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Das Interview: Bassist Malte Huck von der Band Annenmaykantereit über das Gefühl, die nächste große Nachwuchsband zu sein

„Leute mögen, was wir machen“

Archiv-Artikel vom Freitag, den 18.03.2016

Von unserem Redaktionsmitglied Jörg-Peter Klotz

Die Band der Stunde (von links): Christopher Annen (Gitarre, Mundharmonika), Henning May (Gesang, Klavier u.a.), unser Interviewpartner Malte Huck (Bass) und Severin Kantereit (Schlagzeug).

© Raclet

Seit Wir sind Helden 2002 hat keine Band mehr so elektrisiert, ohne überhaupt ein Album veröffentlicht zu haben: Das ändert die Kölner Annenmaykantereit heute mit "Alles nix Konkretes", auf dem sich zwölf Rock-Chansons finden, die Tiefgang mit Tanzbarkeit vereinen. Mit Texten, für die sich auch der oft offen zitierte Rio Reiser nicht schämen würde - und dem jungenhaften Sänger Henning May, der wie ein whiskygegerbter Seebär klingt. Wir sprachen mit Bassist Malte Huck.

Herr Huck, wie fühlt es sich an, schon seit Monaten das "nächste große Ding" zu sein?

Malte Huck: Ich glaube, um sich so zu fühlen, müsste man sich erstmal so definieren. Das so anzunehmen, fällt uns eher schwer. Wir wissen schon, dass da zurzeit eine unglaubliche Aufmerksamkeit kommt und die Leute mögen, was wir machen. Aber das bringt uns nicht dazu, zu denken, dass wir gerade die wichtigste und tollste Band überhaupt wären. Wir sind zufrieden mit dem Album und haben es bis hierhin gut gemacht. Aber das besticht noch nicht durch Langfristigkeit. Und das ist uns wichtig - eine Band zu sein, über die man noch in zehn Jahren sagt: Die machen coole Sachen.

Annenmaykantereit

Zur Person: Malte Huck wurde am 12. Dezember 1993 in Troisdorf geboren und wuchs in Hennef auf. In der ersten Band wechselte er von der Gitarre zum Bass. Nach dem Abitur ging Huck länger ins Ausland, vier Monate nach seiner Rückkehr, im August 2014, wurde er Bassist bei Annenmaykantereit.

Zur Band: Christopher Annen (25, Gitarre, Mundharmonika), Henning May (24, Gesang, Klavier), und Severin Kantereit (23, Schlagzeug), aus deren Nachnamen sich Annenmaykantereit zusammensetzt, fanden 2011 am Schiller-Gymnasium in Köln-Sülz zusammen. Sie machten erfolgreich Straßenmusik, produzierten 2013 eine erste Platte ("AMK") in Eigenregie, feierten auf Youtube Erfolge und organisierten selbst mehrere Club-Tourneen. jpk

Die Platte erscheint beim Branchenriesen Universal. Man könnte sich vorstellen, dass es darum eine Art Wettbieten gab...

Huck: Ich selbst war bei den Verhandlungen nicht dabei, weil ich noch nicht so lange festes Bandmitglied bin. Aber ich kenne die Geschichte. Es gab viele, die interessiert waren. Aber da ging es nie darum, Labels gegeneinander auszuspielen. Die Band hat einfach gesagt: "Guckt Euch an, was wir machen. Das ist erfolgreich, ohne dass wir irgendeine Hilfe haben. Ihr könnt mitmachen oder nicht." Irgendwann war klar: Das ist ein Partner, mit dem wir auf Augenhöhe arbeiten können und der uns neue Möglichkeiten zur Verfügung stellt, ohne dass wir uns ein Image aufdrücken lassen müssten. Denn wir haben ja schon das fertige "Produkt". Zum Glück brauchen wir also keine Erwartungen zu erfüllen oder eine vertraglich festgeschriebene Verkaufszahl erreichen.

Das klingt alles sehr bodenständig. Dazu passt, dass Ihre Band sich live nachhaltig hochgedient hat - und auch hier in der Region lieber ausverkaufte Club-Shows gespielt hat, als längst mehr möglich war.

Huck: Schön, dass Ihnen das auffällt: Das Nachhaltige ist unsere Maxime.

Hat das überall so gut funktioniert wie im Rhein-Neckar-Raum?

Huck: Wir haben versucht, das überall so zu praktizieren und deshalb so viele Konzerte wie möglich gespielt. Über 100 im Jahr 2015. Aber zu Mannheim gibt es schon viele Verbindungen. Ich habe Freunde an der Popakademie und bin immer gerne in der Stadt. Der krasseste Auftritt war in der Heidelberger Halle 02, weil der Sound uns weggeblasen hat. Auch die Alte Feuerwache fand ich toll, weil man einfach über die Brücke laufen kann und mittendrin ist.

Sie selbst sind in einer merkwürdigen Situation - als spätberufenes Mitglied einer straßenmusikgestählten Ex-Schülerband, die wie die drei Gründer heißt. Wollen Sie die Band irgendwann in Annenmaykantereithuck umbenennen?

Huck (lacht): Ich kann die Interpretation nachvollziehen. Wir haben uns kennengelernt, als die Jungs noch viel Zeit hatten - anderthalb Monate vor dem ersten gemeinsamen Konzert. So konnte ich mich ganz natürlich hineinfinden. Und dass die Band nach den Gründungsmitgliedern heißt, war nie ein Thema - der Name war eingeführt. Das ist ein Kunstbegriff, der bestehen bleibt - auch, wenn jemand mal die Band verlassen sollte.

Entstehen die Songs im Kollektiv?

Huck: Es gibt da noch kein festes Schema. Das können wir nach dem zweiten Album vielleicht besser beantworten. Das älteste Lied hat Henning allein geschrieben, bevor es Annenmaykantereit gab. Dann gibt es so etwas wie "Pocahontas", dass wir zu viert gemacht haben. Manchmal improvisieren wir auch auf der Bühne und dabei entstehen Sachen.

Wie sehr mussten Sie staunen, als Sie zum ersten Mal eine derart raue, tiefe Stimme aus dem zarten Henning May kommen hörten?

Huck: Tatsächlich ging es mir wie den meisten. Ich habe erst mal ein Lied gehört, "Oft gefragt", glaube ich. Dann stellt man sich als Erstes den Sänger vor - Mitte 30, mit Plauze. Als ich dann das Video gesehen habe, musste ich schlucken - und war extrem fasziniert. Weil er so dünn und voll jung aussieht. Als ich dann mit ihm im Proberaum war, habe ich erst richtig gemerkt, was er für ein Wahnsinnstalent hat.

Wie würden Sie Ihre Band in der deutschen Pophistorie verorten? Rio Reisers Ton Steine Scherben sind ein deutlicher Einfluss, spielt für Kölner Jungs BAP eine Rolle?

Huck: Musikalisch eher weniger. Natürlich kennt man die Bedeutung der Band, aber uns hat eher Wolfgang Niedecken als Figur beeindruckt - wie er mit politischen Themen umgeht und was er alles initiiert hat. Musikalisch gibt es einen klaren gemeinsamen Nenner: die Beatles. Rio Reiser und die Scherben sind wichtig für Henning. Ich bin eher Fan von Radiohead oder The Strokes, Chrissie hört superviel Blues und Severin stärker elektronische Musik.

Paradoxerweise scheint es eine Stärke von Annenmaykantereit zu sein, musikalisch nicht überperfekt klingen zu wollen. Was frisch und authentisch wirkt...

Huck: Sie könnten das auch noch krasser ausdrücken. Wir werden zwar immer besser, aber wir sind weit davon entfernt, unsere Instrumente absolut zu beherrschen. Das klingt dann manchmal krumm und schief oder auch nicht so kompakt, wie wir's gern hätten...

© Mannheimer Morgen, Freitag, 18.03.2016
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