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Berufe am Nationaltheater: Die Theaterpädagoginnen des Schnawwl öffnen den Zugang zur Welt der Fantasie

Die Kinderseele spüren

Von unserer Mitarbeiterin Monika Lanzendörfer

Bewegt von kleinen Darstellern: Monika Schill (links) und Anne Gorath, die Theaterpädagoginnen des Schnawwl.

© Merdes

Unzählige Ausbildungswege führen zum Theater. Auch Seiteneinsteiger bekommen eine Chance. Der Vorteil dieser Vielfalt besteht darin, dass alle Interessierten selbst wählen können, wie sie auf ihr künftiges Arbeitsgebiet vor oder hinter der Bühne zusteuern wollen. Oft beginnt die Annäherung mit einem Praktikum. Diese Serie über die Berufe am Nationaltheater hat deutlich gemacht, welche umfassenden Kenntnisse in Kunst, Handwerk und Technik erforderlich sind. Zu den Voraussetzungen gehört es unbedingt, im Team zusammenzuwirken.

Geschlossene Gemeinschaft

Einsiedler sind weniger gefragt. Das gilt vor allem für die Theaterpädagogik, denn wer dieses Fach anstrebt, muss auf Menschen zugehen können, seien sie anstrengend oder verzagt, erwachsen oder im Kindesalter. Der Beruf verlangt die Gestaltung von Kursen, die tief in die Welten des Theaters hineinführen. Das gelingt aber erst, wenn sich aus den Teilnehmern, die einander fremd sind, eine geschlossene Gemeinschaft formt.

Während der vergangenen Saison boten die Theaterpädagoginnen dank zahlreicher Mitarbeiter 14 Kurse für 265 Kinder und Jugendliche an.

In dieser Spielzeit stehen die Projekte des "Jungen Nationaltheaters Mannheim" unter dem Motto "Freiheit". Anfänger und Fortgeschrittene spielen in Theaterlabors oder in der Ferienwerkstatt, sie singen im Chor oder kommen zum Tag der "Offenen Bühne".

Das nächste Festival "Leinen los! Junges Theater im Delta" findet vom 28. Juni bis 1. Juli 2013 in Ludwigshafen statt.

In wieweit diese Gabe des Vermittelns erlernbar ist, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass es in Deutschland rund 100 Institutionen gibt, die Theaterpädagogik lehren. Das berichtet der Deutsche Bühnenverein. Die Pädagoginnen des Schnawwl kommen aus verschiedenen Richtungen: Anne Gorath hat die Kinder- und Jugendbühne als Praktikantin und Mitglied des Spielclubs kennengelernt. Später studierte sie in Hildesheim Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis. Monika Schill studierte Literatur und Anglistik in Wien und Mainz. Darauf packte sie ein Aufbaustudium an der Theaterwerkstatt Heidelberg.

In den Händen der beiden Schnawwl-Kolleginnen liegt die Leitung des Kursprogramms, das unter dem Dach des "Jungen Nationaltheaters Mannheim" zu Rollenspielen und Verkleidungen ermuntert. Bei ihnen laufen auch die Fäden des Festivals "Junges Theater im Delta" und der Mannheimer Schultheaterwoche zusammen. Als weitere Ansprechpartnerin des Nationaltheaters kümmert sich Maren Rottler um Angebote für Schulen und Hochschulen. Die Theaterpädagoginnen sitzen vor dem Arbeitspensum eines 24-Stunden-Jobs. Feste Arbeitszeiten kennen sie nicht, doch immerhin sind sie für ihre Projekte selbst verantwortlich. Es mag überraschen, dass 50 Prozent des Pensums am Computer abzusitzen sind, zum Beispiel um E-Mails zu beantworten oder um Texte zu verfassen, die den Spielplan erläuternd begleiten. Diese Anleitungen sind für den Schulunterricht gedacht. Sie helfen den Lehrern, vor oder nach dem Klassenbesuch näher auf eine Schnawwl-Aufführung einzugehen.

Unter die restlichen 50 Prozent des Pflichtpensums fallen: Ausschwärmen und Kontakte knüpfen, Vorstellungen betreuen, Proben, Kindergärten oder Schulen besuchen, Gespräche führen. Es zeigt sich, dass manche Erwachsenen immer noch den Charakter eines guten Kinderstücks verkennen. Anne Gorath leistet also intensive Überzeugungsarbeit, dass "Theater nichts Verstaubtes" sei.

Was geschieht, wenn die Kämpferinnen gegen Vorurteile ihre eigenen Kurse gestalten, lässt sich kurz in zwei Phasen zusammenfassen: Die kleinen Akteure können sich zwischen Improvisieren, Tanzen oder Geschichten-Erfinden entscheiden. Dabei experimentieren sie mit Sprache, Bewegung und Musik. Die Kursleiterinnen lenken behutsam den jugendlichen Einfallsreichtum, bis das Ergebnis vor Publikum präsentiert wird. Die Stücke-Erfinder lernen: Theater ist lebendig, geht auf unsere Fragen ein. Und die Pädagoginnen beobachten, wie sich ihre Schützlinge von Ängsten und Beklemmungen befreien und zu eigenen Persönlichkeiten entwickeln. Monika Schill liest aus dieser Welt der Fantasie, was die kleinen Darsteller bewegt: "Ich spüre ihre Kinderseele", beschreibt sie ihr Erfolgserlebnis.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 26.09.2012
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