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Serie Künstlerhäuser: Rolf Müller-Landau sorgte nach 1945 in der Pfalz für einen Neuanfang – was auch sein Haus bei Landau zeigt

Malen im Licht des Südens

Archiv-Artikel vom Donnerstag, den 19.09.2013

Von unserem Redaktionsmitglied Annika Wind

Die Kinder: Bärbel und Albrecht Müller halten die Erinnerung an das Werk des Vaters wach.

© Rinderspacher

Als käme er gleich zurück: Sogar Rolf Müller-Landaus Farben und Pinsel sind noch da.

Rolf Müller-Landau in seinem Atelierhaus, das er 1956 baute.

Wandmalerei an der Hausfassade.

"Die Herrschaft der Dummköpfe hat lange genug gedauert". Vielleicht war es einer dieser wunderbar markigen Sätze, mit denen er ihn überzeugte. Rolf Müller-Landau sparte jedenfalls mit ihnen nicht, als er 1946 begann, Hans Purrmann Briefe zu schreiben. Das Pfälzer Kunstleben habe allzu lange - und nicht nur seit 1933 - unter "kleinbürgerlicher Klickenwirtschaft" gelitten. Nun sei es an der Zeit, "dass die stickige Luft entweichen kann". Es ist ein Vergnügen, den Austausch zwischen beiden zu lesen. Bärbel Müller und ihr Bruder Albrecht besitzen sie noch - jene Briefe, in denen ihr Vater den damals schon berühmten Maler der Moderne davon überzeugte, Mitglied in der neuen Sezession zu werden. Und sich mit der Pfalz zu versöhnen.

Leicht fiel das dem in die Schweiz emigrierten Purrmann schon deshalb, weil Rolf Müller-Landau bald ein Freund wurde. Aber auch schwer, weil er einiges in der NS-Zeit in Deutschland erlitten hatte: Die Gestapo hatte ihn verhaftet, die Nazis in seiner Heimatstadt Speyer eines seiner Werke mit einer Hakenkreuzfahne verhängt. Aber da gab es nach dem Krieg nun eben jenen Maler in der Südpfalz, der die moderne Malerei so selbstverständlich zelebrierte, als habe es die NS-Doktrin wenige Jahre zuvor nicht gegeben. Und der sich eine Künstlervereinigung wünschte für die, "die für das Neue in der Kunst aufgeschlossen sind". Rolf Müller-Landau brachte wichtige Figuren der Nachkriegsmoderne wieder zusammen, er organisierte Ausstellungen. In seinem Atelier versammelte er nicht nur Bilder von expressiver Ausdruckskraft oder der feinen Balance der Farben und Formen des Kubismus - sondern auch viele Kollegen.

Blick auf die Weinberge

Exkursion im Rahmen der Serie über „Künstlerhäuser“

Serie: In der Region gibt es Häuser, die an Künstler erinnern - und etwas bereithalten, was in Museen nicht zu finden ist: die Authentizität eines Ateliers, Wohn- oder Geburtshauses.

Exkursion: Rolf Müller-Landaus Haus ist nicht zugänglich. Für unsere Serie macht die Familie aber eine Ausnahme und bietet am Sonntag, 29. September, 14 Uhr, eine Führung an. Wer das Haus besuchen will, muss sich bis 25. September per E-Mail an kultur@mamo.de verbindlich anmelden (möglich auch per Post an Kulturredaktion, Dudenstr. 12-25, 68167 Mannheim). Bitte geben Sie Ihren Namen und Ihre Telefonnummer an. Die Teilnahme ist kostenlos, aber die Anzahl der Gäste begrenzt. Wir geben Ihnen eine Rückmeldung.

Nächste Station ist der Slevogthof in Leinsweiler, der ebenfalls am 29. September für Leser in zwei Führungen geöffnet wird. Auch hierfür sind bereits Anmeldungen möglich. aki

"Er war nur Onkel Gustav für mich", erinnert sich Bärbel Müller an Abendessen, zu denen etwa der Bildhauer Gustav Seitz oder der Grafiker HAP Grieshaber die Eltern besuchten. Dabei ging es um Austausch -künstlerischen, intellektuellen und ja, auch lebenspraktischen. Auch in ihren Briefen diskutieren Purrmann und Müller-Landau Probleme der Malerei genauso wie die der eigenen Gesundheit.

1955 plante der Künstler dann ein Haus bei Landau, das heute fast unverändert ist und an dem man seine Weltläufigkeit ablesen kann: Auf einer Wandmalerei hat er eine kubistische Figur mit Symbolen des Industrielebens umgeben. Auf einer kleinen Anhöhe gelegen, wirkt der lichte, rötlich getünchte Bau fast wie eine Finca. Schlicht konstruiert, mit einer Loggia, von der aus man auf die Weinberge und in den Garten schauen kann. Der südländische Charakter war durchaus gewollt: 1954 war Rolf Müller-Landau nach Antibes und St. Remy gereist, um zu malen. "Er hat die Landschaft seiner Vorbilder geradezu in sich aufgesaugt", erinnert sich Bärbel Müller.

Im Inneren des Atelierhauses sieht es noch so aus, als nähme ihr Vater hier gleich wieder seine Arbeit auf: Fast raumhohe Fenster aus Milchglas sorgen für ein stimmungsvolles, indirektes Licht, das für das Malen so wichtig ist. In einer Kammer warten seine Farben, Lösungsmittel, Kataloge, Holzstöcke und Pinsel. In eingebauten Schränken seine Aquarelle, Grafiken: Aus Linol oder Holz geschnittene Formen druckte er auf feinstes Chinapapier - eine Referenz an Eindrücke seiner Kindheit, die er in Südchina verbrachte? Wohl eher eine Möglichkeit, mit der Eigenwilligkeit von Materialien umzugehen: Auf einigen Grafiken führen Holzmaserungen ein Eigenleben, das Papier hat die Farben aufgesogen und hebt die gegenständlichen Motive in Richtung Abstraktion. Rolf Müller-Landau hat in den 50ern zudem viel Kunst am Bau gemacht - in Ludwigshafen, wo er das Hallenbad gestaltete. Oder in Schifferstadt, wo er die Gustav-Adolf-Kirche ausmalte. Die meisten seiner Bilder sind jedoch in Familienbesitz: Expressive Holzschnitte aus dem Landleben, empathische Porträts oder ein Triptychon, das er für sein Atelier malte: das "Lied der Erde". Auch dieses wunderbare Bild wird am 29. September zu sehen sein.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 19.09.2013
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