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Das Interview: Elisabeth Stöppler inszeniert in Heidelberg Tschaikowskys Oper „Mazeppa“ zur Theatereröffnung

„Der Druck spornt an“

Von unserem Mitarbeiter Eckhard Britsch

Die Regisseurin bei der Arbeit: Elisabeth Stöppler bei den Vorbereitungen zur "Mazeppa"-Premiere am Samstag.

© Florian Merdes

Elisabeth Stöppler hat die schöne Aufgabe, die Eröffnungspremiere für das Heidelberger Theater zu realisieren. Nach etwa dreijähriger Umbauzeit wird das weitgehend neue Haus am Samstag, mit der Oper "Mazeppa" von Peter Tschaikowsky eingeweiht. GMD Yordan Kamdzhalov dirigiert, Bühne und Kostüme sind von Karoly Risz und Katharina Gault. Inmitten von Baulärm, Staub und heftigem Proben-Umtrieb fand Elisabeth Stöppler Zeit für ein Gespräch.

Frau Stöppler, wie fühlt es sich an, wenn man die Eröffnungspremiere eines neuen Theaters gestalten darf?

Elisabeth Stöppler: Es ist erst einmal eine Herausforderung und eine Ehre! Wir haben in den letzten Wochen gemerkt, dass diese Arbeit mit nichts Vorherigem zu vergleichen ist. Hier entsteht ja gerade "Theater", sowohl räumlich, als auch konstitutionell und strukturell. Letztlich fühle ich mich aber einfach nur sehr gefordert.

Die Premiere "muss" ein Erfolg werden. Belastet Sie das?

Stöppler: Es ist natürlich von allen Seiten zu spüren, wie sehr auf diese Premiere gewartet wird, denn das Theater spielt bei den Heidelberger Bürgern eine ganz große Rolle. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass mich das nicht belastet. Auf der anderen Seite ist es auch unglaublich aufregend! Der Druck spornt an, trotz Panik. Letztlich ist da eine große Euphorie, weil das Theater großartig werden wird.

"Mazeppa" gilt als weitgehend unbekannte Oper. Waren Sie schon einmal in einer Aufführung?

Stöppler: Ja, im September in Krefeld, eine Inszenierung von Helen Malkowsky. Ich habe dort wieder gespürt, dass das Stück unglaubliches dramatisches Potenzial hat.

Gibt es auch Klischees in diesem, nennen wir es mal Revolutionsdrama? Immerhin wird Maria, die weibliche Hauptfigur, am Ende wahnsinnig?

Stöppler: Ja, das ist ein typisches Klischee der Oper im 19. Jahrhundert, dass die Tragödin verrückt wird. Wir deuten das anders und werden die Geschichte einer Frau erzählen, die sich aus alten Strukturen befreit. Sie erkennt, wird am Ende klarsichtig, schafft einen Raum für Neues.

Sie wollen "Lebenswirklichkeit erfahrbar machen". Funktioniert das mit solch einem Stück?

Stöppler: Von Anfang an sind alle Figuren in einer Art übersteigerter Leidenschaft. Das Stück explodiert schon in den ersten Minuten! Die Bühne dazu hat eine fast surreale Ausstrahlung, ehe am Schluss Maria den Raum in ihrer Hellsichtigkeit öffnet für ein "neues Theater". Da wird es ganz pur, ganz echt, während am Anfang die Verschleierung, die Kulisse, die Illusion vorherrschen.

Finden Sie denn aktuelle Querverweise zur Ukraine, wo die Oper spielt?

Stöppler: Wir haben ganz bewusst keine konkreten aktuellen Bezüge gewählt. Wir erzählen über Militarismus, über Ehre, über Verrat zwischen zwei Freunden, die sich eigentlich stützen und halten müssten. In einer Gesellschaft, die vorher komplett unschuldig ist, heiter und jung, bricht so etwas aus wie Krieg, Fatalismus, Dogma. Der Fokus engt sich ein, die private Fehde von Mazeppa und Kotschubej wird zum Ausgangspunkt einer gesellschaftlichen Umwälzung. Wir fassen "Mazeppa" als Psychodrama eines ganzen Kollektivs auf.

Gibt es in Ihrer Regiearbeit so etwas wie eine regelrechte Gratwanderung zwischen Analyse und Intuition?

Stöppler: Ja, absolut, das lerne ich mit zunehmender Erfahrung. Am Anfang verlässt man sich nur auf seinen Kopf, aber irgendwann merkt man, Mensch, ich spür' da was, das ist viel wichtiger. Bei Tschaikowsky liegt nahe, dass man mit der Fieberkurve dieser Musik geht. Aber ohne Kopf geht gar nichts, denn Oper ist komplex und immer zeitgeschichtliches und ästhetisches Dokument.

Sie führen hier zum ersten Mal Regie. Was haben Sie bislang von Heidelberg gesehen?

Stöppler: Nicht viel, aber ich bin schon dreimal den Philosophenweg hochgestiegen! Ich finde, dass man hier gut ausgehen kann und noch um 23 Uhr etwas zu essen bekommt. Und das Theater liegt optimal in der Stadt und wird ein Juwel sein, wenn alles fertig ist.

"Mut und Selbstbewusstsein" gehöre zum Regie-Handwerk, eine Aussage von Ihnen.

Stöppler: Selbstbewusstsein heißt, dass ich mir selbst bewusst bin, und das schließt Selbstzweifel ein. Mut gehört sowieso dazu, sonst könnte man die Situation in einem Theater und das filigrane Gebäude einer Oper nicht bewältigen. Ich muss nach vorne gehen, selbst wenn ich mich schwach fühle.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 22.11.2012
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