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Junge Talente: Schriftstellerin Anja Kümmel ist Stipendiatin der Kulturstiftung des Rhein-Neckar-Kreises auf der Bergfeste Dilsberg

„Manche malen, ich schreibe“

Von unserer Mitarbeiterin Maria Herlo

Rockstar Jim Morrison gehört zu ihren "Verwandten" wie Charles Baudelaire oder Virginia Woolf: Anja Kümmel.

© Rothe

Das ist sie also, die Schriftstellerin, Journalistin und Dichterin Anja Kümmel. Nahezu magisch klingen diese Worte, besonders wenn man weiß, dass sie 1978 geboren ist und schon vier Romane veröffentlicht hat. Und einmal mehr kommt man ins Grübeln über den Zusammenhang zwischen der Literatur, die sie schreibt, und der Person, die einem gegenübersitzt, hier, in einem Heidelberger Café.

Ihr Lächeln versucht, über eine leichte Anspannung hinwegzutäuschen. Vielleicht auch über ihre Müdigkeit, denn drei Lesungen hat sie hinter sich, Heidelberg, Wien, München, und eine lange Reise. Und im Hinterkopf drängt sich die Frage auf: Warum tut sie das, sich viele Stunden zurückzuziehen und sich hineinzubegeben in eine hochkomplexe, von Science-Fiction- und Cyber-Punk-Elementen beherrschte Welt, die in Anja Kümmels Büchern eine zentrale Rolle spielt?

Von Gender Studies und Vorbildern

Anja Kümmel wurde 1978 in Karlsruhe geboren, von 1999 bis 2005 studierte sie in Los Angeles, Madrid und Hamburg und machte ihren Bachelor-Abschluss in "Women's Studies" und Spanisch. Seit 2009 arbeitet sie als freie Autorin.

Literarische Auszeichnungen: 2007 Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg; 2010 GEDOK-Literaturförderpreis und Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop 2012; Aufenthaltsstipendium der Kulturstiftung Rhein-Neckar-Kreis auf dem Dilsberg.

Veröffentlichte Romane: "La Danza Mortale" (Ubooks, Augsburg 2004), "Das weiße Korsett" (Edition PaperOne, Leipzig 2007), "Hopes Obsession" (Morgana Verlag, Leipzig 2008), "Träume Digitaler Schläfer" (Thealit Verlag, Bremen 2012).

Sie macht ihren Jahrgang vergessen, wenn sie Themen anspricht wie Identität, Tod oder Leben als "Schauplatz angekratzter Illusionen, Schutthalde zerbrochener Träume": "Ihre Verwunderung darüber, dass man sich mit 34 mit Themen wie Identität, Leben und Tod auseinandersetzt, verstehe ich nicht so ganz. Erstens sind das nun mal die großen Themen der Literatur. Zweitens ist doch gerade Identität ein Thema, das auch sehr junge Menschen beschäftigt, wie auch die Frage nach dem Sinn des Lebens", sagt sie. Wann sie zu schreiben begann? "Sobald ich schreiben konnte." Warum? "Das weiß ich nicht. Das Bedürfnis ist einfach da, sich künstlerisch zu betätigen. Manche malen, machen Musik, ich schreibe."

Dann erzählt sie noch von ihren Auslandsaufenthalten nach dem Abitur, Los Angeles und Madrid, von ihren Gender Studies und literarischen Vorbildern. "Eigentlich sind es keine Vorbilder, höchstens vag gefühlte Verwandtschaften": Da wäre der Rockstar Jim Morrison, da wären Charles Baudelaire, Oscar Wilde, Virginia Woolf, Sylvia Plath. In der ein oder anderen Weise "Besessene", die mit dem heute üblichen Bild des Autors als "Handwerker" wenig gemein haben. Nicht nur Bücher beeinflussen ihr Schreiben, gesteht sie, auch Bildende Kunst, Theater, Musik, Film. Anleihen der Licht- und Schattenwelt von "Metropolis" bis "Blade Runner", die kollektiven Alpträume von Francis Bacon bis David Lynch, Pedro Almodóvars queere Staffage. All das mischt sie neu in einer traumwandlerischen Fiktion, eigen, unverwechselbar.

Sprachlich schafft sie "eine ähnliche Wirkung wie der holländische Künstler M. C. Escher in seinen Grafiken - mit Spiegelungen und raffinierten Verschachtelungen konstruiert sie eine in sich logische Welt der Widersprüchlichkeit, etwas Reales und Unmögliches, eine Verwirrwelt, die durch perspektivische Überlagerungen, den Wechsel zwischen oben und unten und dem Tauschen von Dimensionen fasziniert", so ihre Schriftstellerkollegin Antje Wagner in der Laudatio zur Verleihung des GEDOK-Literaturförderpreises.

Ihr neuestes Buch, "Träume Digitaler Schläfer", hat als "düstere Zukunftsdystopie" die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Auf drei Zeitebenen und aus mehreren Perspektiven behandelt der Roman Themen wie Geschlecht, Identität, Liebe - und die Frage, ob und wie die Welt verändert werden kann. Wie schreibt man eine so kühne Prosa? "Spontan, wie es mir in den Sinn kommt. Die ersten Romane habe ich nicht mehr überarbeitet. Jetzt, wo ich sie aus der zeitlichen Distanz heraus betrachte, hätte ich es vielleicht tun sollen." Heute geht sie bewusster mit Sprache um, indem sie das Geschriebene überprüft, überarbeitet.

Woran sie zurzeit als Stipendiatin der Kulturstiftung des Rhein-Neckar-Kreises im Kommandantenhaus Dilsberg arbeitet? An einem Zukunftsroman, "der jedoch nicht in einer fernen Science-Fiction-Welt spielt, sondern ein verzerrtes Abbild der Gegenwart spiegelt". Darüber hinaus warten in ihrer Schublade zwei fertige Romane auf einen Verleger. Nebenbei entstehen Gedichte, Songtexte, Erzählungen. Freundlich fällt der Abschied aus, draußen, vor dem Café, von dieser so kreativen Autorin, bevor ihre zierliche Gestalt in der Menge verschwindet.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 11.12.2012
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