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Kunst: Eine eindrucksvolle Video-Installation von Roswitha von den Driesch und Uwe Dyffort im Kunstverein zeigt Ludwigshafen als zerrissene Stadt

Zwischen Heimeligkeit und Horror

Von unserer Mitarbeiterin Christel Heybrock

Panorama einer Stadt: Foto aus der Ausstellung "Zwischen Maßnahmen" im Kunstverein Ludwigshafen.

© ZG

Die Liste ihrer Stipendien, Preise und Ausstellungen ist endlos. Die Berliner Bild- und Tonkünstler Roswitha von den Driesch und Jens-Uwe Dyffort arbeiten seit 16 Jahren an gemeinsamen Projekten. Ludwigshafens Kunstvereinsleiterin Barbara Auer kennt die beiden seit Jahren und konnte sie jetzt zu einer Video-Klang-Installation gewinnen. Thema der "Zwischen Maßnahmen" ist Ludwigshafen selbst.

Rund einen Monat, so Roswitha von den Driesch, machten sie an verschiedenen Orten der Stadt Video- und Tonaufnahmen. Was sie gerade hier fasziniert habe, sei die "Heterogenität" Ludwigshafens, seine auseinanderdriftende Vielschichtigkeit. Der Besucher bekommt in der abgedunkelten Ausstellungshalle Videoprojektionen an drei Wänden zu sehen. Da ist zunächst eine riesige Panorama-Ansicht, in der sich kaum merklich einzelne Orte, Häuser und Straßen durch Überblendungen verschieben. An zwei weiteren Wänden finden rasante Fahrten statt (von außerhalb in die Stadt hinein und von innerhalb wieder hinaus) sowie die wenig anheimelnde Konfrontation mit Ludwigshafens diversen Unterführungen. Die drei Projektionen laufen zeitlich etwas versetzt und werden von authentischen Geräuschen begleitet - das dröhnt und rattert mitunter ganz erheblich.

Heimische Besucher werden den Wiedererkennungseffekt schätzen. Einem Auswärtigen zeigt sich die Stadt dagegen als Gebilde, dessen Teile nicht zueinander passen wollen und das sowohl hinsichtlich der Verkehrswege als auch architektonisch Zerrissenheit vermittelt. Da sind einmal Ansichten aus dem Hemshof mit seinen Restbeständen historischer Arbeitersiedlungen und zum andern das BASF-Hochhaus. Da sind ein trister Imbiss, ein paar isoliert aufragende Kirchtürme, aber auch die feinen Stadtvillen auf der Parkinsel. Und alles wird dominiert von Ludwigshafens Nachkriegs-Charakeristikum - den abenteuerlichen Brücken und Hochstraßen, die seinerzeit von amerikanischen Vorbildern inspiriert wurden.

Das Teilvideo mit den Stadtfahrten zeigt denn auch eindrücklich immer nur die obere Sichtkante: Brückenpfeiler, Dachgeschosse, das Gewirr von Stützen bei der viel zu groß geratenen Bahnstation am Berliner Platz, die Dachrundung der Rhein-Galerie und die gesichtslosen Fassaden der Hafenbebauung daneben, alles fliegt nur so vorbei. Der Kontrast zu den Fußgängerunterführungen am Bahnhof wirkt umso befremdlicher: Es ist immer ein Blick ins Dunkel, umrahmt von Schmuddel, Spraybildern und Einsamkeit. Manchmal bewegt sich ein trockenes Blatt auf dem Boden, selten kommt eine Person herbei und verschwindet wieder, ein roter Personenzug mit wenigen aussteigenden Fahrgästen fährt über einer Unterführung dahin.

Zwischen Hektik und Lähmung erhebt sich die Frage nach der Zukunft unserer Städte - nicht nur nach der Ludwigshafens.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 22.11.2012
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