Negerplastik" heißt ein 1915 veröffentlichtes Buch des Kunsthistorikers Carl Einstein, das viele Künstler beeinflusst hat und zum Grundlagenwerk über sogenannte primitive Kunst wurde. Weder "Neger" noch "primitiv" sollte dabei eigentlich abschätzig klingen; einen merkwürdigen Beigeschmack haben die Wörter heute aber durchaus. Bedeutungen verändern sich und ebenso das Bewusstsein, das man davon hat. Traditionell pflegen Sprachen aber nun mal einen recht rustikalen Umgang mit dem Fremden - man nehme nur den bayerischen Fluch "kruzitürken".
Soll man solche Wörter nun aus literarischen Texten entfernen, die ansonsten politisch unverdächtig sind? Dokumente ihrer Zeit sollten als solche gelesen werden können - gerade dann, wenn man ihnen durch das Etikett "Klassiker" eine überzeitliche Bedeutung zuspricht. Die Möglichkeit, eine Fußnote zur Erläuterung einzufügen, scheint ein passabler Weg, um das Original zu erhalten und dennoch Missverständnisse zu vermeiden. Man darf vermuten, die Skrupel bezüglich der Otfried-Preußler-Bücher wären größer, wenn es sich um Werke für Erwachsene handelte. So könnte der Fall belegen, dass selbst Kinderbuchverleger nicht immer hohe Achtung für Jugendliteratur beweisen.