Zugegeben: Der Ansatz des Projekts "Wir!" hatte von Beginn an Charme und Überzeugungskraft. Endlich, so dachten wir vor rund 18 Monaten, wird einmal nicht geradeaus, sondern um die Ecke gedacht, werden die in Mannheim lebenden Menschen fremder Kulturen direkt zum Mitmachen aufgefordert, statt sie unter Assimilierungszwang zu stellen. Auch die anberaumten Projektmittel von gut 500 000 Euro (davon 450 000 von der Hector-Stiftung) schienen keineswegs übertrieben, nein, sie schienen vernünftig.
Dieser positiven Wahrnehmung jedoch stand dann schnell eine lange Phase des Im-Nebel-Stocherns gegenüber, der eine Phase der "Wir!"-Kostproben folgte, die leider wenig überzeugen konnten und den Verdacht nahelegten, die von Beginn an groß gefühlte Finalperformance gerate wohl zu einer Art Karneval der Kulturen, also zu einer friedlichen und harmlosen Koexistenz der Kulturen auf einer Bühne und damit eben genau zum Gegenteil dessen, was Oberbürgermeister Peter Kurz sich als Synthese wünscht und vorstellt.
Sie, die künstlerische Synthese aus dem Mannheimer Kulturuniversum, wäre der Kunstcharakter an "Wir!". Wird sie nicht erreicht, bleibt "Wir!" zwar immer noch ein städtisches Integrationsprojekt, allerdings eines, das weit weniger Charme und Überzeugungskraft hätte als anfangs vermutet. Natürlich wünscht man der Sache gutes Gelingen. Doch ohne Skepsis werden wir am 17. Februar nicht mehr ins Theater gehen können.