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Sprache: IDS-Mitarbeiterin schreibt über die späten 60er Jahre

Fürs Mündigwerden und gegen alles Autoritäre

Archiv-Artikel vom Freitag, den 06.07.2012

Von unserem Redaktionsmitglied Thomas Groß

Den sprachlichen Umbrüchen im 20. Jahrhundert widmet sich die Linguistin Heidrun Kämper vom Mannheimer Institut für Deutsche Sprache (IDS). Sie betrachtet die deutsche Demokratiegeschichte im Spiegel der Sprache und untersucht die verbalen Phänomene, mit denen die relevanten gesellschaftspolitischen Fragen verhandelt wurden.

Nach dem Teilabschnitt über den Schulddiskurs in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurden unter dem Überbegriff "radikale Demokratisierung" die späten 60er Jahre analysiert (wir berichteten). Mittlerweile ist man mit den frühen Jahren der Weimarer Republik befasst. Und während man am IDS in Zusammenarbeit mit dem Münchner Institut für Zeitgeschichte und dem Marburger Herder-Institut die Auseinandersetzungen nachvollzieht, die die Jahre prägten, in denen demokratische Strukturen hierzulande überhaupt erst zu etablieren waren, hat der vorherige Projektabschnitt nun einen publizistischen Niederschlag gefunden.

"Aspekte des Demokratiediskurses der späten 1960er Jahre" heißt die von Kämper verfasste Monografie, welche die zeittypischen "Konstellationen - Kontexte - Konzepte", so der Untertitel, in sprachlicher Hinsicht betrachtet. Kämper geht davon aus, dass die von der Studentenbewegung und überhaupt die von der "Kritischen Theorie" der sogenannten Frankfurter Schule veranlassten Auseinandersetzungen kein historisches Randphänomen gewesen sind. Vielmehr hätten diese die Voraussetzung für den Demokratisierungsschub gebildet, der dann die 70er Jahre prägte.

Zeittypische Wörter

Die Leitwörter der zeittypischen Debatten spiegeln die Motive und Absichten der Akteure wider. Von "Faschismus" und einem "autoritären Staat" wollte man sich verabschieden - und geizte auch nicht mit dem Gebrauch solcher Charakterisierungen. Und man setzte alles daran, um "antiautoritär", "mündig" und "selbstbestimmt" zu werden - oder auch andere dazu zu bringen, dem eigenen Beispiel zu folgen. Die Gesellschaftsgeschichte wird hier nicht neu, aber doch aus einer anderen Perspektive heraus beschrieben. Und wie so oft trägt dies dazu bei, manches noch etwas klarer zu sehen - dass das Buch infolge des beträchtlichen Preises eher in Bibliotheken zur Hand genommen werden dürfte, ändert daran ja nichts.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 06.07.2012
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