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Kunst: Eine Installation von Zimoun und Hannes Zweifel aus vielen Pappkartons im Mannheimer Kunstverein wird zu einer neuen Erfahrung

Es kratzt und schabt, es wogt und rumpelt

Archiv-Artikel vom Samstag, den 09.08.2014

Von unserer Mitarbeiterin Christel Heybrock

Atmendes, knisterndes, bumperndes Raumgebilde von Zimoun und Zweifel.

© KV

Zunächst sieht alles ja ganz harmlos und überschaubar aus. Im Foyer liegen ein paar große Kartons herum, das kann schon mal vorkommen. Nur dass aus der Ausstellungshalle seltsame Geräusche herüberdringen, irgendwie so, als sei ein urzeitlicher Gigant in Atemnot geraten. Und dann steht man da, in der Halle schwebt einem eine Decke aus Kartons überm Kopf, und die bewegen sich auch noch dauernd, als wären sie Teil eines Organismus. Sie wackeln, stoßen aneinander, dabei kratzt und schabt und rumpelt es, und die Geräusche verstärken sich unversehens, weil hohle Kartons reinste Resonanzkörper abgeben.

Richtig schön ist der Eindruck von oben, von der Galerie aus. Da hat man die Kartons nicht überm Kopf, sondern guckt ein bisschen auf sie herab, sie hängen ja fast in Griffnähe. Das wogende Meer aus brauner Pappe - toll. Aber was so simpel und zugleich atemraubend aussieht, ist einerseits Ergebnis einer unglaublich präzisen Arbeit, andererseits Teil eines erfindungsreichen künstlerischen Lebenswerks des 1977 geborenen Schweizers Zimoun, der weltweit schon Riesenräume mit wogenden zerknüllten Papieren, Plastiktüten, Wattebällchen und entsprechenden Geräuschen gefüllt hat.

Aus einer bestimmten Anzahl medizinischer Infusionsflaschen ließ er in genau festgelegten Abständen Flüssigkeit auf heiße Metallplatten tropfen - zisch - und die Fleckmuster verdampfter Restbestände wuchsen auf den Platten ... eine Installation, bei der sich Boden und Decke, zeitlicher und akustischer Rhythmus zu perfekter Einheit verbanden. Zimoun ist ein publikumsscheuer Tüftler, der keine Interviews gibt, weil er nur durch seine Arbeit "sprechen" möchte, und Mannheim ist da nur eine Installation von vielen.

Aber auch etwas Besonderes, denn Zimoun arbeitete hier mit dem Schweizer Architekten Hannes Zweifel zusammen und entwickelte ein Konzept, das sich akkurat auf die Maße der Ausstellungshalle bezieht. Das wird einem oben auf der Galerie am ehesten bewusst, weil man hier sieht, wie die Größe der Kartons (die vor Ort im Format 70 x 70 x 70 cm von der Firma Rack & Schuck gefertigt wurden) das Deckenraster des Pavillons nachvollzieht. Die Ausstellungshalle wird da zum atmenden, knisternden, bumpernden Raumgebilde und einer völlig neuen Erfahrung.

Dass es keinen Katalog gibt, der das Ereignis dokumentiert, lässt sich verschmerzen, weil derzeit ein Video erstellt wird, das später auch auf Zimouns Homepage im Internet zu sehen ist. Wer sich dort hineinklickt, kommt jetzt schon aus dem Staunen kaum heraus, die serielle Anordnung kleiner beweglicher Objekte lässt Riesenräume zu atemberaubend unwirklichen Organismen werden.

Mit Zimouns Installation hat der Kunstverein mit der Frankfurter Gastkuratorin Hortense Pisano eine Reihe von Ausstellungen zum Thema visueller und akustischer Kunstkonzepte gestartet. Man darf gespannt sein, wie und mit wem das Projekt fortgesetzt werden kann.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 09.08.2014
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