DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

 

Freitag, 22.08.2014

Suchformular
 
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden

Hintergrund: Vor dem Abriss des Mitzlaff-Trakts stellt Bogomir Ecker eine riesige Skulpturenausstellung in der Kunsthalle zusammen

Als die Sonne zurückkehrte

Von unserem Redaktionsmitglied Annika Wind

Gemeinsame Planungen: Bogomir Ecker (2. von rechts) mit (von links) Ausstellungsdesigner Nicolas Rauch, Kuratorin Stefanie Patruno und Direktorin Ulrike Lorenz.

© Yücetas

Thomas Rentmeister interessierte sich vor allem für den Teppich. Ein eigenes Werk hatte er beisteuern sollen, für die Skulpturenausstellung, die sein Künstlerkollege Bogomir Ecker gerade in der Kunsthalle Mannheim einrichtet. Aber mit einer Skulptur im konventionellen Sinn war bei diesem Bildhauer ohnehin nicht zu rechnen - mit Niveacreme oder Zucker hatte er schon gearbeitet. Und als er sich dann ausgerechnet mit dem Teppich beschäftigen wollte und ihn auch noch "wunderbar hässlich" fand, war klar: Er würde sich nicht nur einem ungewöhnlichen Teil des Museums widmen - sondern auch mit einem ungewöhnlichen Material.

Kunst aus Nutella

"Er plant jetzt ein Werk aus Nutella", sagt Bogomir Ecker, der auch Kikki Smith, Thomas Hirschhorn, Roman Signer und John Bock eingeladen hat, seine "Nur Skulptur"-Ausstellung ab 16. März mit eigenen Arbeiten zu begleiten. 842 Skulpturen besitzt die Kunsthalle insgesamt, darunter Spitzenwerke von Wilhelm Lehmbruck oder Gustav Seitz. 393 davon wird Ecker nun mit "subjektivem Blick" neu ordnen, arrangieren, präsentieren. Zu der wohl größten Skulpturenschau, die die Kunsthalle je gesehen hat - und zu der letzten im Mitzlaff-Trakt überhaupt.

Bogomir Ecker kam 1950 im slowenischen Maribor zur Welt und zog als Sechsjähriger mit seinen Eltern nach Deutschland. Der Bildhauer und Objektkünstler, Fotograf und Installationskünstler hatte unter anderem 1987 bei der Documenta in Kassel ausgestellt. Er ist Professor für Bildende Künste in Braunschweig.

Teile seiner Sammlungen sind zurzeit in Ausstellungen zu sehen: Bis 17. März zeigt Ecker "Idylle und Desaster", historische Fotos, im Museum für Fotografie Berlin, bis 14. April Zeitungsseiten im Museum für Photographie Braunschweig.

Die "Nur Skulptur"-Ausstellung wird in der Kunsthalle Mannheim am 15. März eröffnet: Bereits ab 16 Uhr sind die Ausstellungsräume für Besucher zugänglich (und damit noch bei Tageslicht), um 20 Uhr schließt die offizielle Vernissage mit einigen Rednern an, ab 21 Uhr zeigt John Bock eine Performance. Im Anschluss gibt es bis 24 Uhr ein Künstlerfest. aki

1983 war er nach Plänen des Architekturbüros Lange, Böhm, Mitzlaff als Skulpturenmuseum eröffnet worden. Als solches verabschiedet ihn Ecker nun auch - und öffnet dafür (fast) alle Fenster. Für empfindliche Malereien war das Haus immer zu licht gewesen, daher hatte man es zu einem fensterlosen, geradezu ortlosen Raumgefüge verbaut - denn Ausblicke gab es nicht, die Sonne blieb ausgesperrt. Die lässt Ecker nun wieder hinein und legt dafür im wahrsten Sinne des Wortes einiges frei: Im Durchgangstrakt zum Altbau hat er ein Glasfenster von Georg Meistermann entdeckt. Kaum wieder freigelegt, wird es 2014 ausziehen müssen, wenn man den Mitzlaff-Bau abreißt. Unklar ist auch die Zukunft einer Skulptur auf dem Dach, des schwebenden Mannes von Hubertus von der Goltz, und der Lichtinstallation von James Turrell - sie sind fest mit dem Bau verbunden.

Begonnen hatte Eckers Arbeit bereits vor eineinhalb Jahren - im Depot. Hier hatte er sämtliche Werke gesichtet und nach Fragestellungen zusammengestellt: nach Skulpturen, die Bewegung, Räume oder Volumina thematisieren wie die Arbeiten von Tony Cragg oder Constantin Brancusi. Nach Werken, die Einblick in die eigenwillige Vorstellungswelt ihrer Schöpfer geben, wie die von Bernard Schultze oder Joan Miró.

Ecker hat einigen Arbeiten neue Sockel gegeben oder er zeigt sie anders als gewohnt: "Die Skulptur von Umberto Boccioni stand immer zu hoch oder zu niedrig." Nun lässt er seinen rennenden Mann auf einer Art Brett schweben, davor hat er eine Treppe bauen lassen - der Betrachter kann sich seinen Standpunkt so selbst aussuchen. Einem Relief von Henri Matisse hat der Ausstellungsdesigner Nicolas Rauch eine Nische gebaut, überhaupt begleiten wunderbare Details die Ausstellung: Seitenwände, die sich zu Raumtrichtern verengen, Schaumstoffe, die alle Geräusche schlucken, eine neue Tür, die von der Empore des Vetter-Forums in die Ausstellungsräume führt. Max Ernsts große Bronzearbeit "Capricorn" wird auf den Friedrichsplatz schauen - sie zieht in den "Clubraum". Auf einem zwölf Meter langen und sechs Meter hohen Regal will Ecker 150 Skulpturen zeigen, darunter einen ein Kilo schweren (bzw. leichten) "Kopf" von Henry Moore.

Ideen im Kleinformat

Haben Künstler einen anderen Blick auf die Kunst als Kuratoren? "Ich bin an keine Chronologie oder kunsthistorischen Fragen gebunden", sagt Ecker, der bereits 2001 mit Thomas Huber die Bestände des museum kunst palast in Düsseldorf neu geordnet hatte. "Mir macht es Vergnügen, Brüche und Harmonien zu zeigen." In Mannheim hat er vor allem auch als Bildhauer auf die Sammlung geschaut und Werke mit ähnlicher oder gegensätzlicher Materialität und Thematik zusammengebracht. Dann ist es aber auch der Sammler Bogomir Ecker gewesen, der sich mit dieser Sammlung auseinandersetzte: Im Berliner Museum für Fotografie zeigt er gerade historische Fotos und im Museum für Photographie Braunschweig überarbeitete Zeitungsseiten. Alle aus seinem persönlichen "Depot". Ein Teil davon soll übrigens dauerhaft in der Kunsthalle bleiben: Einige seiner "Prototypen", die er seit Jahren zusammenbringt - kuriose, köstliche, kluge Fundstücke. Ideen im Kleinformat - mit großer Wirkung.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 07.02.2013
  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden
 
 
TICKER

Veranstaltungen

Veranstaltungen SUCHEN

Partys, Ausstellungen, Weinfeste und Sport-Events. Unsere Veranstaltungsdatenbank weiß, was im Rhein-Neckar-Dreieck passiert.

 

Veranstaltungen MELDEN

Sie möchten uns Ihre Veranstaltung melden, schicken Sie uns eine E-Mail:

Kontakt zur Kulturredaktion

Telefon (11.30-15.30 Uhr): 0621/392-1343
Fax:  0621/392-1366
 

Schreiben Sie uns eine E-Mail!

 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR