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Berlinale: Routiniert, handwerklich sauber, aber ohne echten „Kick“ – die US-amerikanischen Festspiel-Beiträge

Biedermeier und Brandstifter

Von unserem Mitarbeiter Gebhard Hölzl

Traumpaar auf der Leinwand: Julie Delpy und Ethan Hawke.

© dpa

Die 63. Berlinale vermeldet, dass bereits zur Mitte des Festivals 250 000 Tickets verkauft wurden. Wieder erweist sich die Berlinale als Publikumsmagnet, so Festivalchef Dieter Kosslick. "Die Zuschauer sind neugierig auf die unterschiedlichen Formen von Kino, die man hier erleben kann." Gute Nachrichten, nur das Fachpublikum ist mit dem Programm (noch) nicht ganz zufrieden. Kein Film drängt sich, trotz gutem handwerklichem Niveau und ansprechender Schauspielerleistungen, wirklich als "Bären"-würdig auf - nur Mittelmaß auch bei den "großen" amerikanischen Namen.

In "Promised Land" von Gus Van Sant ("Milk") reist Matt Damon als schlitzohriger Angestellter eines Energiekonzerns in die US-Kleinstadt McKinley. Dort luchst er Farmern für wenig Geld Gasbohrrechte ab und verschweigt, welche Umweltgefahren damit verbunden sind. In der bedächtig entwickelten Moralfabel verwandelt sich der Großstadt-Saulus zum Landei-Paulus - eine schnuckelige Lehrerin ist Teil der Final-Belohnung -, während Kameramann Linus Sandgren in pastoralen Bildern schwelgt, Kinder Folksongs zum Besten geben. Ein Heile-Welt-Film, in der die bösen Multis einmal nicht als Sieger vom Feld gehen.

Geistreicher Dialogmarathon

Etwas Märchenhaftes haftet auch der dritten Begegnung mit dem Amerikaner Jesse und der Französin Céline an. Nach "Before Sunrise" (1995) und "Before Sunset" (2004) sind sie nun in "Before Midnight" ein Paar. Mit ihren beiden Töchtern verbringen sie in Griechenland ihren Urlaub. Erneut haben die Schauspieler Ethan Hawke und Julie Delpy zusammen mit Regisseur Richard Linklater das Drehbuch entwickelt, wieder geht es wortreich um Gefühle, Empfindungen und das brennende Thema Liebe. Ein charmanter, geistreicher Dialogmarathon, bei der Delpy und Hawke bestens harmonieren. Was fehlt, ist der Schuss Originalität, denn dass langjährige Ehepartner sich gerne während der "schönsten Tage des Jahres" kräftig in die - hier stilvoll verstrubbelten - Haare kriegen, ist nichts Neues.

Beziehungsprobleme auch bei "Side Effects". Aufhänger zu dem Psychothriller sind die Titel gebenden Nebeneffekte einer Droge gegen Angstzustände. Vielleicht haben sie dazu geführt, dass eine junge Frau (Rooney Mara) ihren Mann (Channing Tatum) erstochen hat. Wie regelmäßig nutzt Steven Soderbergh Versatzstücke des Genrekinos, um gesellschaftliche Missstände zu beschreiben, siehe sein Ökothriller "Erin Brockovich". Jetzt geht es augenscheinlich um Machenschaften von Pharmakonzernen, tatsächlich aber um Insiderhandel und eine zwielichtige Psychiaterin (Catherine Zeta-Jones), die die Fäden zieht.

Ein souverän inszeniertes, leidlich spannendes Vexierspiel, das (zu) viele Haken schlägt und in dem Jude Law als Therapeuten übel mitgespielt wird. Ein typischer Hitchcock-Held, der den Boden unter den Füßen verliert, ist er, wie Shia LaBœuf, der US-Boy in "The Necessary Death of Charlie Countryman", der in Bukarest sein Herz an Gangsterbraut Evan Rachel Adam verliert. Bald steckt er in einem verworrenen Mix aus schwarzer Komödie und Actioner, in dem Mads Mikkelsen als Finsterling glänzt und Til Schweiger sich müht, mit ihm Schritt zu halten. Frederik Bond, der sein Handwerk an Videoclips schulte, gibt sein Spielfilmdebüt - die Herkunft lässt sich nicht verleugnen: Stil ist alles!

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 14.02.2013
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