DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Dienstag, 26.07.2016

Suchformular
 
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • Drucken
  • Senden

Klassik: Zur Konzertsaisoneröffnung bei Pro Arte treten Sol Gabetta und das Kammerorchester Basel auf

Die Wachheit nach dem Traum

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 21.10.2014

Von unserem Mitarbeiter Hans-Günter Fischer

Sol Gabetta unter - beziehungsweise hier neben - Dirigent Giovanni Antonini im Rosengarten.

© Tröster

Neulich ist sie auch in Argentinien aufgetreten, ihrer alten Heimat. In der Klassikfernsehsendung "KlickKlack", die sie regelmäßig moderiert, wurde ein Film dazu gezeigt. Auch im berühmten Teatro Colón hat die Cellistin Sol Gabetta (als inzwischen ebenfalls berühmte Tochter ihres Landes) spielen dürfen, und man sieht sie in der Fernsehsendung lächeln, schwärmen, die spezielle Atmosphäre und Akustik dieses Hauses rühmen. Dirigent Giovanni Antonini gibt ihr darin Recht. Nun kommen beide - Antonini leitet, wie in Buenos Aires auch, das Kammerorchester Basel - zur Saisoneröffnung bei Pro Arte in den voll besetzten Mozartsaal des Rosengartens.

Dieser kann, verglichen mit der Kultstätte in Argentinien, als stocknüchterner Kulturverwaltungsbau erscheinen. Aber Sol Gabetta und Begleiter lassen sich nicht zu Konzerttourneeroutine hinreißen. Zumal ein Stück auf dem Programm steht, das noch immer Hilfe braucht, auch über 150 Jahre nach seiner Entstehung. Denn Schumanns a-Moll-Konzert wird nie ein Reißer werden: Eine wirklich griffige Thematik hat es kaum, und das rhapsodisch freie Schweifen des Solisten kann in manchen Ohren als das Fehlen eines roten Fadens ankommen. Aber Gabetta hat natürlich mehr als andere Solisten jene Biegsamkeit im Ton parat, die hier entscheidend ist. So schlank und trotzdem überraschend muskulös und austrainiert wie die Cellistin selbst.

Gegen Diktator Franco

Sol Gabetta und Giovanni Antonini

Sol Gabetta stammt aus Argentinien, wo sie in Villa María auf die Welt kam. Schon mit Zehn gewann sie Preise, später wurde sie auch beim Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau ausgezeichnet.

Ihre Hochschulausbildung erhielt sie hauptsächlich in Basel und Berlin. Sie kann noch deutlich mehr als Cello spielen: Singen, moderieren, unterrichten, Festivals und kleinere Orchester gründen.

Dirigent Giovanni Antonini stammt aus Mailand und ist überdies ein tüchtiger Flötist.

Als Chef und Mitbegründer einer Originalklangtruppe ("Il Giardino Armonico") ist er bekannt geworden, aber mittlerweile aus dem Schmollwinkel des Spezialistentums herausgetreten. Antonini hat schon die Berliner Philharmoniker und das Concertgebouworkest in Amsterdam geleitet. HGF

Der Mittelsatz bleibt angemessen kammermusikalisch, während das Finale durchaus für die Galerie (oder Empore) komponiert ist - wenn ein Innenmensch wie Schumann derlei überhaupt ins Auge fasste. Sol Gabetta spielt brillant, aber nicht auftrumpfend. Noblesse oblige. Auch in den Zugaben, die beide zarte Elegien sind: Faurés "Après un rêve", wo das Orchester als ein weiches Kopfkissen für das Erwachen aus dem schönen Traum fungiert, sowie Pablo Casals' "Gesang der Vögel". Letzterer ist eine Volksliedadaption, die der Cellist und Humanist Casals um 1940 als Protest und Hoffnungszeichen gegen den Diktator Franco in seine Exilkonzerte einbaute.

Gabetta spielt diese Hommage an den Kollegen fast allein, begleitet einzig von der Cellogruppe des Orchesters. Schön, dass sie dem kleinen Stück die Würde lässt, keine Schmonzette daraus macht. Probaterweise ist eine CD mit dem "Gesang" erschienen, die man draußen im Foyer erwerben kann, Gabetta lädt auch zur "Signierstunde nach dem Konzert" - die eigentliche Arbeit steht ihr also noch bevor. Aber man sieht sie später fröhlich mit der Kundschaft plauschen. "Sol" heißt schließlich "Sonne".

Elegien hört man aber keine mehr an diesem Abend, Dirigent Giovanni Antonini und das Kammerorchester Basel komplettieren das Programm mit Beethoven. Man hört sofort das Engagement und die Vertrautheit mit dem Stoff (weil schon seit längerem CD-Aufnahmen der neun Sinfonien unter Antoninis Anleitung entstehen). In der Funken schlagenden "Prometheus"-Ouvertüre haben schon die ersten Tutti-Schläge messerscharfe Umrisse. Viel Feuer, wenig Rauch. Und in der vierten Sinfonie besticht von Anfang an der gestische Charakter der Musik.

Mit detektivischer Genauigkeit

Die Einleitung zum ersten Satz ist wie ein Anschleichen auf Zehenspitzen, ein allmähliches und vorsichtiges Näherkommen, ausgehorcht mit detektivischer Genauigkeit. Dann ist es mit der Ruhe allerdings vorbei, denn Antonini treibt das klein besetzte, teilweise auf alten Instrumenten spielende Orchester unerbittlich an. Sein Blick auf diese Sinfonie wird immer schärfer, schließlich steckt er gar die Brille weg - wenn auch wahrscheinlich nur, weil sie beschlagen ist von der Emphase ihres Trägers.

Der Bewegungsdrang setzt sich selbst ins Adagio fort, das einen ungewöhnlich hohen Ruhepuls besitzt. Bevor das bestens präparierte Baseler Orchester locker wegsteckt, wie im Scherzo beim Konzertmeister die Saite reißt. Was ist das schon gegen die Widerstände, die ein Beethoven zu meistern hatte.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 21.10.2014
  • Drucken
  • Senden
 
 
TICKER

Das Wetter in der Metropolregion

Mannheim - Prognose für 9 Uhr

24°

Das Wetter am 26.7.2016 in Mannheim: sonnig
MIN. 19°
MAX. 29°
 

 

Kulturvision Rhein-Neckar

Kulturvision Rhein-Neckar

Vertreter aus Politik und Wirtschaft um Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz haben die Kulturvision Rhein-Neckar 2025 präsentiert. Mit drei Zielen: Stärkung der gesellschaftlichen, künstlerischen und überregionalen Wirkung der Kultur im Drei-Ländereck Baden-Hessen-Pfalz.

Laden Sie hier Dokumente zum Thema herunter:

 
 

Download

Spielzeitheft des Nationaltheaters

Welche Aufführungen bringen die Sparten des Nationaltheaters Mannheim in der Spielzeit 2015/2016 auf die Bühne? Erfahren Sie mehr im Spielzeitheft des NTM. (PDF). [mehr]

Kultur regional

Ballettchef Kevin O’Day bedankt sich bei Fans

Mannheim. Nach 14 Jahren verlässt Ballettintendant Kevin O' Day zum Ende der Spielzeit das Nationaltheater. Als Abschiedsgeschenk zeigt er einen Querschnitt seiner Arbeiten unter dem Titel "Farewel!!". Im Interview spricht er darüber und über seine nicht immer unproblematische Zeit in Mannheim. [mehr]

Dan Ettingers Finale

Ein empfindsamer Charismatiker

Mannheims Generalmusikdirektor Dan Ettinger hat mit Say und Strauss sein letztes Akademiekonzert dirigiert. Nach sechs Jahren scheidet er - Zeit für eine bilanzierende kritische Betrachtung. [mehr]

Nationaltheater

Interview zum Mehrintendantenmodell

Statt eines Generalintendanten leiten im „Mannheimer Modell" fünf Intendanten das Nationaltheater. Das Mehrintendantenkonstrukt ging gegen einige Widerstände und mit knapper Mehrheit durch den Gemeinderat. Wir sprachen mit Oberbürgermeister Peter Kurz und Kulturdezernent Michael Grötsch darüber. [mehr]

Interview mit neuem Generalmusikdirektor

„Vertraut dem universellen Aspekt von Kunst!“

Die Tinte ist trocken, der Vertrag unterzeichnet: Alexander Soddy (32) soll Herbst 2016 fünf Jahre GMD sein. Im persönlichen Gespräch erleben wir einen jungen, adretten und dynamischen Engländer, der exzellent Deutsch spricht… [mehr]

Neue NTM-Saison

Fragen zum neuen Opernspielplan

Das Nationaltheater Mannheim wird in der Spielzeit 16/17 mit 35 Premieren sowie insgesamt 55 Wiederaufnahmen in seine 238. Spielzeit starten. Das Intendantenteam stellte jetzt das neue Programm vor - ein Gespräch über den Spielplan Musiktheater mit dem neuen Opernintendanten Albrecht Puhlmann. [mehr]

Serie Künstlerhäuser (mit Fotostrecke)

Atelier in den Weinbergen

Max und Emil trinken Tee - auf einem Schrank. Der hatte einst dem Impressionisten Max Slevogt (1868-1932) gehört. Und die Szene kein Geringerer als der große böhmische Künstler Emil Orlik gemalt. Auf dem Slevogthof in Leinsweiler ruhen sich die beiden Freunde so noch immer nach einer Wanderung aus… [mehr]

Bayreuther Pausengeflüster

Und da soll Katharina Wagner vor dem "Parsifal" noch gesagt haben, von Uwe Eric Laufenbergs Regie solle man nicht allzu viel erwarten. Schon im ersten Aufzug bereisen wir das Universum. Zu Wagners "Zum Raum wird hier die Zeit"-Musik fahren wir aus einer zerbombten kleinen Kirche in Telkef bei Mosul… [mehr]

Veranstaltungen

Veranstaltungen SUCHEN

Partys, Ausstellungen, Weinfeste und Sport-Events. Unsere Veranstaltungsdatenbank weiß, was im Rhein-Neckar-Dreieck passiert.

 

Veranstaltungen MELDEN

Sie möchten uns Ihre Veranstaltung melden, schicken Sie uns eine E-Mail:

Kontakt zur Kulturredaktion

Telefon (11.30-15.30 Uhr): 0621/392-1343
Fax:  0621/392-1366
 

Schreiben Sie uns eine E-Mail!

 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR