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Berufe am Nationaltheater: Die drei Produktionsleiter verwandeln kleine Modelle in große Bühnenbilder

Zu Besuch in der Erfinderstube

Von unserer Mitarbeiterin Monika Lanzendörfer

Die Produktionsleiter Florian Napp, Tobias Uhl und Holger Beckschebe (v.l.) bei der konzentrierten Tüftelarbeit.

© Merdes

Kein Theaterberuf kommt ohne künstlerische Ader aus. Sie ist unverzichtbar, egal ob Instrumente, Werkzeuge oder Elektronik eingesetzt werden. Die drei Produktionsleiter des Nationaltheaters nennen noch eine weitere Voraussetzung: die Neugier. Außerdem müssen sie auch mal bis spät in die Nacht zeichnen oder planen. Und sie brauchen ein stabiles Nervenkostüm, um dem unvermeidbaren Stress zu widerstehen. Aber wer braucht das nicht?

Ihr Reich besteht aus drei Schreibtischen mit Computern und Papierstößen. Florian Napp stellt das Büro als "Erfinderstube" vor und nimmt dem Raum damit prompt die Nüchternheit. Hier werden also nicht nur Maße für Kulissen berechnet oder Fertigungsstunden gezählt. Hier wird auch getüftelt, gezaubert und "Unmögliches möglich" gemacht. Florian Napp ist der Dienstälteste des Trios. Als er 2008 nach Mannheim kam, fiel ihm gleich die Aufgabe zu, die Umsetzung des Bühnenbildentwurfs für die "Meistersinger von Nürnberg" zu organisieren.

Am Anfang steht das Modell

Mehrere Ausbildungswege führen zum Beruf des Produktionsleiters. Die drei Kollegen studierten an der Berliner Beuth-Hochschule für Technik.

Jeder Produktionsleiter betreut pro Spielzeit sechs bis acht Premieren in Oper, Schauspiel oder Ballett. Die Aufgaben umfassen sicherheitstechnische Fragen, die Zusammenarbeit mit Bühnenbildnern und Werkstatt, die Berechnung der Materialkosten und der Arbeitsstunden.

Der technische Leiter der Internationalen Schillertage klärt zusätzlich die Details zur Aufstellung der Gastspiel-Bühnenbilder. ML

Und so sieht die Tätigkeit eines Produktionsleiters aus: Die Bühnenbildner liefern ihm ihre Modelle, die unterschiedlich groß ausfallen, zur neuen Inszenierung oder Choreographie. Ob ein Zwergen-Entwurf oder ein Riesenobjekt vor ihm steht - jetzt ist die künstlerische Ader des Technikers gefragt. Er muss das nötige Vorstellungsvermögen besitzen, um sich auszumalen, wie das Ganze im Original aussehen wird. Während der Vorgespräche und der Bauprobe wird geprüft, ob sich das Fantasie-Häuschen realisieren lässt. Die Bauprobe dient dazu, das Modell zunächst einmal provisorisch auf die Bretter zu übertragen, auf denen später Wände oder Möbel stehen. Wo treten die Darsteller auf, wo gehen sie ab, wo verschwinden sie in der Versenkung? Solche Situationen werden während der Bauprobe simuliert.

Daraus erwachsen weitere Fragen. In die Beantwortung schaltet sich der Technische Direktor Christian de la Rosée ein. Zu berücksichtigen sind die Personalkapazität, Budgetzwänge und zeitlichen Abläufe, wenn folgende Punkte geklärt werden: Wie viel kostet das Material? Wie viele Arbeitstage beansprucht die Herstellung in der Werkstatt? Wie lange dauert es, das Bühnenbild auf- und abzubauen? Nach den Vormittagsproben sollte es möglichst innerhalb von drei Stunden den Kulissen der Abendvorstellung Platz machen. Holger Beckschebe ist nicht nur für die Neuproduktionen zuständig, sondern auch technischer Leiter der Schillertage und zuständig für alle weiteren Gastspiele. Vor solchen Ereignissen rollen Kulissen an, die für fremde Bühnen zugeschnitten sind. Aber Probleme sind dazu da, um gelöst zu werden.

Der Satz "Das geht nicht" ist Holger Beckschebe und seinen Kollegen unbekannt. Wenn es irgendwo hakt, wird etwas "erfunden, was vorher nicht da war". Die Ideen dazu entstehen oft im Kollektiv, gemeinsam mit Werkstätten und Abteilungsleitern. Das fördere nicht nur tolle Lösungen zutage, sondern "schweißt auch zusammen", so Beckschebe. Daraus entspringen dann die "Glücksmomente" und das Gefühl, der Produktionsleiter sei "einer der spannendsten Jobs, die man haben kann". Glücksmomente empfindet der eine in diesem Beruf. Die "Aha-Momente" oder "Erfolgserlebnisse" schätzt der Jüngste an seiner Arbeit: Der Heidelberger Tobias Uhl trat voriges Jahr in die Erfinderstube ein und kümmerte sich als Erstes um die Wohnung zu Ibsens "Nora oder Ein Puppenhaus". Was ihn fasziniert, formuliert er so: "Je näher die Premiere rückt, desto mehr fiebert man mit."

Während der Premiere sitzen die Techniker unter den Zuschauern und lassen sich von der Magie des Theaters gefangen nehmen. Napp zeigt sich berührt davon, wie Regisseur Achim Freyer das anfängliche "Rheingold"-Chaos zu einem stimmigen Bild wandelt. Beckschebe wird von der Begeisterung des Publikums mitgerissen, das einem italienischen Mozart-Gastspiel zujubelt. Und Uhl sieht erstaunt, dass sich seine Kugel-Konstruktion im "Ratgeber für den intelligenten Homosexuellen" geheimnisvoll dreht. Und er zieht sein Fazit: Alle Anstrengungen haben sich gelohnt.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 20.09.2012
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