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Enjoy Jazz: Internationales Symposium mit prominenten Rednern über soziale Relevanz der Musik

Festival zieht weite Kreise

Archiv-Artikel vom Samstag, den 10.11.2012

Von unserem Redaktionsmitglied Georg Spindler

Zählte zum Kreis der Referenten: Pianist Vijay Iyer.

© ACT/Jimmy Katz

Die Freude an Enjoy Jazz findet diesmal auch ein verstärktes Echo in den USA. Bei der 14. Ausgabe des Festivals sind hochkarätige Experten aus Amerika zu Gast: Journalisten wie Howard Mandel, Präsident der Jazz Journalists Association, Funktionäre wie Tom Carter, Präsident des Thelonious Monk Insitute of Jazz, oder Musiker wie Archie Shepp. Sie zählten zu den 17 Teilnehmern des von der BASF ermöglichten internationalen Symposiums "Lost in Diversity", das im Heidelberg Center for Americans stattfand und gestern nachmittag zu Ende ging.

Politische Dimensionen

Die Vorträge der von dem Berliner Musikwissenschaftler und Soziologen Christian Broecking konzipierten Tagung sollten laut Vorgabe einen "transatlantischen Dialog über die soziale Relevanz des Jazz" in Gang bringen. Dabei ging es um Themen wie das Verhältnis von amerikanischen Vorbildern und europäischer Identität oder um die Beziehung zwischen Jazz und Politik.

Mit besondere Spannung waren die Musikervorträge erwartet worden, vor allem der Saxofonisten Yusef Lateef und Archie Shepp. In einem bewegenden Auftritt betonte der 92-jährige Lateef (der sich vom Begriff Jazz distanzierte, weil er derbe Konnotationen besitze), afroamerikanische Musik sei ein Ausdruck von Menschlichkeit und besitze eine spirituelle Dimension. Durch ihre Ästhetik des Leids und der Freiheit habe sie die Gesellschaft der USA aufgewertet. Der Pianist Vijay Iyer belegte diese These, indem er sein neues Lyrik & Jazz-Projekt vorstellte. Dabei zeigt er die Auswirkungen der Kriege im Irak und in Afghanistan auf die amerikanische Befindlichkeit anhand erschütternder Berichte von Kriegsveteranen.

Dass Shepp (wie Lateef) in den USA als Dozent tätig ist, sorgte allerdings nicht unbedingt für wissenschaftliches Niveau. So erzählte Shepp eine märchenhaft anmutende Episode, die beweisen sollte: "Musik stoppt Krieg". Im Zweiten Weltkrieg hätten deutsche Truppen 1944 oder '45 eine Waffenpause genutzt, um eine Jamsession mit GIs zu spielen - weil die Wehrmachtssoldaten, so Shepp, erfahren hatten, dass der Bebop-Drummer Kenny Clarke auf der US-Seite kämpfte. . .

Außerdem wärmte Shepp alte Black-Power-Parolen wieder auf. Weiße Musiker, er nannte Stan Getz (verschwieg aber Bix Beiderbecke, den ersten "coolen" Jazzer), seien alle nur Kopisten, der Jazz "gehöre" den Afroamerikanern; diese hätten die US-Musik bereichert, unter anderem durch "Klatschrhythmen". Howard Mandel widersprach später in seinem Vortrag. Er sieht Jazz als "urbane Musik", die auf Kommunikation und Integration ziele und somit gerade auf das Überwinden ethnischer Grenzen.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 10.11.2012
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