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Kunst: Stadt und Kunstverein Worms präsentieren im Theater eine launige Ausstellung zur Wirkgewalt Richard Wagners

Des Meisters Mythos und Meise

Archiv-Artikel vom Montag, den 08.10.2012

Von unserem Redaktionsmitglied Ralf-Carl Langhals

"Mein lieber Schwan" betitelt Nina Nolte ihr 2012 entstandenes Bild.

© KV Worms

"Hier ruht und wacht Wagners Russ." So steht es auf einem Grabstein neben des Komponisten Bayreuther Ruhestätte. Und so ist es. Auch im Wormser Kulturzentrum "Das Wormser" wacht Richard Wagners tierisch guter Freund. Sitzend, aus braunem Kunststoff - und gleich 40-fach. In Form gegossen und liebevoll auf der geräumigen Theaterterrasse drapiert hat "Wagners Hund(e)" der Nürnberger Künstler Ottmar Hörl, der schon 2004 die Festspielstadt Bayreuth flächendeckend mit (schwarzen) Hunden erfreute. Dass Wagner ein brauner Hund war, wird er hoffentlich nicht gedacht haben, als er von Kurator und Kunstvereinsleiter Dietmar Schuth aufgefordert wurde, sich an "Denk mal an Wagner" zu beteiligen.

"Aus Anlass der 150. Wiederkehr des Besuches Richard Wagners in Worms 1862" heißt die Ausstellung leider schwerfällig im Untertitel. Ob Wagner auf dem Rückweg von seinem Osthofener Gönner Weißheimer überhaupt in Worms war, ist zudem historisch fragwürdig. Unbestritten ist indes die Fördererrolle der (mit dem Mannheimer Musikalienhändler Heckel befreundeten) Wormser Fabrikanten von Schoen und von Heyl, die sich gut zehn Jahre später mit Patronatsscheinen und Stipendienstiftung bis heute fortwirkende Wagner-Denkmäler setzten.

Ein Monument für den Bayreuther Meister gibt es bis heute in Worms nicht, was etwa Axel Eiflinger zu pfiffigen Fotomontagen aus - zu Wagners Gunsten umgewandelten - städtischen Gedenkstätten anregte. Mit Sohn Siegfried im Arm arrangiert er den Meister auf dem Siegfriedstein hinter dem Dom oder setzt Bischof Burkhards Bronzeskulptur Richards Kopf auf. Nicht weniger Spieltrieb beweist Eiflinger mit seinem "Bayreuther Festspielvogelhaus", das jedes Wagnerianers Garten zur Ehre gereicht.

Die Ausstellung "Denk mal an Wagner" in Worms

  • Die Schau im Wormser Kulturzentrum "Das Wormser" (Rathenaustraße 11) geht bis 2. November.
  • Geöffnet ist sie montags bis freitags 10 bis 18 Uhr, samstags 9 bis 12 Uhr, sonntags 14 bis 17 Uhr sowie jeweils eine Stunde vor der Abendvorstellung. Der Eintritt ist frei.
  • Am 14., 21. und 28. Oktober wird jeweils um 15 Uhr eine Führung angeboten. Zur Ausstellung ist ein Katalog (15 Euro) erschienen.
  • Des Weiteren stehen begleitende Vorträge (jeweils 16 Uhr) an: Am 14. Oktober spricht Dietmar Schuth über "Wagner in Worms". Am 21. Oktober informiert Jonathan Livny von Israels einzigem Wagnerverband über Wagner-Rezeption in seiner Heimat.
  • Markus Kiesel spricht am 28. Oktober über Wagners Festspielhaus. Am 11. November ist Wagner-Urenkelin Nike Wagner mit "Kunst und Geld - Festivals heute" zu Gast. rcl

Metallischer Wackelschwanz

Geschichte und Geschichten werden hier viele - und vor allem mit erfrischender Ironie erzählt. Peter Wittstadt nennt seine grünhaarige, in Mischtechnik und Kinderzeichnungsstil ausgeführte Frauenfigur einfach nur wagnerhubernd "Grünhild". Humor zeigt auch Peter Könitz, wenn er seine sanft vor sich hinschlängelnde Skulptur aus Aluminium, Motor und Brauseschlauch "Die Bewegungen unter der Tarnkappe blieben unauffällig" nennt. Eine Edelstahlrolle versteckt er halb unter einem Teppich und lässt einen metallischen Wackelschwanz darunter hervorlugen: "Die Angst des Hundes vor der Musik seines Meisters" nennt er seine gelungene Installation, die auch Wagner-Fan Loriot noch mit in den Nachen holt. Einen solchen zeigt Yvonne Kendall; darin und um ihn herum, gründeln und plätschern acht aus Gardinenstoff und Garn liebevoll gewickelte Schwäne. Seinem Opernvogel geht Wagner auf Nina Noltes Gemälde "Mein lieber Schwan" an den Hals, selbstredend vor ätherischem "Lohengrin"-Silberblau.

Eine tierisch gute Zusammenstellung zeigt sich im Wormser, wo sich Achim Freyers Brünnhilden-Ross "Grane" nahezu monumental neben Entwürfen zu seiner "Ring"-Inszenierung für Los Angeles ausnimmt. Marion Anna Simons großformatige "Brünnhilde" trägt kess rote Stiefelchen. Auch sie bäumt sich hoch zu Ross auf - und zwinkert dabei in Richtung von Jacques Louis Davids napoleonischem Alpenritt.

Einiges missverstanden hat offensichtlich Dietmar Brixy, der bei Wagner an Steinofen denkt und eine "Pizza Diavola (oder Parzival)" mit schmutzig dunklen Farbbrocken und eine "Pizza Bianca (oder das Liebesverbot") mit hellen belegt. Den meisten der 28 ausstellenden Künstlern ist mehr eingefallen. Von der von Biedermeierputzigkeit zum Trash gewandelten, "fadenscheinigen" Stickarbeit Sabine Hacks über die Wagnerschatten werfende Drahtskulptur Marietta Armenas, bis zum wahrhaftigen Denkmalentwurf: "Denk mal an Wagner" kann sich mehr als nur sehen lassen. Die schwebende "Drachendrohne" von Bjoern Schuelke tönt gar blechern das finstere Fafner-Motiv aus "Siegfried".

Vielseitig wie Materialien, Texturen und Werkgenres sind auch die Gedanken über das Faszinosum Wagner. Als Antwort auf den Kult ist sicher Karlheinz Beers rote "Sterbesofa"-Serie in Öl zu verstehen. Die im Haus Wahnfried herausgezupften Fäden des venezianischen Originalmöbels erzielten unter Wagnerianern auf dem Reliquienschwarzmarkt einst Höchstpreise. Nun macht Plexiglas dem Mitnahmemarkt den Garaus. Bei Wagners kleiner Tierschau in Worms können die Exponate ganz gesetzestreu erworben werden.

© Mannheimer Morgen, Montag, 08.10.2012
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