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Der neue Film: In Gianfrances Schuld-und-Sühne-Drama „The Place beyond the Pines“ büßen Söhne für die Taten ihrer Väter

Liebe, Leid und Leidenschaft

Von unserem Mitarbeiter Gebhard Hölzl

Ryan Gosling als Luke mit seiner Filmfrau Eva Mendes und Nachwuchs: Szene aus "The Place beyond the Pines".

© dpa

Mit einer Robert-Altman-Referenz geht's los: Ein Mann mit blondiertem Haar zieht sich ein zerschlissenes "Metallica"-T-Shirt an, schlüpft in eine knallrote Lederjacke und streift sich schließlich einen Motorradhelm über. Seinen durchtrainierten Körper zieren zahllose nicht gerade sorgfältig gestaltete Tattoos. Er verlässt seinen Wohnwagen und schlendert auf ein bunt beleuchtetes Jahrmarktszelt zu. Hier besteigt er ein Motorrad und vollführt mit seiner Stunttruppe in einem metallenen Käfig verwegene Steilwandkunststücke. Hautnah klebt ihm die (Hand-) Kamera Sean Bobbitts ("Shame") am Rücken, und so wird der Zuschauer förmlich ins Geschehen hineingesogen.

"Handsome Luke" heißt der Protagonist, cool von Ryan Gosling verkörpert, der schon in "Drive" kräftig Gas gegeben hat und hier nun - nach "Blue Valentine" - erneut mit Regisseur Derek Gianfrance kooperiert. Zu den Wurzeln des Kinos, zur Kirmes - Menschen, Tiere, Sensationen! -, kehrt "The Place beyond the Pines" im ersten Drittel zurück. Spektakel und Thrill sind angesagt. Auch noch, als der junge Mann erfährt, dass er inzwischen Vater geworden ist. Als Folge eines One-Night-Stands mit der Latina Romina (Eva Mendes). Für seine Familie will er fortan sorgen - das nötige Geld "verdient" er sich als verwegener Hochgeschwindigkeits-Bankräuber.

Überraschend verabschiedet

Ryan Gosling – Gasgeber und Gitarrist

Als aufmüpfiger Jugendlicher, Außenseiter, Soziopath oder Herumtreiber wird Ryan Gosling gerne besetzt, Charaktere zwischen Aufbegehren und (selbst-)zerstörerischer Rebellion. 2000 gab er im Football-Drama "Gegen jede Regel" sein Leinwanddebüt, als Skinhead in "The Believer" (2002) etablierte er sich.

Gosling, 1980 im kanadischen Ontario geboren, wuchs in einer Mormonenfamilie auf , sprach als 12-Jähriger für eine Rolle in Disneys "Mickey Mouse Club" vor, wurde engagiert und spielte fortan neben Britney Spears und Justin Timberlake. Dem breiten Publikum wurde er an der Seite von Rachel McAdams in "The Notebook - Wie ein einziger Tag" bekannt.

Inzwischen hat sich der Teen-Schwarm auch als Charakterdarsteller etabliert und war Oscar-nominiert als drogenabhängiger Lehrer in "Half Nelson" oder als Fluchtfahrzeugfahrer in "Drive" zu bewundern. Gosling ist auch ein versierter Jazzgitarrist. geh

In der US-Kleinstadt Schenectady, was in der Sprache der Mohawk-Indianer "Ort unter den Kiefern"(wie der Film) heißt, hat Gianfrance sein ambitioniertes Schuld-und-Sühne-Epos angesiedelt, das über einen Zeitraum von 15 Jahren drei Geschichten abhandelt. So überraschend wie einst Janet Leigh in Hitchcocks "Psycho" wird Gosling "verabschiedet", als neuer Held tritt Cop Avery Cross alias "Hangover"-Star Bradley Cooper an seine Stelle, der an den Folgen eines heldenhaften Einsatzes zu zerbrechen droht. Im schwächsten, weil arg verkürzten dritten Akt dieses 140-Minuters treffen die mittlerweile jugendlichen Kinder (Dane DeHaan & Emory Cohen) der beiden Männer zusammen, die mit dem Vermächtnis der Väter zu kämpfen haben.

Väter und Söhne stehen im Zentrum dieses schicksalhaften Americanas, das sich immer wieder in klassischen Genremomenten verliert. Mal ist es Biker-Movie und B-Picture in bester Roger-Corman-Tradition. Schnell und hart, grell in den Farben, reduziert auf Atmosphäre und Oberfläche. Dann wieder fühlt man sich wie in einem Gangsterfilm von Martin Scorsese - böse Buben auf beiden Seiten und mittendrin als korrupter Polizist, ideal besetzt - natürlich möchte man sagen - mit Ray Liotta und seinen stechenden, eisig blauen Augen. Ein, nein der perfekte "Good Fella". Nicht zu vergessen die Liebe, in Person der formschönen, angelebten und natürlichen Eva Mendes ("Holy Motors"), die genau weiß, dass man sich letztendlich auf die Männer nicht verlassen kann.

Viele Zitate, die von den filmischen Vorlieben des Regisseurs zeugen, der dennoch über eine ganz eigene, klar erkennbare Handschrift verfügt. Exzellent weiß er seine Schauspieler zu führen, präzise sind die Dialoge, lebensnah, mit autobiografischen Momenten unterfüttert ist das von Gianfrance, Ben Coccio und Darius Marder verfasste Skript. Was sich beispielsweise im Score niederschlägt. Mike Patton von "Faith No More" ist zu hören. Als 16-Jähriger sah der Filmemacher den Sänger, der damals mit der Experimentalband Mr. Bungle auftrat, erstmals bei einem Konzert. Seitdem ist er sein Idol - und dessen "kinotaugliche" Musik stets Teil seiner Arbeiten.

Der Film besticht mit erzählerisch mutigen, überraschenden Volten, was fehlt, ist der einheitliche Guss. Die Plot Points werden zum Teil zu schnell "abgearbeitet", ein paar Szenen mehr hätten nicht geschadet. Dennoch ein spannendes, sich den Hollywood-Konventionen verweigerndes Werk über in ihren Wertewelten gefangene Männer, die den Preis ihrer Taten bezahlen. Nicht Traumfabrik, sondern realer Albtraum.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 12.06.2013
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