DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Dienstag, 01.09.2015

Suchformular
 
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • Drucken
  • Senden

Junge Talente: Die Geigerin Caroline Adomeit kommt aus einer Mannheimer Musikerfamilie

Musikalische „Saitensprünge“

Von unserer Mitarbeiterin Waltraud Brunst

Hat viele Vorbilder - aber auch ihren eigenen Kopf: Caroline Adomeit.

© Prosswitz

Dem Gespräch mit ihr mussten wir ein wenig hinterher hecheln, denn die Geigerin Caroline Adomeit kommt nicht so oft in die Metropolregion. Die Neugier auf die junge Dame war längst geweckt durch eine Bugwelle von Mundpropaganda, die tatsächlich von Fachleuten kam, meist von Orchestermusikern, die noch ihren Großvater, den legendären Mannheimer Solocellisten Hans Adomeit, gekannt hatten. Als dann eine junge Geigerin namens Adomeit mal in der Mannheimer Matthäuskirche, mal in der Waldorfschule, mal im nahen Odenwald auftrat und sich unwiderstehlich in Ohren und Herzen geigte, da sprach sich das herum. Als dann auch noch eine CD mit dem Titel "Bach to Jazz" auftauchte, die alle Vorschusslorbeeren aufs Schönste einlöste, da wollten wir das entzückende Wesen, das da vom Plattencover lächelte, unbedingt kennenlernen.

Als Erstes erfuhren wir, dass das gar nicht ihre erste CD war; "Bach to Tango" war zuvor auch schon höchst erfolgreich, wurde sogar im Fachmagazin "The Strad" hymnisch rezensiert. Danach standen vier Plattenlabels Schlange, Oehms Classic erhielt den Zuschlag. Die CD-Titel klingen nur vordergründig nach Cross-Over. Vielmehr demonstrieren sie, was die Geigerin in den "Musikalischen Saitensprüngen" - so nannte sie ihre ersten, stets selbst moderierten Konzerte - ihrem Publikum vorlebte: eine ungewöhnliche stilistische Bandbreite. "Ich liebe Bach über alles, aber ich habe auch kein schlechtes Gefühl, wenn ich Tango spiele."

In Mannheim sprechen wir natürlich auch darüber, in welchem Maße ihr Großvater Hans Adomeit Ausbildung und Berufswahl beeinflusst hat. "In erster Linie", erzählt sie, "war er mein Opi. Er war ja schon pensioniert, als ich geboren wurde. Aber er hat mich bei meinen ersten kleineren Konzerten noch am Klavier begleitet. Er hat ja damals noch viel unterrichtet, und bei den Vorspielabenden seiner Cello-Schüler durfte ich gelegentlich als Geigerin mitspielen. Jedenfalls hat er mich stets behutsam unterstützt und ermutigt. Später hat er mir oft gesagt, ich brauchte eine 'Gehirnwäsche', weil ich für sein Empfinden viel zu bescheiden war."

Bescheiden ist Caroline Adomeit immer noch. Nach Vorbildern befragt, sprudelt sie sogleich Oistrach, Milstein, Heifetz, Perlman, Zukerman heraus, aber auch jetzt gäbe es "fantastische Kolleginnen und Kollegen", deren Eigenarten und Vorzüge sie aufsaugt wie ein Schwamm: "Man kann von allen etwas lernen. Aber mittlerweile habe ich meinen eigenen Kopf." Damit meint sie wohl eher ihren ausgeprägt musikantischen Personalstil, der ihr inzwischen zunehmend Einladungen zu Konzerten und sommerlichen Festivals einbringt. Noch im Juli geht es nach England, dann in die Pfalz und nach Frankreich. Vorher freut sie sich aber erst einmal auf die beiden Konzerte in Mannheim, wo sie, begleitet vom Sinfonieorchester der Freien Waldorfschule unter Johannes Corn, das Violinkonzert von Beethoven spielt.

Es ist zumindest ungewöhnlich, dass ein so junges Menschenkind schon über 70 000 Euro für soziale und humanitäre Zwecke gespendet hat. Die Initialzündung für viele Benefizkonzerte waren Besuche bei ihrer englischen Großmutter im Krebs-Hospiz und die Begegnung mit einer Ärztin. Der daraus resultierende Wunsch, auf ihre Art Menschen in aller Welt zu helfen, hat sich inzwischen längst verselbstständigt.

Hat Caroline Adomeit auch einen Hang zu "geigenloser" Musik? Seit Kindestagen eine große Schwäche für die Oper, insbesondere für schön singende Tenöre. Und besonders intensiv hat sie sich mit Gustav Mahler befasst, auch mal eine große Arbeit über ihn geschrieben. Was die Freizeitgestaltung jenseits der Musik angeht, da purzeln die Antworten ebenso schnell wie bei den Geigen-Idolen: Schwimmen, Tanzen, raus in die Natur. Ist es nicht erfrischend, im Zeitalter der Casting-Stars, Models und sonstiger Tussis einer jungen Frau zu begegnen, die trotz lebenslanger Beschäftigung mit der holden Kunst so natürlich geblieben ist?

© Mannheimer Morgen, Samstag, 07.07.2012
  • Drucken
  • Senden
 
 
TICKER

Das Wetter in der Metropolregion

Mannheim - Prognose für 15 Uhr

17°

Das Wetter am 1.9.2015 in Mannheim: Regenschauer
MIN. 17°
MAX. 28°
 
 
 

Download

Spielzeitheft des Nationaltheaters

Welche Aufführungen bringen die Sparten des Nationaltheaters Mannheim in der Spielzeit 2015/2016 auf die Bühne? Erfahren Sie mehr im Spielzeitheft des NTM. (PDF). [mehr]

Serie Künstlerhäuser (mit Fotostrecke)

Atelier in den Weinbergen

Max und Emil trinken Tee - auf einem Schrank. Der hatte einst dem Impressionisten Max Slevogt (1868-1932) gehört. Und die Szene kein Geringerer als der große böhmische Künstler Emil Orlik gemalt. Auf dem Slevogthof in Leinsweiler ruhen sich die beiden Freunde so noch immer nach einer Wanderung aus… [mehr]

Der Staat bin ich

Mit dem Bleistift tippt der Steuerberater auf eine Zahl im Formular vor mir. "Diese Position könnte man gegebenenfalls noch einsparen . . ." Die Kirchensteuer? Niemals! Lautete die Familienhymne (zur Melodie der Englischen Nationalhymne) doch seit alter Zeit stets "Trinkfest und arbeitsscheu, aber… [mehr]

Veranstaltungen

Veranstaltungen SUCHEN

Partys, Ausstellungen, Weinfeste und Sport-Events. Unsere Veranstaltungsdatenbank weiß, was im Rhein-Neckar-Dreieck passiert.

 

Veranstaltungen MELDEN

Sie möchten uns Ihre Veranstaltung melden, schicken Sie uns eine E-Mail:

Kontakt zur Kulturredaktion

Telefon (11.30-15.30 Uhr): 0621/392-1343
Fax:  0621/392-1366
 

Schreiben Sie uns eine E-Mail!

 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR