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Pop: Loreena McKennitt begeistert mit „A Trio Performance“ im ausverkauften Mannheimer Rosengarten

Auf den Spuren keltischer Kultur

Von unserem Mitarbeiter Martin Vögele

Geschichtenerzählerin mit viel Fingerspitzengefühl: Loreena McKennitt greift bei ihrem Mannheimer Konzert auch in die Harfe.

© Thomas Tröster

Wahrscheinlich bewahrt jeder ein paar dieser Lieder auf, die er, in irgendeiner Schublade der Erinnerung sorgsam verstaut, über die Jahrzehnte hinweg bei sich trägt. Stücke, welche die Stürme und Launen der eigenen Lebenszeit unbeschadet überstehen, um dann und wann wieder hervorgeholt zu werden und - man ist selbst ein bisschen verblüfft- ähnlich zu verzaubern wie beim allerersten Hör-Kontakt.

Loreena McKennitts wunderbare Ballade "Stolen Child" gehört zu diesen Liedern. Zu finden ist sie auf ihrem Debütalbum "Elemental", das McKennitt 1985 innerhalb einer Woche in einem Scheunen-Studio aufgenommen und zunächst in Kassettenform eigenhändig auf einem Marktplatz veräußert hatte, wie die Musikerin bei ihrem Konzert im Mannheimer Rosengarten erzählt.

Geschichten von Auswanderung

Loreena McKennit

  • Die kanadische Musikerin Loreena McKennitt wurde am 17. Februar 1957 in der Stadt Morden, in der Prärieprovinz Manitoba geboren. 1981 zog sie nach Stratford (Ontario), wo sie noch immer lebt.
  • 1985 veröffentlichte sie ihr erstes Album "Elemental". Acht weitere Studio-Langspieler folgten seither, zuletzt "The Wind That Shakes The Barley" im Jahr 2010.
  • Mit ihrer Mischung aus Folk, Pop und World Music hat sie mehr als 14 Millionen Alben weltweit verkauft - mehr als 1,6 Millionen davon in Deutschland. Ihre Aufnahmen erlangten Gold-, Platin- und Multiplatin-Status in 15 Ländern auf vier Kontinenten.
  • Ihre Musik wird gerne auch in Filmen eingesetzt. Titel von Loreena McKennitt sind etwa in "Santa Clause - Eine schöne Bescherung" (1994), dem Science-Fiction-Film "Soldier" (1998) und "Die Nebel von Avalon" (2001) zu hören.
  • McKennitt war zweimal für den Grammy nominiert und hat zwei kanadische Juno Awards sowie den Billboard International Achievement Award gewonnen.

Heute, acht (über konventionelle Vertriebswege) millionenfach verkaufte Studioalben später, wissen wir das freilich - aber weiland hatten wir keine Ahnung, dass McKennitt Kanadierin ist. Wir hielten sie vielmehr für eine Irin, was damit notdürftig entschuldigt werden mag, dass uns die kunstvolle Form der Melancholie, wie sie die Sängerin so eindrucksvoll auf "Elemental" zelebrierte, bis dato nur aus der irischen Folkmusik bekannt war.

Tatsächlich stammten McKennitts Vorfahren aus Irland und aus Schottland, wie sie dem Publikum im ausverkauften Mozartsaal eröffnet. Und auf ihrer aktuellen Konzertreise unter dem Titel "A Trio Performance" - auf der sie von dem Gitarristen Brian Hughes und Cellistin Caroline Lavelle begleitet wird - setzt sich die Sängerin, Harfenistin und Pianistin just mit ihrer Spurensuche nach den Wurzeln und Wirkungsorten der keltischen Kultur, der irischen Musik und mit der irisch-kanadischen Auswanderungsgeschichte auseinander.

Am eindrücklichsten bricht sich das in einer Spoken-Word-Performance (also einer gesprochenen Darbietung) Bahn: Dabei verquickt McKennitt eigene Tagebucheinträge, einen Augenzeugenbericht und Lyrik mit den traditionellen Stücken "The Wind That Shakes The Barley" und "Down By The Sally Gardens", die ihrerseits auf Gedichten der irischen Autoren Robert Dwyer Joyce und William Butler Yeats basieren.

Es ist ein rund 15-minütiger, atmosphärisch dichter und musikalisch faszinierender historischer Exkurs, bei dem McKennitt mit ihren musikalischen Begleitern einen weiten Bogen spannt. Er reicht von der großen Hungersnot im Jahr 1840, die zwei Millionen Iren in die Immigration trieb und zwei weitere Millionen das Leben kostete, über die Fahrt auf den "Sargschiffe" genannten Booten gen Kanada bis zum irischen Osteraufstand 1916.

Gleichwohl ist dies kein Abend der Traurigkeit, vielmehr erzählt McKennitt mit feinem Humor von ihren Reiseerlebnissen und Geschehnissen aus über 30 Karrierejahren. Drei Dekaden, in denen sie so wundervolle Musik wie "Samain Night" geschaffen hat, das die (weitaus jünger aussehende) 60-Jährige mit einer Stimme singt, die in ihrer kristallinen Klarheit an Eisblumen-Ornamente denken ließe - wäre sie nicht zugleich von zartfühlender Wärme beseelt. Kaum minder großartig: das dynamisch interpretierte "All Souls Night" und der feinsinnig-kraftvolle Song "Annachie Gordon".

Große Gefühle

In der zweiten Konzerthälfte bestechen McKennitt und ihre beiden exzellenten Mitmusiker (Brian Hughes greift allenthalben auch zu Langhalslaute und Oud; Caroline Lavelle zur Flöte und Ziehharmonika) etwa mit dem eingängig wogenden "Bonny Swan" und mit dem aufgewühlten "The Old Ways".

Und natürlich besagter, zutiefst ergreifender Ballade "Stolen Child" - eine Komposition, bei der McKennitt übrigens ein weiteres Yeats-Gedicht vertont hat. Auch mit den Zugaben ("The Mummers' Dance" und "Full Circle") stellt McKennitt noch einmal ihre Ausnahme-Klasse als Sängerin, Instrumentalistin und Komponistin unter Beweise: ein fabelhaftes Konzert.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 21.03.2017
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