DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

 

Sonntag, 26.10.2014

Suchformular
 
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden

Junge Talente: Yorika Kimura und Tamara Banjesevic nehmen Teil an Thomas Hampsons Heidelberger Liedakademie

„Pause von den Verdis machen“

Von unserem Mitarbeiter Hans-Günter Fischer

Freuen sich auf die Heidelberger Liedakademie und ihre prominenten Lehrer: Yorika Kimura (l.) und Tamara Banjesevic.

© Manfred Rinderspacher

Diese Quote ist nicht schlecht: Sieben Studentinnen und Studenten der Musikhochschule Mannheim sangen im Dezember vor für ein Stipendium bei der Liedakademie des Heidelberger Frühlings (kein Geringerer als Thomas Hampson leitet sie). Genommen wurden vier. Beworben hatten sich im Ganzen 92 Vokalisten, 30 kamen in die Endausscheidung. "Demnächst müssen wir den Unterricht nach Heidelberg verlegen", scherzt Snezana Stamenkovic, die Lehrerin der Glücklichen (und Sprecherin der Fachgruppe Gesang an der Musikhochschule). Ihre Laune könnte nicht viel besser sein, dieser Erfolg ist schließlich auch ein Kompliment für ihre Arbeit.

Ihre Schüler werden also im April von Hampson angeleitet. Und von Thomas Quasthoff. "So was prägt die jungen Sänger", sagt Stamenkovic in einem Mannheimer Café. Ein paar Quadrate weiter gibt ihr ihre Schülerin Tamara Banjesevic Recht: "Das kann man nicht mit Geld bezahlen." Geld erhält die junge Serbin, deren Bild schon das Foyer des Nationaltheaters Mannheim schmückt, als Opernsängerin. Am NTM ist sie seit dieser Spielzeit Mitglied im Ensemble. "Man verdient als Sänger aber anfangs nur das absolute Minimum", sagt ihre Lehrerin: "Da muss man unheimlich begeistert sein." Vielleicht ist das ein Grund, weshalb man in der "deutschen" Gattung Liedgesang inzwischen gar nicht mehr so viele Deutsche antrifft, jedenfalls beim Nachwuchs. Sechs, wenn nicht acht Jahre Hochschulausbildung bei ungewissen Zukunftsaussichten - da haben es Juristen oder Mediziner eher leichter. Außerdem fehle es hierzulande, glaubt Stamenkovic, ein wenig an verpflichtender und strukturierter Vorbildung.

Harter Wechsel

Yorika Kimura, Jahrgang 1987, kommt aus Kagoshima, Japan (ihre Eltern freilich stammen aus Taiwan). Sie spielt bereits seit ihrem vierten Lebensjahr Klavier und hat zudem Komposition studiert. Seit Herbst 2010 wird sie von Ulrich Eisenlohr an der Musikhochschule Mannheim im Fach Liedbegleitung ausgebildet.

Tamara Banjesevic, Jahrgang 1987, kommt aus Belgrad. Seit 2007 ist die Sopranistin Schülerin Snezana Stamenkovic' an der Musikhochschule Mannheim, seit 2012 ist sie am Nationaltheater engagiert.

Auch Bariton Nikola Diskic, Sopranistin Sonja Saric (beide Mannheimer Gesangsstudenten) und Mezzosopranistin Deniz Uzun (in Mannheim geboren) haben ein Stipendium für die Liedakademie erhalten. Diese wird vom dritten bis zum 14. April im Rahmen des Musikfests Heidelberger Frühling abgehalten. HGF

Das kann Tamara Banjesevic indirekt bestätigen. In Serbien ging sie aufs Musikgymnasium, ehe ihr Biserka Cvejic, eine serbische Gesangslegende, mittlerweile hochbetagt und schon die Lehrerin der Lehrerin Stamenkovic, zum Wechsel an die Mannheimer Musikhochschule riet. Das war dann zwar, mit 19 Jahren, ziemlich hart - das fremde Land, die fremde Sprache. Aber junge Frauen würden so was gut "zerkauen", sagt Stamenkovic. Und Banjesevic pflichtet bei: "Man denkt da nicht so viel." Sie sei ja ohnehin der Abenteurer-Typ. Es scheint sich auszuzahlen.

Auch in Hampsons Liedakademie, wo man mal "Pause von den Verdis" machen könne. Was nicht heißen soll, dass Liedgesang reine Erholung sei: Was man in einer Oper in drei Stunden sagen könne, müsse man in einem Lied in drei Minuten sagen. Es sei konzentrierter und auch komplizierter. Trotzdem fühle man sich nackt, so sehr man auch in Wohlklang eingehüllt sei, wie etwa bei Richard Strauss: "Bei ihm kann man tatsächlich singen", sagt Tamara Banjesevic, und das "Singen" müsste man jetzt eigentlich in Fettschrift drucken, so emphatisch wird es von der 25-Jährigen betont.

Auch Yorika Kimura hat ihr Herz fürs Lied entdeckt. Sie ist "nur" Pianistin, aber sitzt aus gutem Grund am selben Tisch des Mannheimer Cafés: Auch sie hat ein Stipendium für die Liedakademie des Heidelberger Frühlings. Wolfram Rieger, Thomas Hampsons Partner am Klavier, wird sie dort unterrichten. An der Mannheimer Musikhochschule tut das Ulrich Eisenlohr. "Ich liebe Liedbegleitung", sagt die zierliche Japanerin, sie will daraus ihr künstlerisches Standbein machen. Das Begleiten, mit subtilen Farbwechseln auf engstem Raum, sei für den Pianisten schwieriger, als solo aufzutreten. Deshalb stimme nicht, was landläufig vermutet werde: dass ein Liedbegleiter jemand sei, bei dem es für die "richtige" Karriere - die des Virtuosen - nicht gereicht habe.

Den beiden jungen Frauen fehlt es keineswegs an Selbstbewusstsein. Und sie leben, trotz der Vorliebe fürs gute, alte Kunstlied, ganz im 21. Jahrhundert. Ihre Opernrollen lernt Tamara Banjesevic teilweise auch via YouTube. Weil man hier genau erkennen könne, wie ein Sänger seine Phrasen formt. CDs haben für sie deshalb nicht ausgedient, Musik am Stück zu hören, im Kontinuum, nicht nur als Spot - wer wollte darauf ganz verzichten?

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 12.02.2013
  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden
 
 
TICKER

Veranstaltungen

Veranstaltungen SUCHEN

Partys, Ausstellungen, Weinfeste und Sport-Events. Unsere Veranstaltungsdatenbank weiß, was im Rhein-Neckar-Dreieck passiert.

 

Veranstaltungen MELDEN

Sie möchten uns Ihre Veranstaltung melden, schicken Sie uns eine E-Mail:

Kontakt zur Kulturredaktion

Telefon (11.30-15.30 Uhr): 0621/392-1343
Fax:  0621/392-1366
 

Schreiben Sie uns eine E-Mail!

 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR