DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

Pop: Deep Purple und Peter Frampton im Vorprogramm rocken 7000 Zuschauer in der Mannheimer SAP Arena

Immer noch eine Macht

Archiv-Artikel vom Montag, den 04.11.2013

Von unserem Redaktionsmitglied Jörg-Peter Klotz

Deep-Purple-Konzerte sind zuletzt immer eine doppelte Attraktion gewesen: Bei ihrer SAP-Arena-Premiere im Februar 2006 beeindruckten die britischen Hardrock-Pioniere kaum noch für möglich gehaltene 10 000 Zuschauer - nicht zuletzt dank Alice Cooper im Vorprogramm. 2010 waren es die Progrocker Marillion, die den Urvätern des Classic Rock und über 6000 Fans ein kunstvolles Entree bereiteten. Nun ist es Peter Frampton vorbehalten, das letzte Deutschland-Konzert der "Now What?!"-Tournee in Mannheim zu eröffnen. Dass der Sänger und Gitarrist auf der Bühne eine Attraktion ist, versteht sich von selbst: Nach seiner Zeit bei Humble Pie avancierte er solo Mitte der 70er zu einem der erfolgreichsten Rock-Acts überhaupt - "Frampton Comes Alive!" (1976) fehlte in keinem einschlägig sortierten Plattenschrank und war folgerichtig jahrzehntelang das meistverkaufte Live-Album überhaupt (über 16 Millionen Exemplare, inzwischen abgelöst von Garth Brooks' "Double Live" von 1998).

Meister der Talkbox

Dass seine Karrierekurve nach vielen Rück- und Schicksalsschlägen wieder nach oben zeigt, beweist der 63-jährige Engländer mit seiner schlagkräftigen Band um den altgedienten Bassisten Stanley Sheldon gut eine Stunde lang. Gut, seine Stimme entspricht nicht mehr der des blondgelockten Rock-Engels von einst im Mai 1976, aber Frampton tut alles für den bestmöglichen Ton. Dazu ist er ein großer Kommunikator, dessen Charme das ohnehin zugewandte Publikum mehr und mehr enthusiasmiert - zumal sein lyrisch-kraftvoller Les-Paul-Sound und die großen Hits kaum an Faszination eingebüßt haben. Den Hauch von musealem Muff bläst das Soundgarden-Cover "Black Hole Sun" weg. Dazu kommt: Jeff Beck mag die Talkbox als Erster eingesetzt haben, aber nur Peter Frampton löst so extreme Begeisterung aus, wenn er seine Stimme wie in "Show Me The Way" und vor allem "Do You Feel Like We Do" mit dem heute auch von Daft Punk und Co. gern verwandten Effektgerät spacig moduliert - und im Roboter-Sound "Danke, Mannheim" sagt. So viel Applaus gab es selten für ein Vorprogramm in der SAP Arena . . .

Nach dem Gustav-Holt-Intro "Mars, The Bringer Of War" stellen Deep Purple aber schlagartig klar, wer hier die Hauptattraktion ist: Das extrem wuchtige "Après Vous" vom aktuellen Nummer-1-Album "Now What?!" präsentiert das Quintett auf Anhieb in einem wahnsinnig kompakten und trotz ordentlicher Lautstärke hochdifferenzierten Sound. Die "Neuen" Steve Morse (59, Gitarre) und Don Airey (65) auf dem heißen Stuhl als Jon Lords (1941-2012) Nachfolger an der Orgel ziehen schon im ersten Song im Pas-de-Deux alle Register ihres beeindruckenden Könnens. Spätestens die 43 Jahre alten, virtuos variierten Nummern "Into The Fire" und das druckvoll galoppierende Konzert-Highlight "Hard Lovin' Man" sollten jede Diskussion beenden, ob die seit 2002 amtierende Mark-VIII-Besetzung mit der vergötterten Mark-II-Besetzung um Lord und Gitarrist Ritchie Blackmore mithalten kann. Anno 2013 treten bei Deep Purple vier glänzende Instrumentalisten - Bassist Roger Glover (67) und Bandgründer Ian Paice (65) am Schlagzeug sind auch ohne Metal-Höchsttempi eine Macht - als Teamplayer auf, die alles tun, um ihrem Frontmann Ian Gillan möglichst gut aussehen zu lassen.

Der 68-Jährige war zwei Tage zuvor in Stuttgart gesundheitlich hörbar angeschlagen, zeigt aber in Mannheim kaum Schwächen - zumal Höchstschwierigkeiten wie "Child In Time" nicht mehr im Programm sind. Der Triumph der Band besteht aber darin, dass die Fans ihre in ausgedehnten Soli demonstrierte Klasse und Spielfreude per se feiern und den starken Akzent auf neuerem Material goutieren. Dass der Gassenhauer "Smoke On The Water" der Abräumer schlechthin bleibt, ist da kein Widerspruch, sondern Naturgesetz.

© Mannheimer Morgen, Montag, 04.11.2013

Abschluss der „Now What?!“-Tournee – das Programm

Peter Frampton: 1. Something's Happening (1974), 2. Doobie Wah (1974), 3. Lines On My Face (1973), 4. Show Me The Way(1975), 5. Double Nickels (2006), 6. Baby I Love Your Way (1975), 7. Black Hole Sun (Soundgarden, 2006), 8. Do You Feel Like We Do (1973).

Deep Purple: 1. Après Vous (2013), 2. Into The Fire (1970), 3. Hard Lovin' Man (1970), 4. Vincent Price (2013), 5. Strange Kind of Woman (1971), 6. Contact Lost (2003) plus Gitarren-Solo, 7. Uncommon Man (2013), 8. The Well-Dressed Guitar (2006), 9. The Mule (1971) plus Schlagzeug-Solo, 10. Above And Beyond (2013), 11. Lazy (1972), 12. Hell To Pay (2013) plus Keyboard Solo, 13. Perfect Strangers (1984), 14. Space Truckin' (1972), 15. Smoke On The Water (1972).

Zugabe: 16. Hush (Billy Joe Royal, 1968), 17. Bass-Solo plus Black Night (1970). jpk