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Junge Talente: Die Mannheimerin Anuschka Körner schreibt unter dem Pseudonym Amy Lendsor Krimis – zuletzt über Wagners „Ring“

„Das ist ja fast schizophren“

Von unserer Mitarbeiterin Anna Schweingel

Blickt für ihre Kriminalgeschichten in andere Welten - und manchmal auch in Abgründe: Anuschka Körner alias Amy Lendsor.

© Rinderspacher

Es ist schon verwirrend, ein Porträt über eine Autorin schreiben zu wollen, von der man zunächst nur dies weiß: "1973 in Mannheim geboren, ruht Amy Lendsor bis ins Jahr 2005." Geht es hier um Dornröschen? Um eine Vampirin? Wer wird diese Frau sein, die da solche Nebelschleier um ihre Identität legt? Und wozu überhaupt ein Pseudonym? "Das ist merkwürdig, denn das ist ja fast schizophren. Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt ein Pseudonym nehmen soll, denn ich mache das nicht, um mich zu verstecken", sagt Anuschka Körner, die sich als Autorin Amy Lendsor nennt. Sie hat einen ganz normalen Beruf, einen ganz normalen Mann und ganz normale Hobbys. Sie findet sich darin wenig spektakulär. Sie wirkt bescheiden, zurückhaltend, beherrscht.

Im Gespräch stellt sich heraus, dass dieses normale Leben mit einem verständnisvollen Mann, einer Arbeit, bei der sie sich sehr wohlfühlt und "rosaroter Schweinchenkindheit" das Nest ist, in dem ein anderer Teil der Persönlichkeit von Anuschka Körner reifen konnte. "Als ich anfing zu schreiben, hatte ich das Gefühl, dass ich in dem Moment, wo ich schreibe, eine andere Identität annehme. Das sind zwei Lebensmodelle. Da bin ich fast ein bisschen autistisch. Die eine geht zur Arbeit und macht Sport; die andere schreibt." Abends zwischen neun und elf. "Ich habe meistens Kerzen an, höre klassische Musik, habe entweder einen großen Pott Tee oder ein schönes Glas Rotwein vor mir und meinen Laptop auf dem Schoß. Und in dem Moment versinke ich in der Geschichte, da fallen mir Dinge ein, es ist" - ihre Stimme bekommt plötzlich einen ganz anderen Klang, sie geht wie nach innen - "eine Trance-Ebene. Es klingt vielleicht bescheuert, aber es ist so. Es vergehen Stunden, und ich merke es nicht."

Aus dem Gefühl heraus, eine andere zu sein in diesem Moment des Schreibens, hat Anuschka Körner beschlossen, "das zu trennen und ihr einen anderen Namen zu geben. Ich bin eigentlich kein morbider und grausamer Mensch, aber merkwürdigerweise habe ich diese Möglichkeit, mich in so etwas hineinzuversetzen. Aber natürlich sind diese zwei Personen auf einer gewissen Ebene verknüpft, denn sie sind ja beide in mir. Und sie trinken beide gerne Eistee!"

Anuschka Körner wurde 1973 in Mannheim geboren, ist gelernte Zahntechnikerin und arbeitet im pharmazeutischen Bereich. Unter dem Pseudonym Amy Lendsor schreibt sie seit 2005 Krimis und ist Mitglied im Krimiautorinnen-Netzwerk "Mörderische Schwestern".

Erschienen sind in der Anthologie "Mannheimer Morde" das Buch "Im Mai lässt sich's morden" (2007), gefolgt von "Tiefe Narben" in der Reihe "Mörderisches Mannheim" (2008) und in der Sammlung "Tödliche Happen" der Kurzkrimi "Himmlisch süß - höllisch bitter" (2012). Im Waldkirch-Verlag erschien ihr erster Krimi in Romanform, "Der Ring des Todes".

Lendsor liest am 16. Juni, 17.30 Uhr, auf dem Weingut Wolf in Ungstein (www.amylendsor.de). asch

Schreiben als Handwerk

Amy Lendsor sitzt noch etwas erstaunt in einem Biergarten in der Schwetzinger Vorstadt, vor sich ihren ersten dicken Krimi, und begreift nicht ganz, was da gerade mit ihr passiert. Es ist eine neue Identität mit einer Aufmerksamkeit, in die sie erst hineinwachsen muss. Aber dennoch: "Es ist ein Ankommen, eine völlig neue Welt, und ich fühle mich ganz zu Hause. Ich habe es nicht gesucht, aber dann war es plötzlich da und ist immer inniger geworden. Das ist schon wie eine Beziehung."

Es war ein Weg, diese Geburt zum anderen Ich. Anuschka Körner hat immer schon eine blühende Fantasie gehabt und Geschichten anderer umgeschrieben. Aber sie hat sich das Schreiben auch als Handwerk angeeignet, Übungshefte durchgearbeitet und immer wieder mit ihren Selbstzweifeln gekämpft. Angefangen hat sie dann mit Kurzkrimis. Die konnte sie über die "Mörderischen Schwestern", ein Netzwerk von Krimi-Autorinnen, in Anthologien veröffentlichen. Dort bekam sie auch Führungen in der Pathologie oder Gespräche mit Polizisten vermittelt. Eine große Bestätigung für diesen Weg war dann das Interesse des Mannheimer Waldkirch-Verlages an ihrem ersten Krimi in Romanform, "Der Ring des Todes".

Und jetzt gibt es keinen Weg mehr zurück: "Das macht einen schon ein bisschen süchtig, dass sich jemand für etwas interessiert, das ich mir ausgedacht habe. Wenn ich lese und sehe, die sitzen da mit offenem Mund, das ist so ein schönes Kompliment! Ich habe es noch nicht ganz begriffen. Ja, und selbst wenn alles danach niemanden mehr interessiert, ich würde weiterschreiben für mich, ich muss, da ist es zu spät, da komm ich nicht mehr raus."

Also stimmt es irgendwie doch: Amy Lendsor ruhte, und jetzt ist sie da.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 31.05.2012
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