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Das Porträt: Die Mannheimer Saxofonistin Cordula Hamacher feiert das zehnjährige Bestehen ihrer Band Cordclub

Erfüllt vom Flair der Flokati-Ära

Archiv-Artikel vom Freitag, den 18.01.2013

Von unserem Redaktionsmitglied Georg Spindler

Macht urbane Musik mit Sinn für Ironie: Cordula Hamacher.

© Thomas Tröster

Diese Musik spielt Katz und Maus mit ihren Hörern: Sie flirtet verführerisch mit den Pop-Sounds der 70er Jahre, nimmt sie zugleich aber augenzwinkernd auf die Schippe. Lockt mit sanften Melodien, schweift jedoch jäh in schräge Dissonanzen ab. Gibt sich oberflächlich tanzbar und offenbart dann komplexe Improvisationen voller Tiefgang. Der Cordclub, die Band der Mannheimer Tenor-, Sopransaxofonistin und Flötistin Cordula Hamacher, ist nicht zu fassen.

"Die Leute zu überraschen, das ist mir wichtig", sagt die Frau hinter der Combo, deren Musik zwischen Pop, Jazz, Funk und Easy-Listening schillert und die jetzt ihr zehnjähriges Bestehen feiert. In gleichbleibender Besetzung mit Dietrich Bechtel (Bass), Wolfgang Disch (Schlagzeug) und Steffen Stütz (Tasteninstrumente). Die Vielschichtigkeit der Formation wird schon an ihrem Namen deutlich: Da klingt vieles mit - der Name der Bandleiterin, der Akkord, die Cordhose. Letztere verweist auf Hamachers Faible für die 1970er Jahre; die Zeit der Flokatijacken, Flossenkragen und eben jener Hose, die seinerzeit (mit Schlag) in Mode war. Warum die Saxofonistin diese Ära so besonders mag? "Na ja, ich war da Kind, das beeinflusst einem wahrscheinlich unbewusst."

Fasziniert von den 1970er Jahren

Cordula Hamacher

  • Die in Berlin geborene Musikerin lebt seit den 80er Jahren in der Region. Ausbildung: Klassischer Flötenunterricht, Saxofonstudium an der Frankfurter Musikwerkstatt, Jazz-Studium an der Musikhochschule Mannheim.
  • Seit 2002 ist sie Mitglied der Mannheimer Bigband Kicks 'n Sticks, 2003: Gründung des Cordclub, 2007: Gründung des Cordula Hamacher Quartetts.
  • CDs mit Cordclub: "Cordomatic" (2006), "Hard Cord - The Easy Way" (2010), mit dem Cordula Hamacher Quartett: "Connected" (2009)
  • Jubiläumskonzert: 29. Januar, 20 Uhr, Alte Feuerwache, Mannheim. Der Cordclub (neben Hamacher Dietrich Bechtel: Bass, Steffen Stütz: Keyboards, Wolfgang Disch: Schlagzeug) spielt mit Matthias Dörsam (Saxofon) und Claus Kiesselbach (Vibrafon) als Gastmusikern. gespi

Eigentlich wollte Hamacher 2003, beeinflusst von tanzbarem Acid-Jazz und Bands wie St. Germain eine "groovige Jazzband" gründen, die in einem Club gut funktioniert. "Und ich wollte weg vom Akademischen", betont sie. "Ich mag keine Jazz-Improvisationen mit vielen Noten, das interessiert mich nicht. Aber ich liebe Musik, die Stimmungen erzeugt." Dabei kam auch ihre Begeisterung für französischen Pop von Serge Gainsbourg oder Nino Ferrer und Filme mit Jean-Paul Belmondo (und den entsprechenden Soundtracks) zum Zuge. Und so durchzieht bis heute eine gewisse Leichtigkeit - "die ist mir wichtig", sagt Hamacher - die Instrumentalmusik des Cordclub, bei der Dietrich Bechtel am Bass von Anfang an aber auch für ein starkes Funk-Fundament sorgte.

Längst hat sich die Band von den einstigen Inspirationsquellen entfernt, ist eigenständig geworden. Hamacher integriert ihre Soli stringenter in den Gruppen-Sound, Keyboarder Steffen Stütz lässt mit ausgesucht schrägen Klangkreationen aufhorchen. Aber nach wie vor jongliert die Truppe mit den Klängen der Flokati-Ära: zischelndem Disco-Schlagzeug, knallenden Funk-Bässen, schrillem Synthesizer-Fiepsen. Aber all dies taucht ironisch gebrochen und verfremdet auf. "Mit Klischees zu spielen, finde ich interessant", meint Hamacher, die einräumt, dass Ironie in ihrer Musik von besonderer Bedeutung ist.

Neben dem Cordclub hat die Mannheimerin auch eine "reine" Jazzband: ihr Quartett mit den Berliner Musikern Zoltan Terzic (Piano), Johannes Fink (Bass) und John Schröder (Schlagzeug), mit dem sie bundesweit und sogar international Erfolge feiern konnte. Das britische "Jazzwise"-Magazin verglich das Spiel der Saxofonistin wegen ihrer Lässigkeit sogar mit Dexter Gordon. Auch die Musik dieser Band ist doppelbödig. Die Referenzen an den Hardbop werden hier durch vertrackte Metren, rhythmische Raffinessen, komplexe Harmonien und Free-Jazz-Ausbrüche relativiert. "Mir kommt es auf Spannung an. Ich mag die Energie beim Spielen", erklärt die Saxofonistin. Das Aufeinanderprallen von Gegensätzen präge ihr Berliner Quartett, aber auch den offenen Stil des Cordclub. "Beide Bands waren immer so angelegt, dass jeder Musiker sich einbringen konnte. Ich denke, ich bin schon eine liberale Chefin", sagt sie.

Mannheims Jazzfans kennen die Saxofonistin auch als Mitglied von Kicks 'n Sticks, dem Profi-Jazzorchester, das - obwohl es kaum große Gagen erhält - regelmäßig auftritt: "Es ist pure Liebhaberei. In einer Bigband zu spielen, ist immer reizvoll. Und wir haben stets interessante Gastsolisten." Gleichwohl arbeitet Hamacher nun an einem gänzlich anderen Projekt: "Ich möchte gerne eine Platte mit verschiedenen Duo-Besetzungen machen, bei der ich ausschließlich Flöte spielen werde." Nach Fusion, Akustik-Jazz und Big-Band nun also ein kammermusikalisches Vorhaben: Diese Frau ist eben immer gut für Überraschungen.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 18.01.2013
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