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Pop/Klassik: David Garrett zündet sein rockiges Feuerwerk in der ausverkauften Mannheimer SAP Arena

Flirtende und fliegende Geige

Archiv-Artikel vom Montag, den 26.11.2012

Von unserer Mitarbeiterin Monika Lanzendörfer

Bei seinem circensischen Rock-Klassik-Ansatz lässt sich David Garrett (links) von hochklassigen Musikern wie Pianist John Haywood oder Marcus Wolf an der Gitarre unterstützen.

© Manfred Rinderspacher

Der Garrett-Fan kennt die Show schon lange, bevor er seinen 80-Euro-Platz in der Mannheimer SAP Arena ansteuert. Eduard Lamin reist mit dem Zug aus Colmar an; sein Sohn hat ihm die Eintrittskarte samt Übernachtung im Hotel zum 70. Geburtstag geschenkt. Was erhofft er sich? Musikgenuss? Spektakel? "Ich weiß genau, was mich erwartet. Im Internet sind doch die Ausschnitte zu sehen: der Flirt auf dem Sofa oder der Flug durch die Halle!"

Wie der Gast aus dem Elsass kennen offensichtlich alle YouTube-Seher die fotogenen Momente des auslaufenden Tour-Programms. Noch ist es stockdunkel, aber wie auf Kommando werden Hunderte Handys in die Höhe gehalten, um die Szene festzuhalten: Es wird hell und Garrett schwebt geigend über die Köpfe hinweg. Das unterschiedet die aktuellen "Rock Anthems" von den Vorgängern, den "Rock Symphonies": Die Revue-Elemente vermehren sich drastisch und die Video-Techniker spielen nach Lust und Laune mit optischen Effekten.

Willkommen im Dschungel

David Garrett

  • Der deutsch-amerikanische Geiger wurde am 4. September 1980 in Aachen als David Bongartz geboren. Mit vier begann er Violine zu spielen, mit 14 nahm ihn die Deutsche Grammophon als Wunderkind unter Vertrag.
  • 2007 veröffentlichte Garrett sein erstes Crossover-Album "Virtuoso". Die Verkaufszahlen der "Rock Symphonies" von 2010 erreichten Spitzenwerte. 2008 registrierte ihn das Guinness-Buch der Rekorde als schnellsten Geiger der Welt.
  • Vor vier Monaten wurde der Film "Paganini: Der Teufelsgeiger" mit Garrett in der Titelrolle gedreht. Der Streifen kommt 2013 in die Kinos. ML

Zu "Welcome To The Jungle" von Guns 'n Roses wuchert eine Liane um Garrett herum, der sich auf einer Säule stehend anstrahlen lässt. Zur "Yesterday"-Melodie der Beatles öffnet sich das Familienalbum. Beethovens stampfende Scherzo-Rhythmen werden von Tintenklecksen zugeklatscht. Wenn das strapazierfähige Orchester explodiert, gerät auch die Videowand außer Rand und Band, sprühen pyrotechnische Funken, fallen Papierstreifen von der Decke. Beim hitzigen "Säbeltanz" von Aram Chatchaturjan steht die Bühne in Flammen.

Da meint wohl ein Regisseur hinter den Kulissen, Live-Musik müsse durch virtuellen Konfetti-Regen oder Zuckerbäcker-Schnee aufgeplustert werden. Vier Tänzerinnen marschieren auf, um ihre Beine zu schwingen oder Erotik anzudeuten. Ein ungeschickter Versuch, die Männergarde im trüben Jeans-Look durch feminine Dekorationsware aufzufrischen. Diesem Zweck dürfte wohl auch die Kuschelei auf dem Sofa dienen. Die adrette Zuschauerin Olivia wird vom Geigengesang des Blondzopfs angeschmachtet und von der Kamera in Nahaufnahme auf ihre - erstaunlicherweise sehr beherrschten - Reaktionen hin überprüft. Die beiden sind sich so nah und doch unnahbar.

Während der Pause kommentiert der Monsieur aus Colmar das Klassik-Rock-Gebräu hoch zufrieden. Ja, dieser Garrett gefalle ihm eben. Warum? "Weil er den Songs aus meinen wilden Jugendjahren neues Leben gibt. Als ich hinter den Platten der Beatles her rannte, war der Bursche noch gar nicht geboren." An dem 70-Jährigen zieht ein Stück Lebensgeschichte nach Noten vorüber. Die orchestral aufgedonnerten Arrangements sagen ihm zu: "Jede Generation hat ihre Sprache."

Im Scheinwerferlicht neben Garrett stehen hervorragende Instrumentalisten: Der Pianist John Haywood etwa verleitet den deutsch-amerikanischen Paganini mit den circensischen Marotten zu einem feinsinnigen Jazz-Dialog über die Ballade "Desperado" von den Eagles. Und Franck van der Heijden umschmeichelt den oft kalten, glasklaren Geigenton weich und farbig auf der E-Gitarre.

Der Holländer wacht außerdem als Dirigent und Arrangeur darüber, dass die Neue Philharmonie Frankfurt jedes Klanggewitter mit höchster Präzision übersteht. Seine Bearbeitungen visieren im Hauruck-Verfahren die knalligen Kontraste an. Ganz nach dem Geschmack des emphatischen Publikums. Am 15. Mai 2013 steht Garrett mit "Music Live" wieder in der Arena.

© Mannheimer Morgen, Montag, 26.11.2012
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