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Junge Talente: Die Geigerin Caroline Adomeit kommt aus einer Mannheimer Musikerfamilie

Musikalische „Saitensprünge“

Von unserer Mitarbeiterin Waltraud Brunst

Hat viele Vorbilder - aber auch ihren eigenen Kopf: Caroline Adomeit.

© Prosswitz

Dem Gespräch mit ihr mussten wir ein wenig hinterher hecheln, denn die Geigerin Caroline Adomeit kommt nicht so oft in die Metropolregion. Die Neugier auf die junge Dame war längst geweckt durch eine Bugwelle von Mundpropaganda, die tatsächlich von Fachleuten kam, meist von Orchestermusikern, die noch ihren Großvater, den legendären Mannheimer Solocellisten Hans Adomeit, gekannt hatten. Als dann eine junge Geigerin namens Adomeit mal in der Mannheimer Matthäuskirche, mal in der Waldorfschule, mal im nahen Odenwald auftrat und sich unwiderstehlich in Ohren und Herzen geigte, da sprach sich das herum. Als dann auch noch eine CD mit dem Titel "Bach to Jazz" auftauchte, die alle Vorschusslorbeeren aufs Schönste einlöste, da wollten wir das entzückende Wesen, das da vom Plattencover lächelte, unbedingt kennenlernen.

Als Erstes erfuhren wir, dass das gar nicht ihre erste CD war; "Bach to Tango" war zuvor auch schon höchst erfolgreich, wurde sogar im Fachmagazin "The Strad" hymnisch rezensiert. Danach standen vier Plattenlabels Schlange, Oehms Classic erhielt den Zuschlag. Die CD-Titel klingen nur vordergründig nach Cross-Over. Vielmehr demonstrieren sie, was die Geigerin in den "Musikalischen Saitensprüngen" - so nannte sie ihre ersten, stets selbst moderierten Konzerte - ihrem Publikum vorlebte: eine ungewöhnliche stilistische Bandbreite. "Ich liebe Bach über alles, aber ich habe auch kein schlechtes Gefühl, wenn ich Tango spiele."

In Mannheim sprechen wir natürlich auch darüber, in welchem Maße ihr Großvater Hans Adomeit Ausbildung und Berufswahl beeinflusst hat. "In erster Linie", erzählt sie, "war er mein Opi. Er war ja schon pensioniert, als ich geboren wurde. Aber er hat mich bei meinen ersten kleineren Konzerten noch am Klavier begleitet. Er hat ja damals noch viel unterrichtet, und bei den Vorspielabenden seiner Cello-Schüler durfte ich gelegentlich als Geigerin mitspielen. Jedenfalls hat er mich stets behutsam unterstützt und ermutigt. Später hat er mir oft gesagt, ich brauchte eine 'Gehirnwäsche', weil ich für sein Empfinden viel zu bescheiden war."

Bescheiden ist Caroline Adomeit immer noch. Nach Vorbildern befragt, sprudelt sie sogleich Oistrach, Milstein, Heifetz, Perlman, Zukerman heraus, aber auch jetzt gäbe es "fantastische Kolleginnen und Kollegen", deren Eigenarten und Vorzüge sie aufsaugt wie ein Schwamm: "Man kann von allen etwas lernen. Aber mittlerweile habe ich meinen eigenen Kopf." Damit meint sie wohl eher ihren ausgeprägt musikantischen Personalstil, der ihr inzwischen zunehmend Einladungen zu Konzerten und sommerlichen Festivals einbringt. Noch im Juli geht es nach England, dann in die Pfalz und nach Frankreich. Vorher freut sie sich aber erst einmal auf die beiden Konzerte in Mannheim, wo sie, begleitet vom Sinfonieorchester der Freien Waldorfschule unter Johannes Corn, das Violinkonzert von Beethoven spielt.

Es ist zumindest ungewöhnlich, dass ein so junges Menschenkind schon über 70 000 Euro für soziale und humanitäre Zwecke gespendet hat. Die Initialzündung für viele Benefizkonzerte waren Besuche bei ihrer englischen Großmutter im Krebs-Hospiz und die Begegnung mit einer Ärztin. Der daraus resultierende Wunsch, auf ihre Art Menschen in aller Welt zu helfen, hat sich inzwischen längst verselbstständigt.

Hat Caroline Adomeit auch einen Hang zu "geigenloser" Musik? Seit Kindestagen eine große Schwäche für die Oper, insbesondere für schön singende Tenöre. Und besonders intensiv hat sie sich mit Gustav Mahler befasst, auch mal eine große Arbeit über ihn geschrieben. Was die Freizeitgestaltung jenseits der Musik angeht, da purzeln die Antworten ebenso schnell wie bei den Geigen-Idolen: Schwimmen, Tanzen, raus in die Natur. Ist es nicht erfrischend, im Zeitalter der Casting-Stars, Models und sonstiger Tussis einer jungen Frau zu begegnen, die trotz lebenslanger Beschäftigung mit der holden Kunst so natürlich geblieben ist?

© Mannheimer Morgen, Samstag, 07.07.2012
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