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Hintergrund: Der Mannheimer Mario Früh ist Geschäftsführer der Büchergilde Gutenberg, die Buchgemeinschaft und Verlag vereint

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Von unserer Mitarbeiterin akj

Bücherrücken sorgen für Entzücken: Mario Früh vor einer Regalwand.

© Jeschke

Bücherrücken sorgen für Entzücken: Mario Früh vor einem Regal mit Publikationen der Büchergilde.

© Jeschke

Mario Früh hält einen seiner Schätze in der Hand. Ein Buch, fest gebunden, mit auffällig gestaltetem Titel: "Der Krieg mit den Molchen" von Karel Capek. Ein Werk von 1936. "Zeitlos", findet Früh, "in Zeiten des Populismus hochaktuell". Der 65-Jährige ist Geschäftsführer der Büchergilde Gutenberg, die ihren Sitz in Frankfurt am Main hat. Der Chef aber pendelt, er ist Mannheimer.

Er blättert durch die Seiten, durch diesen "Stilmix, der doch zusammenpasst". Die Schriftarten und ihre Größen variieren, moderne Bilder illustrieren die Geschichte, die die Verhältnisse vor dem Zweiten Weltkrieg parodiert. Ihre besondere Gestaltung macht viele Werke der Büchergilde aus: kunstvolle Einbände, sorgfältig ausgewählte Illustrationen. Eine Regalwand in der Buchhandlung Bender in den Mannheimer Quadraten - eine der Partnerbuchhandlungen der Buchgemeinschaft - zeugt davon.

Die Büchergilde hat Tradition und eine bewegte Geschichte, Buchdrucker gründeten sie schon 1924 in Leipzig. Seit eineinhalb Jahren geht sie neue Wege: als Genossenschaft. Seitdem können Buchliebhaber auch Miteigentümer werden. In wirtschaftlich schweren Zeiten "eine Entscheidung zur Zukunftssicherung - und um unabhängig bleiben zu können", sagt Früh.

Die Büchergilde und ihr Genossenschaftsmodell

Ein Genossenschaftsanteil kostet 500 Euro. Der Betrag kann einmalig oder in Monatsraten bezahlt werden. Jeder Genosse hat eine Stimme bei der Generalvollversammlung.

Nach Angaben von Geschäftsführer Mario Früh ist der jüngste Genosse sechs Jahre alt, die älteste Genossin 101 Jahre.

Die Büchergilde ist nicht nur eine Buchgemeinschaft, zu ihr gehört auch der Programmverlag Edition Büchergilde.

Die Büchergilde hat 22 Mitarbeiter. Partnerbuchhandlungen gibt es in über 80 Städten. Sie liegen überwiegend in Deutschland, aber es gibt auch einzelne in Belgien, Österreich und der Schweiz.

Wer ein Buch der Büchergilde kaufen möchte, muss Mitglied sein. Anders ist es bei nicht preisgebundenen Artikeln wie zum Beispiel Kalendern.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter: buechergilde.de.

Ein Artikel pro Quartal

Rund 60 000 Mitglieder zählt die Buchgemeinschaft aktuell, sie verpflichten sich, mindestens einen Artikel pro Quartal zu kaufen. Eine Sicherheit, die der Büchergilde Spielraum gibt - und dafür sorgt, dass die Werke trotz ihrer oftmals besonderen Aufmachung günstiger sind als die Originalausgaben. Denn die Büchergilde kauft Lizenzen von anderen Verlagen und gibt die Werke in kleiner Auflage und besonderer Aufmachung heraus. Populäres Beispiel: Wolfgang Herrndorfs Roman "Tschick" - mit Illustrationen von Laura Olschok, mit Rundumfarbschnitt und Fadenheftung.

Aber die Büchergilde verlegt auch neue, eigene Produkte, ist immer auf der Suche nach jungen Illustratoren. "Wir geben den Künstlern größtmögliche Freiheit", sagt Früh. Bei dieser Arbeit - mit Textebene und Bildsprache - entstehe ein Spannungsverhältnis, das ihm sehr viel Spaß mache. Zum Verlegen, findet Früh, gehöre Mut.

"Unsere Mitglieder verstehen sich nicht als Konsumenten, sondern wirklich als Teil einer Gemeinschaft", glaubt er. Hinzu kommen etwas mehr als 1000 Genossen, denen Anteile gehören. Geht es nach dem Chef, sollen es mehr werden.

Ein Modell, das "an sich nicht schlecht ist", urteilt Roland Reuß, Professor am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg. Für ihn hängt Erfolg oder Misserfolg auf dem Markt jedoch viel stärker an Personen als an der Geschäftsform: an Verlagsköpfen, an Buchhändlern.

Früh jedenfalls nennt den Wandel zur Genossenschaft "eine absolut gute Idee": Er sei überrascht, wie viele bereit sind, sich zu engagieren. Hinzu kämen mutmachende Erlebnisse: junge Leute, die bei den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt die Büchergilde entdeckten: Ein schön aufgemachtes, ein handwerklich gut gemachtes Buch finde Widerhall, beobachtet Früh. "Trotz E-Reader, trotz Internet." Vielleicht auch gerade deswegen.

In den Augen von Randolf Dieckmann ist das gar nicht so verwunderlich: Für den Studiendekan Buchhandel/Verlagswirtschaft an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig ist es "ein Segment, das es immer geben wird". Gefährdet von der digitalen Konkurrenz sind seiner Meinung nach "die Bestseller im Taschenbuchformat, die schnell weggelesen sind". Schöne Bücher aber, sagt er, die bleiben. Mario Früh sieht das Internet "als Verleger entspannt - als mündiger Bürger allerdings nicht".

Nach der Schule machte der gebürtige Mannheimer eine kaufmännische Lehre, holte anschließend das Abitur nach. Er studierte Germanistik und Philosophie in Heidelberg, startete dann im Marketing eines Darmstädter Wissenschaftsverlags. "Über Nacht" kam das Angebot, dort Cheflektor zu werden. Später kontaktierte ihn ein Headhunter: Früh wurde zunächst Cheflektor der Büchergilde. "Es hat sich einfach so ergeben", sagt der 65-Jährige heute. Auch, dass er 1998 beim sogenannten Management-Buy-out Geschäftsführer wurde. Er habe sich verantwortlich gefühlt. Die Büchergilde ist sein Baby - genau wie jedes Buch, das dort erscheint. Aber Früh ist ehrlich: "Es kostet viel Kraft."

Er zieht ein weiteres Buch aus dem Regal: "Foc/Feuer". Ein leises Werk, in dem ein junger Mann die Kriegserinnerungen seines Großvaters illustriert. Schlichte Zeichnungen: ohne Farbe und viele Worte - aber mit großer Wirkung.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 12.01.2017
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