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Serie Künstlerhäuser: 1987 vermachte Marie Strieffler der Stadt Landau ihr wunderbares Atelierhaus – ein schwieriges Erbe

Als käme Marie gleich wieder

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 11.09.2013

Von unserem Redaktionsmitglied Annika Wind

Das Malpodest und die Staffelei stammen von Heinrich Strieffler, seine Tochter nutzte sie weiter. An der Stirnseite des Ateliers hängt sein Bild "Der Wein".

© Rinderspacher

Das Strieffler-Haus entstand 1924.

© Manfred Rinderspacher

Eine Malerpalette der Künstler.

© Manfred Rinderspacher

Am liebsten saß er nach der Arbeit auf dem Balkon. "Wenn das Einkommen so glänzend wäre wie die Aussicht", schrieb Heinrich Strieffler in seinen Erinnerungen, dann könnte er doch recht zufrieden sein. Sein Haus in Landau hatte er sich regelrecht "ermalt": Den Bauplatz und einige Handwerker bezahlte er mit Bildern. Und auch seine Tochter Marie ging Kompromisse ein: Sie vermietete Zimmer an Studenten weiter. Das Haus verkaufen? Undenkbar! Nach ihrem Tod sollte es der Stadt als Museum gehören - mit all ihren Bildern.

Ein schönes, aber auch ein schwieriges Erbe, wie sich nun zeigt. Denn in ihrem Testament hatte sich die Malerin einen Ort für verstorbene Pfälzer Künstler gewünscht. So stellte man nicht nur ihre Werke aus, sondern auch die von Kollegen - aus einem engen Fundus, wie die Besucherzahlen bald zeigten. Dann erkrankte der Kurator Clemens Jöckle schwer und die Stadt verkündete, die einzige Personalstelle nicht wieder zu besetzen. 2014 geht so nun der Hausmeister Lothar Geiger in Rente, der 23 Jahre lang die Ausstellungen mitorganisierte und die Aufsicht im Haus führte. Bis dahin wird auch das Vermögen des Freundes- und Förderkreises des Hauses aufgebraucht sein. Wie also geht es nun weiter?

Darüber wird heftig diskutiert. Darf man das Haus verändern, um es zukunftsfähig zu machen? Bisher sieht es hier so aus, als käme Marie Strieffler gleich zurück: Ihr Sommerhut liegt auf der Staffelei, die schon der Vater benutzte. Steinplatten liegen neben der Presse, auf der er für Max Slevogt druckte. Zudem war ihr Vater auch Erfinder, wie ein Blick in die Küche zeigt: Neben einem Lukenverschluss für Unterseeboote ließ er sich auch den "Strieffler Herd" patentieren - mit dem er das gesamte Haus heizte. Außerdem gibt es Möbel, die er entwarf, Bilder, die er, Marie oder ihr Partner Philippe Steinmetz malten, Porzellan und Lampen aus dem Jugendstil. Alles hängt oder steht noch genau dort, wo es Marie hinterließ.

Strieffler-Haus in Landau

Serie: In der Region gibt es Häuser, die an Künstler erinnern - und etwas bereit halten, was in Museen nicht zu finden ist: Die Authentizität eines Ateliers, eines Wohn- oder Geburtshauses. Sie stellen wir Ihnen in unserer Serie vor.

Heinrich Strieffler (1872-1949, hier im Selbstportät) malte Heimatverbundenes mit impressionistischen Anklängen. Er machte auch Fotos mit hohem sozialgeschichtlichen Wert.

Seine Tochter Marie (1917-1987) studierte wie ihr Vater an der Münchener Akademie und entwickelte ihren Stil zum Expressionismus weiter.

Das Strieffler-Haus zeigt bis 6. Oktober Bilder von Albert Haueisen (Fr-So 14-17 Uhr, Löhlstr. 3). Zudem werden in der Küche Werke Pfälzer Künstler zum Verkauf angeboten. aki

Darf man das Haus also verändern? "Man muss es sogar", sagt Christoph Zuschlag, der den Vorsitz des Freundeskreises übernommen und mit Mitgliedern eine Idee erarbeitet hat: für ein Stipendiatenhaus. Ein Künstler könnte hier als Gastprofessor der Universität leben und arbeiten. Weitere Zimmer würden Studenten beziehen. "Das Haus wäre das, was es war: eine Lebens- und Arbeitsstätte", sagt der Landauer Professor für Kunstgeschichte und Kunstvermittlung. Zudem bekäme es überregionale Aufmerksamkeit. Das Wohn- und Esszimmer im Erdgeschoss blieben unangetastet und würden bei Ausstellungen zugänglich gemacht. Aber viele Bilder müssten ins Depot. Und es bräuchte ein neues Bad, eine Küche, und auch das Herzstück des Hauses würde verändert: das Atelier.

1924 hatte Fritz Kindler den Striefflers ein "ideales Heim" gebaut: Von vorn sieht es aus wie ein gewöhnliches Wohnhaus der Moderne. Von hinten wird klar, was es auch noch ist: ein idealer Ort für die Malerei. Riesige Fenster geben einen Blick in den verwilderten Garten frei. Würde hier wieder ein Maler arbeiten - Striefflers Biedermeiersofa und sein Monumentalgemälde "Der Wein - von der Rebe bis zum Glase" müssten wahrscheinlich weichen.

Wunderbar unkonventionell

Gerade das will Christel Ludowici verhindern. Denn sie hatte einen engen Bezug zu den Striefflers: Nach Maries Tod richtete sie mit ihrem Mann das Haus als Museum her. Heimelig war es bei Marie wohl immer - aber nie so geordnet, wie heute. Die Malerin muss wunderbar unkonventionell gewesen sein. Eine Frau, die bis nach Alaska reiste, um die Kunst der Eskimos zu studieren und unverblümt ihre Meinung sagte, wie sich die zweite Vorsitzende des Freundeskreises erinnert. Christel Ludowici will alles so belassen, wie bisher - nur der Kreis der Künstler würde erweitert: "Wir müssten auch bis über den Rhein und ins Elsass schauen." Dann kämen auch wieder mehr Besucher ins Haus.

Ungelöst bliebe dann aber trotzdem noch vieles. Wer sorgt für den Aufbau der Ausstellungen, wenn der Hausmeister fehlt? Oder wer würde das Stipendium und den Umbau zahlen? Beide Konzepte brauchen also Sponsoren. Und das Engagement weiterer Mitglieder. Damit das "ideale Heim" der Striefflers belebt und zugänglich bleibt. Die glänzende Aussicht vom Balkon inklusive.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 11.09.2013
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