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Jazz: Mannheimer Trompeter Thomas Siffling brilliert auf seiner neuen Trio-CD mit Gratwanderungen zwischen Jazz und Pop

Fort von der Hauptstraße

Von unserem Redaktionsmitglied Georg Spindler

Bieten nicht nur sonnige Musik, sondern auch stürmische Soli (v.l.): Jens Loh, Thomas Siffling und Markus Faller.    

© Thommy Mardo

Das ist definitiv keine Hintergrundmusik mehr fürs Autofahren: Flirtete Thomas Siffling noch auf seiner letzten Trio-CD "Cruisen" mit gefälligen Nu-Jazz-Klängen, die sich als störungsfreier Soundtrack für motorisierte Ausflüge anboten, dürfte dies bei dem neuen Opus "Personal Relations" schwerfallen. Denn der Mannheimer Trompeter präsentiert nun mit Jens Loh (Elektro-, Kontrabass) und Markus Faller (Schlagzeug, Percussion) spannungsgeladene, kontraststarke Improvisationen, die zum Hinhören zwingen.

Das soll nicht heißen, dass Siffling sich populären Strömungen verweigert. Im Gegenteil: Die zwölf Stücke auf "Personal Relations" (inklusive zweier clubtauglicher Remixe) flirten heftig mit Pop-Elementen: kompakten Songformen nebst eingängiger Melodien, nachvollziehbaren Harmonie-Folgen und Ostinato-Strukturen, massenkompatiblen Rock- oder Dancefloor-Rhythmen sowie elektronischen Klängen. Aber der Trompeter verleiht dieser Crossover-Mixtur durch komplexe, anspruchsvolle Improvisationen weitaus mehr Gehalt als auf den Vorgängeralben "Cruisen" (2009) und "Kitchen Music" (2007). Sein Mainstream-Popjazz hat jetzt Tiefgang.

Starke Jazz-Einflüsse

Offensichtlich haben Sifflings gefeierte Jazzprojekte der zurückliegenden Jahre nachhaltige Spuren hinterlassen - seine Duos mit dem Gitarristen Claus Boesser-Ferrari und dem Pianisten Daniel Prandl, auch seine Mitwirkung in der Band des Bassisten Jürgen Wuchner, bei der sich das Spiel des Trompeters durch jazzmäßige Expressivität und experimentellen Wagemut auszeichnete. All dies fließt nun ein in die aktuelle Musik seines Trios.

Auf dieser neuen CD brilliert Siffling mit Improvisationen, die nicht in Nu-Jazz-Manier auf der Stelle treten, sondern in jazzmäßiger Art abschweifen von den Ausgangsthemen, sie transformieren, Neues schaffen. Um bei der Autofahrer-Metaphorik zu bleiben: Der Kurs führt jetzt off road - weg von der Hauptstraße, auf verschlungene Seitenwege, abenteuerliche Pisten, bei denen es munter auf und ab geht.

In "Just A Little Song" etwa, von Handtrommel-Rhythmen orientalisch eingefärbt, begeistern Sifflings ausschwingende Phrasenfolgen durch die Art, wie er sie immer wieder mit jähen Wendungen - wie komplexe Satzfolgen in einem Roman - unvorhersehbar weiter verlängert. Im furiosen "Urban Time-Lapse", das Markus Faller fast in Led-Zeppelin-Manier mit donnernden Hardrock-Beats unterlegt, kontert der Trompeter mit einem Solo von tänzerischer Leichtigkeit, das sich zwischen verschnörkelten Dekors, skizzenhaft hingestreuten Einzeltönen, plötzlich aufklaffenden Pausen und zerrenden Zick-Zack-Linien hochdramatisch entwickelt. Dann wieder verblüfft er auf dem sonnigen Calypso "Just A Little Song From St. Lucia" mit zwei Chorussen wie aus dem Traditionslehrbuch, die souverän mit dem Thema spielen, mal in paraphrasierender Nähe, mal in abstrahierender Entfernung.

Hier, wie auf der gesamten Platte, kommt das große Formgefühl des Mannheimers zum Tragen. Sein Gespür für den Wechsel zwischen expressiver Verdichtung und lyrischer Weite, dramatischen Steigerungseffekten und retardierenden Momenten - etwa durch jähe Stille - verleiht seinen Statements geradezu Makellosigkeit. Was natürlich auch seinem betörenden Sound - diesem hellen, leichten, glasklaren Ton - und seiner bestechenden Phrasierungskunst geschuldet ist.

Aber "Personal Relations" ist auch ein Album kollektiver Präsenz. Bassist und Schlagzeuger sind nun stärker in den musikalischen Prozess eingebunden. Markus Faller bringt eine flirrende Vielfalt an Einflüssen ins Spiel: leichthändige Ethno-Rhythmen aus dem Orient und der Karibik, krachende, rockig hart akzentuierte Backbeats, auf "The Pulse" gar stampfende House-Grooves. Aber er sorgt auch, sensibel auf Sifflings Höhenflüge reagierend, für explosive Intensitätssteigerungen.

Und Jens Loh agiert nicht nur funky am E-Bass in einer überraschenden Umdeutung von Leonard Cohens Ballade "Hallelujah" oder mit gitarrenartigen Grunge-Sounds, die an Dan Berglund von e.s.t. erinnern. Loh präsentiert sich mit stark konturierten, zugleich aber fein modellierten Tonfolgen auch als kraftvoller Bassist in der Tradition eines Dave Holland. Der Jazz hat das Siffling Trio wieder. Und das ist gut so.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 15.02.2013
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