu beherrschen, es kontrolliert in Bühnenaktionen einfließen zu lassen, schließlich seien 50 Prozent der Oper Schauspiel. "Ich genieße es, im Moment zu leben, etwas für die Menschen zu tun, sie zum Lachen oder Weinen zu bringen. Ich genieße aber auch die Blicke der Leute auf mich, den Applaus. Das macht mich glücklich." Auch für die Menschen in seiner Heimat würde er gern etwas tun. Manchmal, wenn er so etwas wie Heimweh spüre, träume er von Verbesserung dort - "und natürlich davon, an einem der beiden Opernhäuser in Belgrad zu singen". Wenn er davon spricht, wirkt er, als wolle er etwas Sehnsüchtiges, Sentimentales in sich verbergen, verbergen, dass seine Gedanken rund 1300 Kilometer südöstlich herumschweifen, in einer alten Stadt an der Donau mit viel alter und neuer Geschichte und bisweilen deutlich hitzigeren Temperaturen.

Mannheim, 2 Grad. Durch die Fensterfront dringt kalte Dezembertristesse. Wir stehen auf, geben uns die Hand. Ein warmer, fester und selbstbewusster Händedruck. Es ist wohl so: Der Mann weiß, was er will.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 15.12.2011
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