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Musiktheater: Der Festliche Opernabend am NTM mit „Aida“ dreht sich um sich selbst – aber die Gäste taumeln nicht

Den Tod sterben sie am Ende konzertant

Von unserem Mitarbeiter Hans-Günter Fischer

Erwin Schrott (3. v.r.) überzeugt als Oberpriester Ramphis vollauf.

© Lys Y. Seng

Erwin Schrott (2 v.r.) überzeugt als Oberpriester Ramphis vollauf.

© Lys Y. Seng

Erwin Schrott lacht schon beim Pausenbeifall. Ist er nur zufrieden mit sich selbst (was er aus ziemlich guten Gründen sein darf) oder amüsiert ihn diese Nationaltheater-Inszenierung der "Aida" auch? Er findet sich als einer von zwei Gaststars eines "Festlichen" Mannheimer Opernabends souverän in ihr zurecht, als Oberpriester Ramphis thront er sogar immer wieder über dem Geschehen. Wie ein Kapitän hoch oben auf der Reling. Wie ein großer Zeremonienmeister. Für den namenlosen Pharao bleibt wenig mehr als eine Marionettenexistenz. Aber Anna Netrebkos Ex-Mann Schrott scheint es auch sonst ganz gut zu tun, dass er inzwischen kaum noch in den Klatschspalten, sondern fast ausschließlich auf den Besetzungslisten steht: Von Anfang an verströmt sein abgrundtiefer Bariton die autoritative Kraft, die einem Ober- (oder Todes-) Priester zu Gebote stehen muss. Und bleibt doch warm timbriert.

Der erste Gast hält also, was man sich von ihm versprochen hat. Er ist nicht bloß ein prominenter Name. Und der zweite ist vielleicht nicht ganz so prominent, aber auch dieser Gast kann den Erwartungen genügen. Inszenierungstechnisch fügt sich Marco Berti, der den Radames verkörpert, etwas weniger geschmeidig ein, vor allem in der (halben) Striptease-Szene. Er ist Jahrgang 1962 und auch sonst eher der Typus "Klassischer Tenor" - der Mann aus Como ist für die berühmte "Italianità" zuständig, der er unbeirrt die Treue hält, sogar in Altägypten - oder wo auch immer wir an diesem Nationaltheater-Abend sind. Er strengt sich dafür mächtig an, er drückt, er presst: durch Kampf zum Sieg. Doch dieser Sieg ist unzweideutig, Berti wird gefeiert.

Tod auf der Seitenloge

Was Roger Vontobels Inszenierung vorerst eher nicht beschieden ist. Nach der besagten (halben) Striptease-Szene wird im Publikum gelegentlich das "Arschwackeln" moniert und die Empfehlung ausgesprochen, dass man doch "gescheit" Theater spielen möge. Doch "gescheit" ist die Regie bisweilen schon, wenn sie "Aida", diese Großmutter aller Sandalenfilme, als Erfindung des Event-Theaters sieht - und dafür die Arena vornehmlich von hinten zeigt. Mag dieser Ansatz auch ein bisschen um sich selbst kreisen.

Aber das hindert Miriam Clarks Aida nicht daran, das große Liebesdrama zu entfachen, und auch sonst bewähren sich die meisten Hauskräfte des Nationaltheaters: Julia Faylenbogen als Amneris hat nur ein paar wenige Momente reduzierter Stimmpräsenz (die allerdings beim Pharao von Philipp Alexander Mehr verstärkt auftreten). Bariton Evez Abdulla spinnt als König Amonasro äußerst kraftvolle Intrigen. Dani Juris hat dem groß besetzten Chor viel Flexibilität verordnet, Alexander Soddys straffes Dirigat vermeidet im Orchester selbstzufriedenes Getöse.

Und den Tod der beiden Hauptfiguren gibt es wieder in der Seitenloge, konzertant mit Notenständer. Das ist "nur" Musik, höchst sparsam auf der Bühne kommentiert. Deshalb berührt es.

© Mannheimer Morgen, Montag, 20.03.2017
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