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Schauspiel: Die Kammerspiele Magdeburg inszenieren im Pfalzbau Ludwigshafen das Leben des jüdischen Operetten-Komponisten

Aufstieg und Fall von Paul Abraham

Archiv-Artikel vom Freitag, den 30.12.2016

Von unserem Redaktionsmitglied Julia Wadle

Tragisches Paar: der Komponist Paul Abraham (dargestellt von Jörg Schüttauf) und seine Frau Sarolta Feszelyi (gespielt von Susanne Bard).

© Bo Lahola

So richtig will es nicht zusammenpassen, das Leben und Werk des jüdischen Komponisten Paul Abraham. Wie ein Kontrapunkt zu seinem Dasein wirken die lebensbejahenden Operetten "Die Blume von Hawaii" oder "Ball im Savoy". Diese Spannung ist auch auf der Bühne im Pfalzbau bei dem Gastspiel "Abraham" der Kammerspiele Magdeburg zu spüren.

Häufige Rückblenden

Skurril beginnt die Tragikkomödie bereits, als Susanne Bard als Flugbereiterin durch den Zuschauerraum läuft und Bonbons verteilt. Wie nebenbei verkündet sie, dass es der 30. April 1956 sei und der Flug von New York nach Deutschland gehe. Nur einem gefällt das offensichtlich nicht - Paul Abraham,überzeugend gespielt von Ex-"Tatort"-Kommissar Jörg Schüttauf, springt aus der ersten Zuschauerreihe auf, und ruft, er müsse zurück nach New York, schließlich seien in Deutschland die Nazis.

Doch statt in der US-Metropole findet sich der offensichtlich geistig verwirrte Mann mit seiner Frau in einem kleinen Zimmerchen im Nachkriegsdeutschland wieder. Während sein Körper da ist, schwelgt sein Geist jedoch in der Vergangenheit - doch ist das, woran er sich erinnert, nicht immer wahr. In kurzen Rückblenden werden der aufstrebende Komponist und seine Frau Sarolta vorgestellt. Sie tanzen, sie lachen und singen seine Lieder, begleitet von Pianist Jens-Uwe Günther.

Doch die fröhliche Stimmung reißt ab, die Rückblende ist vorbei und die 30 Jahre ältere Sarolta füttert ihren verwirrten "Pali" mit Suppe und Pillen. Denn er allein, erinnert sie ihn unablässig, sei Schuld an ihrer Mittellosigkeit. Bei der Flucht hatte er seine Kompositionen zurückgelassen, die vom habgierigen Chauffeur an "arische" Komponisten verkauft wurden. Die immer ausgelasseneren Rückblenden zeigen im krassen Kontrast die Gulaschpartys des neureichen Komponisten in Berlin, der 200 Hemden kauft, damit seine Frau nicht so oft waschen muss. Doch dieser Rauschzustand muss böse enden. Im USA-Exil erkrankt der jüdische Lebemann Abraham, der sich bei einer Berliner Prostituierten mit Syphillis angesteckt hatte, an einer Psychose. Seine Erinnerungen werden verworren - schließlich dirigiert er den New Yorker Verkehr statt eines Orchesters. Die Folge sind zehn Jahre in der Psychiatrie und ein Leben im Schatten der alten Zeiten.

Das dreiköpfige Mini-Ensemble überzeugt in der Inszenierung, auch wenn Susanne Bard aufgrund der Vielzahl der weiblichen Figuren diese im Detail teilweise überzeichnet. Auch bleibt ein schaler Beigeschmack: Durch die häufigen Zeitsprünge wirken die fröhlichen Gesangsstücke zum Teil surreal und unangemessen, sie zu genießen, fällt trotz der erstaunlich guten Singstimme von Schüttauf schwer. Denn seine Figur ist von Anfang an das verwirrt und kranke Naziopfer: Wir sehen schließlich auch in den Rückblenden mehr Fall als Aufstieg im Leben des Paul Abraham.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 30.12.2016
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