DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Dienstag, 28.02.2017

Suchformular
 
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • Drucken

Enjoy Jazz:

Klangwunder im Dom

Archiv-Artikel vom Samstag, den 04.10.2014

Das Hilliard-Ensemble verabschiedete sich aus Speyer mit einem beeindruckenden Konzert im Kaiserdom. Ein Highlight des Festivals „Enjoy Jazz“, das die Besucher berührte.

© Rinderspacher

Speyer. Touristenströme wälzen sich durch die Hauptstraße. In den zahlreichen Straßencafes herrscht an diesem Spätsommertag Hochbetrieb. Überall brodelt das Leben. Doch am Ende der Hauptstraße empfängt den Besucher des Speyerer Kaiserdoms kühle Schwere - erst einmal tief ausatmen. Loslassen. Den Puls beruhigen. Die Ohren neu ausrichten. Dann kann es beginnen: das Konzert mit dem Saxofonisten Jan Garbarek und dem vierköpfigen Hilliard-Ensemble.

Auch im Dom herrscht drangvolle Enge. Das vorletzte Konzert, das die Sänger vor ihrem endgültigen Abschied in Speyer geben, ist ausverkauft. Doch in den Bank- und Stuhlreihen in Mittelschiff und Längsschiffen herrscht konzentrierte Aufmerksamkeit. Die Sinne sind gebannt von Anfang an. Vor dem Altar steht nur Jan Garbarek. Einsam schickt er einige Töne ins Gewölbe, Klänge, die sich in der hallenden Akustik überlagern, ineinander fließen und gegenseitig umschlingen.

Allmählich sind menschliche Stimmen zu vernehmen. Von allen Seiten her nähern sich die Sänger dem Altar, der Klang verdichtet sich. Das Ensemble ist komplett. Solche Raumwirkungen nutzen die Sänger und der Saxofonist im Verlauf dieses Konzerts häufiger. Das Auseinanderstreben und die anschließende Wiedervereinigung, der Wechsel von Nähe und Distanz ergeben in diesem besonderen Konzertsaal faszinierende Effekte.

Weiteres Konzert im November

Das Hilliard Ensemble und Jan Garbarek treten noch einmal im Speyerer Dom am 17. November, 20 Uhr, im Rahmen des "Enjoy Jazz"-Festivals auf.

Das Hilliard Ensemble bietet zum Abschluss seiner Konzerttätigkeit mehr als 40 Jahre nach der Gründung einen Querschnitt durchs Repertoire: mittelalterliche Litaneien und Madrigale, kontrastiert mit zeitgenössischen Gesängen, traditionelles Liedgut aus Frankreich, Spanien und Armenien mit größtenteils spirituellen Bezügen. Das Konzert selbst folgt einer sogleich einleuchtenden Dramaturgie, die an den liturgischen Ablauf einer Heiligen Messe erinnert.

Von jeglichem Zwischenapplaus ungestört, vollzieht sich ein kunstvolles Ritual, an dessen Ernsthaftigkeit diese vier Sänger keinen Zweifel aufkommen lassen. Ausdruck, Mimik, Präzision künden von tiefer Hingabe an die Lieder und Weisen früherer Jahrhunderte. Das wirkt fast zärtlich, aber stets demütig. Es sind Gesänge, die mal aus öden Eiswüsten, mal aus blühenden Oasen zu stammen scheinen.

Diese Musik evoziert Bilder. Bilder von kargen Mönchszellen, von staubigen Pilgerwegen und asketischen Mahlzeiten. Manchmal bieten diese Harmonien nicht mehr als das Versprechen nach einem Kanten Brot und einem Krug kalten Wassers. Manchmal aber auch die Hoffnung auf Überfülle durch eine gnädige Kraft.

Den A-Cappella-Gesang malt Garbarek mit kaskadisch flutenden, weichen Klangfarben aus, die die kalten Sandsteingemäuer des Domes umschmeicheln, durch den weiten Raum schwingen und jeden Punkt zu berühren scheinen. Was die Zusammenarbeit zwischen den Sängern und dem Saxofonisten so faszinierend macht, ist die Erweiterung des Alten, ohne es dem Neuen zu opfern: Garbareks Improvisationen würdigen die Tradition, stellen sie aber in ein perspektivisch erweitertes Spektrum. Ein Konzert, das zwar Bestandteil des Festivals "Enjoy Jazz" ist, das aber genauso gut zu den Schwetzinger Festspielen - von denen sich das Hilliard Ensemble bereits im Sommer verabschiedet hatte - gepasst hätte.

Am Ende streben Sänger und Saxofonist wieder auseinander, um sich abermals am Altar neu zu finden und schließlich gemeinsam von der Bühne abzutreten. Man kann ein solches Konzert als pures Klangwunder erleben. Man kann es aber auch meditierend nachvollziehen. Aus einem solchen Konzert geht man, so oder so, anders heraus, als man hineingegangen ist. Und selbst abgebrühte Seelen lassen sich von dieser Musik erweichen - und sei es auch nur im Gefühl der Schwermut darüber, dass dieses legendäre Ensemble in diesem Jahr endgültig von der Bühne abtreten wird. 

Samstag, 04.10.2014
  • Drucken
 
 
TICKER

Das Wetter in der Metropolregion

Mannheim - Prognose für 0 Uhr

Das Wetter am 28.2.2017 in Mannheim: Regen
MIN. 6°
MAX. 10°
 

 

Kulturvision Rhein-Neckar

Kulturvision Rhein-Neckar

Vertreter aus Politik und Wirtschaft um Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz haben die Kulturvision Rhein-Neckar 2025 präsentiert. Mit drei Zielen: Stärkung der gesellschaftlichen, künstlerischen und überregionalen Wirkung der Kultur im Drei-Ländereck Baden-Hessen-Pfalz.

Laden Sie hier Dokumente zum Thema herunter:

 
 

Fotostrecke

Jubiläum: 60 Jahre NTM

Das Mannheimer Nationaltheater am Goetheplatz feiert in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag. [mehr]

Theatermagazin des Nationaltheaters

Theatermagazin

Welche Produktionen stehen diesen Monat auf dem Spielplan und was passiert hinter den Kulissen? Erfahren Sie mehr im Theatermagazin des NTM.

Serie Künstlerhäuser (mit Fotostrecke)

Atelier in den Weinbergen

Max und Emil trinken Tee - auf einem Schrank. Der hatte einst dem Impressionisten Max Slevogt (1868-1932) gehört. Und die Szene kein Geringerer als der große böhmische Künstler Emil Orlik gemalt. Auf dem Slevogthof in Leinsweiler ruhen sich die beiden Freunde so noch immer nach einer Wanderung aus… [mehr]

Veranstaltungen

Veranstaltungen SUCHEN

Partys, Ausstellungen, Weinfeste und Sport-Events. Unsere Veranstaltungsdatenbank weiß, was im Rhein-Neckar-Dreieck passiert.

 

Veranstaltungen MELDEN

Sie möchten uns Ihre Veranstaltung melden, schicken Sie uns eine E-Mail:

Kontakt zur Kulturredaktion

Telefon (11.30-15.30 Uhr): 0621/392-1343
Fax:  0621/392-1366
 

Schreiben Sie uns eine E-Mail!

 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR