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Serie: Anselm Feuerbach haderte mit seiner Geburtsstadt – in der ihm ein Verein ein wunderbares Haus eingerichtet hat 

„Speyer ist mein Unglück“ 

Archiv-Artikel vom Donnerstag, den 05.09.2013

Von unserem Redaktionsmitglied Annika Wind

Zum Feuerbachhaus in Speyer gehört ein kleiner, feiner Garten. Der rechte Teil des Gebäudes ist der historische, in dem der Maler zur Welt kam.

© Rinderspacher
© Manfred Rinderspacher

Kuratorin Mira Hofmann vor einem Grafikschrank im oberen Stockwerk.

© Manfred Rinderspacher

In diesem Haus also bekam er "die Klassizität mit der Muttermilch eingetränkt". In diesem Haus kam er zur Welt und starb seine Mutter. Ob es eine glückliche Kindheit war, die Anselm Feuerbach von 1829 bis 1836 in Speyer verbrachte? Unwahrscheinlich ist es nicht. Die Mutter fehlte natürlich, aber Vater Joseph Anselm -Bruder des Philosophen Ludwig - hatte eine sichere Stelle als Lehrer am "königlich bayerischen Gymnasium". Und heiratete erneut, Hermine, die sich liebevoll um seine Kinder kümmerte. Und dennoch: "Meine Geburt in Speyer ist (. . .) für mich als ein Unglück zu betrachten", schrieb Feuerbach in seinen Erinnerungen. Die Stadt erschien ihm provinziell.

Einer der bedeutendsten deutschen Maler (1829-1880), der als "Deutsch-Römer" gehandelt wird, aber bis heute in keinen Stil passen will, haderte mit dem Ort seiner Geburt. Und der Ort seiner Geburt haderte mit ihm. In den 60ern sollte das Haus in der Allerheiligenstraße 9 abgerissen werden. Doch ein Verein kämpfte um die Nutzung als Museum. In gewisser Weise bis heute. Denn die Stadt sorgte sich zwar um die Sanierung und Reparaturen - der Rest aber ist Aufgabe der Bürger. Wie im Purrmann-Haus in Speyer halten Ehrenamtliche den Betrieb aufrecht. Der Verein mietet das Haus von der Stadt und verpachtet einen Raum als Weinstube weiter. Im Erdgeschoss werden zeitgenössische Künstler gezeigt.

Eine der 200 Mitglieder ist Mira Hofmann, die 2002 die Leitung des Hauses übernahm - und der immer wieder kleine Wunder gelingen: Ankäufe. Wie zuletzt das Bild einer alten Frau, das der Verein für 4700 Euro aus Privatbesitz kaufte. "Für uns sind Spitzenwerke unerschwinglich", sagt die Kunsthistorikerin, die umso sorgfältiger Auktionskataloge durchforstet - nach kleinen Kostbarkeiten, die sich der Verein leisten kann. Und die ein weiteres Puzzlestück über den eigenwilligen Künstler ergeben.

Geradezu vorbildlich hat man die Sammlungsbestände aufgearbeitet. Seit kurzem darf sich das Haus daher Museum nennen - mit dem Segen des Landes, das es als solches zertifizierte. Im oberen Stockwerk gibt es 40 Exponate aus Feuerbachs Leben. Skizzen sind darunter, die das Talent und zugleich die Unbeholfenheit des 14-Jährigen zeigen. Dann eines seiner berühmten "Nanna"-Porträts, die er in Rom von seiner Geliebten Anna Risi machte - und das das Haus gerade an das Museum Wiesbaden für eine Ausstellung verleiht. Dazu Aquarell und Gouachen (auch von Anselms Schwester), Briefe, Feuerbachs Visitenkarte und Totenmaske.

Garten der Biedermeier-Zeit

Möbel aus Familienbesitz gibt es nicht - die ausgestellten Schränke stammen zwar aus dem 19. Jahrhundert, aber aus dem Historischen Museum der Pfalz. Der Garten wurde so angelegt, wie typische Gärten der Biedermeierzeit aussahen - nicht aber unbedingt so, wie ihn die Feuerbachs kannten. "Bei einer vierköpfigen Familie sollten sie sich noch ein paar Wäscheleinen hinzudenken", sagt Hofmann und lacht. Original ist der Terrakotta-Boden im Erdgeschoss, die Treppe und die Haustür, durch die der kleine Anselm Feuerbach wohl einst rannte - ehe er als "wahrhaftige Künstlerseele" seinen Platz in der Kunstgeschichte fand.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 05.09.2013
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