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Klassik: Thomas Quasthoffs Wettbewerb „Das Lied“ erfüllt in Heidelberg hochgesteckte Erwartungen

Glanzvolle Bariton-Stimmen

Archiv-Artikel vom Montag, den 06.03.2017

Von unserem Mitarbeiter Eckhard Britsch

Die Preisträger und Jury-Mitglieder (linkes Foto, v. l.): Jóhann Kristinsson, Victoria Guerrero, Anna Anstett, Richard Stokes, Charlotte Lehmann, Brigitte Fassbaender, Bernarda Fink, Thomas Quasthoff, Samuel Hasselhorn, Helga Machreich, Clara Osowski, Dominique Meyer, Dame Felicity Lott, John Gilhooly, André Baleìro und Modestas Sedlevicius. Rechts oben: Hauptgewinner Samuel Hasselhorn. Unten: Thomas Quasthoff gratuliert André Baleiro zum Förderpreis.

© Walz

Handelte es sich um eine Sportveranstaltung, würde von einem Sieg des Favoriten, oder zumindest eines Mitfavoriten gesprochen. Doch die Kunst bemisst sich nicht nach Metern oder Toren oder Zehntelsekunden, zumal eine so diffizile Ausformung wie der Liedgesang. Dort spielen viele Parameter eine Rolle, wie Sitz der Stimme, Gestaltung einer Phrase, kluger Einsatz von Klangfarben für emotionale Inhalte, intelligente Text-Durchdringung, persönliche Ausstrahlung, aber auch subjektives Empfinden von Hörern -und nicht zuletzt die Jury.

Prominent besetzte Jury

Die war exzellent besetzt beim "International Song Competition Das Lied", ein hochrangiger Wettbewerb um das Deutsche Kunstlied. Der allseits verehrte Bass-Bariton Thomas Quasthoff hat ihn in zweijährigem Rhythmus gegründet. Die vierte Auflage siedelte jetzt von Berlin nach Heidelberg über, wo "Das Lied" unter der organisatorischen Obhut des Heidelberger Frühlings eine neue, hoffentlich bleibende Heimat findet. Denn Heidelberg darf nach Geschichte und Gegenwart als Kompetenzzentrum dieser Kunstform gelten, aktuell sind Lied-Akademie und Lied-Lab Initiativen der Frühlings-Macher, die jetzt durch den "Song Competition" zusätzlich aufgewertet werden und die Internationalität von Stadt und Festival unterstreichen. Also alle zufrieden? Thomas Quasthoff scheint sich hier wohl zu fühlen, Frühlings-Intendant Thorsten Schmidt kann einen gewissen Stolz nicht verbergen, die Zuhörer sind begeistert.

Die Preisträger

Bariton Samuel Hasselhorn (Deutschland) erhält den Hauptpreis in Höhe von 15 000 Euro, ausgelobt von der Lautenschläger-Stiftung.

Mezzosopranistin Clara Osowski (USA), zweiter Preis: 7500 Euro.

Bariton Jóhann Krìstìnsson (Island), dritter Preis: 5000 Euro.

Pianistenpreise für Anna Anstett (Ukraine), Begleiterin von Modestas Sedlevicius, und Victoria Guerrero (Spanien), Begleiterin von Tenor Julian Habermann, je 2500 Euro.

Förderpreise gehen an die Baritone André Baleìro (Portugal) und Modestas Sedlevicius (Litauen), sie erhalten je 1250 Euro.

Der Publikumspreis in Höhe von 5000 Euro, anonym gespendet, geht nach knapper Punktewertung an Jóhann Krìstìnsson.

Preisträgerkonzert: am Sonntag, 9. April, 11 Uhr, Stadthalle Heidelberg. Thomas Quasthoff und Justus Zeyen (Klavier) präsentieren am Tag zuvor, 8. April, um 17 Uhr, im Theater Heidelberg "Melodramen". BE

Im Alten Saal des Theaters ist die Spannung beim zahlreichen Publikum groß, die Anspannung bei den 26 Duos aus aller Herren Länder - nach einer Vorauswahl aus über 100 Bewerbern - noch größer, als am Mittwoch und Donnerstag der erste Durchgang absolviert wird. Das jeweils eingereichte Repertoire umfasst 30 Lieder von Schubert, Schumann und Wolfgang Rihm, die Jury gibt davon zwei vor, eines wählen die Teilnehmer nach Gusto. 15 Sopranistinnen, drei Mezzospranistinnen, zwei Tenöre und sechs Baritone gehen an den Start, erste Favoriten bilden sich heraus.

In die zweite Rundes am Freitag schaffen es fünf Soprane, drei Mezzos, ein Tenor und vier Baritone, sie präsentieren jeweils fünf Lieder, drei davon Jury-Vorgaben; das Finale am Samstag in der Stadthalle erreichen die Baritone, der Tenor, ein Sopran und ein Mezzo, sie tragen sechs Lieder eigener Wahl vor.

Was ist los mit den Frauen, sonst bei Gesangswettbewerben oft die Abräumer? Schon im Theater fällt auf, dass Sängerinnen in den Spitzen zuweilen übersteuern, als ob sie zu viel auf einmal wollten und Opfer eigener Erwartungen würden. Die Sänger wirken meist stabiler. Gut, sie haben es in Sachen Garderobe leichter: Männer sind mit Anzug und offenem Hemdkragen gut dabei, Frauen wollen auch über Kleid und Frisur punkten. In dieser Kategorie gewinnt eindeutig die Teilnehmerin aus China, schön und elegant und gezielt sicher im Auftritt. Das Finale erreicht sie dennoch nicht. Manche hingegen scheinen Wettbewerbstypen zu sein. Die spätere Preisträgerin Clara Osowski beispielsweise steigert sich, im Finale ist es pure Freude, ihr zuzuhören. Dort schlägt hauptsächlich die Stunde der Baritone, sie zeigen unterschiedliche Nuancen und Ausstrahlung, doch auf bewundernswertem Niveau. Die Umstellung auf andere Raumbedingungen in der Stadthalle indes scheint keinen/keine der Finalisten zu beeinträchtigen.

Zweifelsfreie Entscheidung

Die Juroren um Thomas Quasthoff - Bernarda Fink, Brigitte Fassbaender, Dame Felicity Lott, Charlotte Lehmann, Professor Richard Stokes, Künstleragentin Helga Machreich, die Intendanten Dominique Meyer (Wiener Staatsoper) und John Gilhooly (Wigmore Hall London) - haben eine zweifelsfreie Entscheidung getroffen, auch wenn manche Hörer für die Zwischenrunde noch andere Namen favorisierten. Dem 26-jähigen Sieger Samuel Hasselhorn winken neben dem Preisgeld mehrere Konzertauftritte unter anderem in London, Madrid und Heidelberg. Er studierte in Hannover, absolvierte viele Meisterkurse und Wettbewerbe. Die Finalisten gehören zur Nachwuchs-Crème des Genres und haben viel Bekanntes und weniger Geläufiges von Schubert, Schumann und Rihm ins Bewusstsein gerückt.

© Mannheimer Morgen, Montag, 06.03.2017
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