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Tanz: „Babel (words)“ rückt menschliche Selbstüberschätzung in den Fokus / Sprachenwirrwarr und Gestenchaos im Ludwigshafener Pfalzbau

In Gesten gefangen wie in einem Kerker

Von unserer Mitarbeiterin Nora Abdel Rahman

Die Vielsprachigkeit der Tänzer setzt "Babel (words)" in Szene.

© Broos

Missverständnisse, Befremdung und Gewalt bilden die eine Seite der Medaille. Die andere lässt sich vielleicht mit dem, was Kulturen erschaffen, beschreiben. Mit der Aufführung "Babel (words)" im Pfalzbau rücken die beiden Choreographen Sidi Larbi Cherkaoui und Damien Jalet der menschlichen Selbstüberhebung zu Leibe.

In der biblischen Erzählung aus dem Alten Testament versuchen Menschen durch den Turmbau zu Babel, Gott gleich zu werden. Hatten sie sich zuvor noch über eine gemeinsame Sprache verständigt, sind sie nun, der Hybris wegen, plötzlich mit Vielsprachigkeit geschlagen. Vor der Sprache aber liegen die Gesten, erzählt die schwedische Tänzerin Ulrika Kinn Svensson. In schwarzen Latexhosen und Plateau-Schuhen und mit künstlichem Wimpernschlag stakst sie durch das Stück wie ein Roboter. Als Figur steht sie für das Stereotyp, für den hölzernen und zugleich aufgeblasenen Versuch der Gleichschaltung der Kulturen. Sie versteht sich auf alle Sprachen, verrenkt Arme und Hände in unzählige Gesten und bleibt doch darin gefangen wie in einem Kerker. Allein ihre Erklärung zur Geste der Vergebung - geöffnete Handflächen - verschafft der ganzen Verirrung und Verrenkung eine Milderung.

Immer wieder spielt Choreograph Sidi Larbi Cherkaoui, der flämische und marokkanische Wurzeln hat, in seinen Werken mit den Versatzstücken verschiedener Kulturen. Darauf versteht er sich wie kein anderer. Für "Babel (words)" lässt er sich von dem Künstler Antony Gormley verschieden große Quader aus einfachen Metallstangen bauen. Vom Ensemble werden sie betanzt, verschoben und ineinander gesteckt: Bald sind sie schützendes Haus, bald Kerker oder Turm. Ein einfaches Prinzip mit großer Wirkung.

Vielsprachigkeit der Tänzer

Groß ist auch die Leistung der einzelnen Tänzer, Musiker und Sänger, die verschiedenen Nationen angehören. Das ist ganz typisch für ein heutiges Ensemble. Cherkaoui und sein künstlerischer Partner Jalet aber setzen die Vielsprachigkeit ihrer Truppe gezielt in Szene. Ihr Sprechen breitet sich vor den Zuhörern aus wie ein Instrument. Wer es spielen kann, hat den Vorteil zu verstehen. Wer es nicht kann, bleibt befremdet ihrem bloßen Klang unterlegen.

Um dieses Verhältnis - gehöre ich dazu, bin ich ausgeschlossen - kreist die Erzählung, der Mythos, das Gleichnis um "Babel (words)". Im Tanz, der universalen Ausdrucksform, wird der Konflikt, den der Einzelne erlebt oder eine fremde Kultur beschert, offensichtlich. In der Musik scheint er dagegen wie aufgehoben. Nicht zufällig ertönt am Ende des Stücks die Flöte, ebenso uralt wie das Instrument selbst ist seine beruhigende Wirkung auf jeden.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 09.06.2012
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