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Hintergrund: Die Querelen um die Kostenexplosion verblassen angesichts der kollektiven Begeisterung für den Kulturtempel

Vom Skandal zum „Weltwunder“

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 11.01.2017

Von dpa-Korrespondentin Carola Große-Wilde

Ein Haus mit Leuchtkraft: Hamburgs neues Wahrzeichen thront an der Elbe und überstrahlt den Michel, die Kirche Sankt Michaelis(rechts im Hintergrund).

© dpa

Ein Wahrzeichen wie das Brandenburger Tor in Berlin oder der Eiffelturm in Paris - das soll die Elbphilharmonie einmal werden. Und die Aussichten stehen nicht schlecht, dass sie es eines Tages auch sein wird. Schon vor der heutigen Eröffnung des spektakulären Gebäudes überschlagen sich die Kritiker mit Lobeshymnen. Vom "Architekturwunder" und "Jahrhundertbau" ist da die Rede. Als "Ausnahmebauwerk" werde die Elbphilharmonie in die Baugeschichte eingehen.

Dabei war das Bauvorhaben lange Zeit von jahrelangen Querelen um Kostensteigerungen und Bauverzögerungen überschattet. Der Eröffnungstermin des Konzerthauses der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron musste mehrfach verschoben werden. Zunächst sollte die Elbphilharmonie bereits 2010 fertig sein, die Kosten stiegen von 77 auf 866 Millionen Euro. Das scheint angesichts der atemberaubenden Architektur der "gläsernen Welle" auf einem alten Kaispeicher an der Spitze der Hafencity beinahe vergessen.

Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werden heute unter den prominenten Gästen sein, wenn das Eröffnungskonzert im großen Konzertsaal erklingt. Nach einem Festakt werden die beiden den Klängen des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter Leitung von Chefdirigent Thomas Hengelbrock lauschen. Auf dem Programm steht eine musikalische Reise von der Renaissance bis zur Gegenwart, mit Werken von Beethoven, Wagner, Cavalieri, Liebermann, Messiaen, Praetorius und einer Uraufführung von Wolfgang Rihm. Gefeierte Solisten wie Bryn Terfel und Philippe Jaroussky werden dabei sein, Tenor Jonas Kaufmann sagte wegen seiner Stimmbandprobleme ab.

Stars geben sich die Klinke in die Hand

  • Stammgäste sind das NDR Elbphilharmonie Orchester mit Thomas Hengelbrock, das Philharmonische Staatsorchester Hamburg unter Kent Nagano und die Hamburger Symphoniker mit Jeffrey Tate.
  • Auch spielen das Chicago Symphony Orchestra (Leitung: Riccardo Muti, 14.1.) und die Wiener Philharmoniker unter Semyon Bychkov (22.1.) und Ingo Metzmacher (23.1.), die Berliner Philharmoniker (Leitung: Simon Rattle, 7.5.) und die Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim (29.6.).
  • Den ersten klassischen Klavierabend gibt die Pianistin Mitsuko Uchida, die die Flügel für die Elbphilharmonie ausgesucht hat (18.1.).
  • Weitere Stars: Jazzpianist Brad Mehldau (16.1. , 9.5), die Band Einstürzende Neubauten (21.1.) Cellist Yo-Yo Ma (26.1.). Sängerin Cecilia Bartoli (13.2.), Sänger Paolo Conte (25.2.) Pianist Lang Lang (25.3.), Branford Marsalis (28.3.), Pianistin Hélène Grimaud (8.4., 26.6.), Chick Corea (25.4.). Startenor Jonas Kaufmann (24.5.).
  • Fast alle diese Konzerte sind bereits ausverkauft. Informationen und Live-Übertragung des Eröffnungskonzerts heute ab 18 Uhr unter: http://www.elbphilharmonie.de (gespi)

Der Saal mit 2100 Plätzen ist ähnlich wie die Berliner Philharmonie nach dem Weinberg-Prinzip gebaut, mit einer Bühne in der Mitte, die von terrassenförmigen Publikumsrängen umgeben ist - nur viel höher und viel steiler. Die Form des Saals vergleichen die Architekten mit antiken Amphitheatern, mit Stadien und einem Zelt. Dank der Akustik des Japaners Yasuhisa Toyota sollen die Besucher von allen Plätzen gleich gut hören können.

Probleme mit Ticketsystem

"Die Elbphilharmonie ist ein Weltwunder geworden. Das spricht sich rum", sagt Christoph Lieben-Seutter, Generalintendant von Elbphilharmonie und Laeiszhalle der der Deutschen Presse-Agentur. Der gebürtige Wiener ist sich sicher, dass auch die schlagzeilenträchtige Entstehungsgeschichte zur Berühmtheit der Elbphilharmonie beigetragen hat: "Der Turnaround vom Skandalprojekt zum Happy End." Probleme gab es zuletzt nur noch mit dem Ticketsystem. Mit einem Trick war es über Monate möglich, bereits von anderen erworbene Eintrittskarten ohne zu bezahlen herunterzuladen. Aber auch dieser Fehler ist jetzt behoben.

Unterdessen kann sich Lieben-Seutter auf die Resonanz des Publikums freuen: So gut wie alle Konzerte in der ersten Spielzeit sind bereits ausverkauft. Bereits kurz nach der Eröffnung der Plaza Anfang November war der Ansturm auf die öffentliche Aussichtsplattform zwischen dem historischen Kaispeicher und dem gläsernen Neubau enorm. "Die Elbphilharmonie ist eine perfekte Mischung aus Konzerthaus und Sehenswürdigkeit", sagt Hamburgs Tourismus-Chef Michael Otremba.

Alle Musiker, die bereits in der Elbphilharmonie spielen durften, schwärmen von ihrem "warmen Klang". Nach Aussagen von Chefdirigent Thomas Hengelbrock hatten die Musiker des NDR Elbphilharmonie Orchesters "Tränen in den Augen", als sie zum ersten Mal im neuen Saal spielen durften: Er sei so schön geworden, "wie wir es uns in unseren schönsten Träumen nicht haben ausmalen können."

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 11.01.2017
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