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Enjoy Jazz: Das Ensemble James Farm von Joshua Redman strotzt vor Energie und überzeugt mit druckvollem Stil

Musikalisches Kraftwerk

Von unserem Redaktionsmitglied Uwe Rauschelbach

Gern gesehener Gast: Joshua Redman beim Konzert mit seiner Band James Farm in der Alten Feuerwache.

© Rinderspacher

Dieses Quartett ist ein kleines Kraftwerk. Es produziert Energie im Überfluss. Doch es kann auch mit Ressourcen haushalten. Das Publikum in der restlos ausverkauften Mannheimer Alten Feuerwache ist in jedem Fall hingerissen von diesem Ensemble, das Joshua Redman 2009 unter dem Namen James Farm formiert hat.

Der amerikanische Saxofonist ist seit Jahren gern gesehener Gast bei Enjoy Jazz. Das Festival zähle zu seinen bevorzugten Spielorten, wie er ausdrücklich bekennt. Redman hat mit Aaron Parks (Klavier), Matt Penman (Bass) und Eric Harland (Schlagzeug) Begleiter gefunden, die wie wohlproportionierte Töne in einem Akkord zueinander passen, die sich aber keineswegs bloß als Zuträger für den Frontbläser verstehen. Das James-Farm-Projekt lebt vielmehr von den Eigenkompositionen seiner Mitglieder. Titel wie "Coax", "Polliwog" oder "Bijou" stammen jeweils aus den Federn der Instrumentalisten.

Perkussive Delikatessen

Nicht immer merkt man das dem Konzert an; denn das Spiel ist zwar auf die Solistenfunktion des Saxofonisten zugeschnitten, und vor allem Pianist Aaron Parks prägt den Klang im Ensemble deutlich. Aber Matt Penman ist ein Musiker, der auf den Saiten seines Kontrabasses mit feurig gezupften Läufen auftrumpft und weit mehr als bloß eine Statistenrolle beansprucht. Eric Harland verdankt der augenscheinlich zärtlichen Beziehung zu seinem Schlagzeug unterdessen einige perkussive Delikatessen.

Diese sind sozusagen das Dessert im Menü des Quartetts. Denn James Farm bevorzugen nicht den luftigen, swingenden Kammerjazz. Stattdessen verdichtet sich der Sound immer wieder unter den Anleihen aus Blues, Pop, Rock, Soul und Funk. Dabei erreicht die Dynamik nicht selten eher aufdringliche Werte. Aber mit der Zeit geht davon ein hypnotischer Sog aus, dem man sich auch als Geräuschempfindlicher kaum entziehen kann.

Auch die Vorliebe Joshua Redmans für Melodien und Lyrismen beschreibt nur eine Seite der Medaille. Denn die eingängig erscheinenden Strukturen werden regelmäßig aufgebrochen, in expressiven Bebop-Läufen auf Tenor- und Sopransaxofon erhitzt und mit den Grenzen von Rhythmus und Tonalität konfrontiert. Die Improvisationen, zu denen bei James Farm alle Instrumentalisten reichlich Gelegenheit bekommen, wirken ebenso impulsiv wie effektvoll kalkuliert. Niemals aber entsteht beim Zuhörer der Eindruck, Zeuge eines abgekarteten Spiels zu sein.

Wahnwitzige Nummer

Meist sind es kleine Details, ornamentale Motive oder einfache Themen - wie der absteigende Tetrachord in "Two Steps" -, die den Titeln Inhalt und Rückgrat geben. Immer wieder überraschend ist aber, was Redman und seine Begleiter daraus machen. Eines der faszinierendsten Stücke dieses Abends ist "Mystery", eine wahnwitzige Nummer mit einem entfesselt aufspielenden Saxofonisten, rockig-funkigen Grooves, einem überirdischen Schlagzeugsolo und mit einem sanft ausswingenden Finale.

Auch im Zugabeteil beweist die talentierte Boygroup Musikalität im Übermaß. Immer wieder werden Muster und Schablonen in Details zerlegt und zu neuen Mosaiken zusammengesetzt. Das wirkt nicht selten experimentell; doch auch das ist keineswegs Selbstzweck. Ebenso wenig wie das Kunststück Aaron Parks', der zuvor mit exotischen Akkordschichtungen aufhorchen ließ und nun die Tasten von Flügel und Rhodes zugleich anschlägt. Das ist Jazz. Nein - es ist Magie.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 07.11.2012
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