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Junge Talente: Jens Wienand ist Poetry Slammer, Improtheaterspieler und DJ / Humor als Markenzeichen

„Nicht langweilen ist die Kunst“

Von unserem Redaktionsmitglied Katrin Miedniak

Das Menschengetümmel in der Innenstadt ist eine große Inspirationsquelle des Mannheimer Poetry Slammers Jens Wienand.

© Rinderspacher

Pensionierte Bösewichte, ausgebeutete Praktikanten, Fußballhasser - solche Figuren sieht Jens Wienand an jeder Ecke. Wenn er zum Einkaufen geht, einen Film schaut, in der Disko Platten auflegt. Die Figuren und ihre Geschichten steckt er in eine Schublade. Und da liegen sie erstmal. Zumindest bis vor drei Jahren war das so. Doch der Mannheimer hat ein Problem: "Was ich sehe, muss ich irgendwie weiterverarbeiten." Also schreibt er einen Blog.

Zwar weiß er, dass es auch so etwas wie Poetry Slam gibt, aber: "Ich hatte keinen Bock auf Poetry Slam, weil ich dachte, das sind Studenten, die von ihren WG-Partys erzählen." Im Jahr 2009 stürzt Wienand dann doch kopfüber in die Szene. Ein Film-Slam macht den Filmfan neugierig, gleich sein erster Aufritt bei dem Wettbewerb wird mit einem Sieg belohnt. Der Mannheimer, der sich bisher im Improtheater ausgetobt hat, wird über Nacht zum Dichter. An über hundert Slams in ganz Deutschland nimmt der 31-Jährige in den folgenden drei Jahren teil und wird immer besser.

"Die Leute nicht zu langweilen, das ist die höchste Kunst von allen", weiß Wienand und setzt bei seinen Auftritten auf Humor. Trockene, manchmal sogar makabere Seitenhiebe lockern selbst das nachdenklichste seiner Gedichte und den ernstesten Prosatext auf, die er alle in äußerst rasantem Tempo vorträgt. Doch nicht immer findet das jeder im Publikum lustig. Seine Abrechnung mit dem Fußball beklatschen bei einem Auftritt genau drei Zuhörer - trotzdem hat Wienand den Text nicht aus seinem Programm genommen. Diese Woche will er ihn wieder vortragen - bei einer EM-Spiel-Übertragung. "Ich bin jemand, der sich freut, andere Leute vor den Kopf zu stoßen", sagt er und grinst kurz.

Poetry Slam bezeichnet einen Dichterwettstreit, bei dem eigene Texte innerhalb einer vorgegebenen Zeit einem Publikum vorgetragen werden.

Der Wettstreit umfasst Lyrik und Prosa. Markenzeichen des Slams ist die Verknüpfung von Vortrag und schauspielerischen Elementen.

Die 16. Deutschen Poetry Slam Meisterschaften finden vom 13. bis 17. November in Mannheim und Heidelberg statt.

An zehn Veranstaltungsorten werden die Sieger der Kategorien Einzel, Team und U20 gekürt. Weitere Infos unter www.slam2012.de. mie

Dann schweift sein Blick wieder ernst in die Ferne, wie so oft. "Ich lächle auch auf der Bühne zu wenig", bekennt der Mannheimer und sieht darin einen Grund, warum er keinen größeren Bekanntheitsgrad erreicht hat. Doch Wienand ist zufrieden mit seinem Leben, das trotz aller Leidenschaft fürs Texten und Vortragen nicht nur aus Poetry Slam besteht. Aus einem einfachen Grund, erklärt der Dichter: "Mit Poetry Slam kann man kein Geld verdienen." An vier Tagen die Woche ist der 31-Jährige, der an der Popakademie Musikbusiness studiert hat, daher als Projektleiter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Clustermanagement Musikwirtschaft tätig. Abends und am Wochenende lebt er seine künstlerische Seite aus, legt als DJ unter dem Motto "Last Jens to dance" in der Innenstadt-Discothek "Das Zimmer" auf, spielt Improtheater oder organisiert eines seiner vielen Projekte.

Viele Projekte rauben Zeit

"Ich habe hier in Mannheim meine Nische gefunden", sagt Wienand. Für das Moderieren der Reihe "Kunst gegen Bares", das Managen seiner Labels "Truetilldeaf" und "Eydition" und das Organisieren des wöchentlichen "Tu es Day" in der Jungbuschkneipe "Café Nelson" geht aber immer mehr Zeit drauf. "Langsam wird es schwer, den Überblick zu behalten", bekennt Wienand. Trotzdem will er das Slammen nicht aufgeben. "Es gibt viele Bühnen, wo ich noch hinwill", erzählt er. Seine Operationsbasis soll aber Mannheim bleiben, wo er voll in der freien Kunstszene aufgeht. "Ich sehe mich als Teil der Leute, die dafür verantwortlich sind, dass hier was geht", sagt er mit Stolz und träumt von einer gemeinsamen Aktion aller freien Mannheimer Künstler.

Wo sein eigener Weg hinführt, weiß der Dichter dagegen nicht. Ein Buch würde er gern schreiben oder einen Film drehen, vielleicht auch ein Hörbuch aufnehmen. Sicher weiß er nur eines: "Ich habe eine Geschichte im Kopf, die ich gern erzählen würde." Sicher ist auch: Erzählen kann Jens Wienand. Wenn er einmal für etwas Feuer fängt, beginnt er zu gestikulieren, die Augen leuchten, gar nicht mehr in die Ferne gerichtet. Auf diese Weise hat er kürzlich die Silberne Linde bei "Total Recall", dem Festival des nacherzählten Films, gewonnen. Mit Poetry Slam hat das nichts zu tun, aber dafür viel mit Jens Wienand, der leise lächelnd sagt: "Das mag ich an mir, dass mehrere Talente in mir sind."

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 06.06.2012
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