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Klassik: Beim Akademiekonzert heben das Nationaltheaterorchester und Marek Janowski mit Bruckner ab

Musik, die an Gott glauben lässt

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 11.01.2017

Von unserem Redaktionsmitglied Stefan M. Dettlinger

Lassen die Zuschauer im Rosengarten am Ende jubeln: Marek Janowski und das Nationaltheaterorchester.

© Ruffler

Was tut diese Musik eigentlich anderes als der Astrophysiker Stephen Hawking, der, so titelte diese Zeitung noch in der vergangenen Woche, "auf Gottessuche im Weltall" unterwegs ist, indem er versucht, die Entstehung des Universums vom urknallenden Beginn bis in die Zukunft hinein zu erklären? Bruckners "Dritte", vor allem im Es-Dur-hellen Adagio und so, wie Marek Janowski es im Mannheimer Akademiekonzert dirigiert, geht vielleicht auch ein bisschen zwischen uns Menschen und unseren Seelen auf metaphysische Suche. Oft genug aber scheinen Bruckners Klänge wunderlich wie Planeten im All zu schweben und dort um einen großen Fixstern namens Warum zu kreisen.

Warum ist diese Ordnung da oben so perfekt? Warum ist diese kalte Klarheit und schwarze Schönheit so unwiderstehlich?

Ob das alles Zufall ist oder nicht - das gehört zu den großen Fragen der Menschheitsgeschichte. Sicher aber ist hier: Es kann kein Zufall sein, dass das zum Schluss bejubelte Nationaltheaterorchester in diesem Bruckner - und zuvor auch schon in Wagners "Tristan"-Vorspiel und den Wesendonck-Liedern - extrem gut klingt. Und im Grunde kann es ja auch nur an zwei Dingen liegen: Das Orchester ist nach der Übernahme durch Generalmusikdirektor Alexander Soddy extrem gut in Schuss. Und dann steht da heute ein Mann am Pult, für den der Ausnahmezustand Normalfall zu sein scheint.

Das 5. Akademiekonzert

  • Der Zeitpunkt: Am Montag, 6., und Dienstag, 7. März 2017, um jeweils 20 Uhr im Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens.
  • Das Werk: Gustav Mahlers 9. Sinfonie in D-Dur.
  • Die Interpreten: Bertrand de Billy dirigiert das Orchester des Nationaltheaters Mannheim.
  • Die Karten: Informationen und Karten zu 15 bis 47 Euro sind bei der Musikalischen Akademie des Nationaltheaters und in den Kundenforen dieser Zeitung erhältlich: 0621/260 44.

Klingende Architektur

Marek Janowski, 1939 in Warschau geboren und immerhin kurz vor seinem 77. Geburtstag, dirigiert diesen insgesamt doch eher kolossalen Abend nämlich, als sei es das Normalste der Welt, mit solcher Musik auf Gottessuche zu gehen. Er tut so wenig wie möglich, aber immer so viel wie nötig. Einmal überlässt er die Musiker ganz sich selbst und fördert so, dass die sich plötzlich viel besser zuhören. Dann aber setzt er wieder energische Akzente wie ein junger Wilder und türmt titanisch eine Klangschicht auf die andere, setzt Klangsäule neben Klangsäule. Janowski dirigiert streng und ziemlich metrisch, dennoch hat die Musik genügend Luft zum Atmen und Strömen - ein Wunder an Kompaktheit, an Kraft und Durchsichtigkeit.

Mit klingender Architektur wird Bruckners Sinfonik immer wieder verglichen. Das liegt zum einen an der Klarheit der Strukturen, aber auch an einer gewissen Hohlheit seiner Klänge, deren Konsonanz oft von tongeschlechtslosen leeren Quinten und Quarten überdeckt wird. Janowski und dem Nationaltheaterorchester gelingt - trotz des ein paar mal zu oft instabilen Hörnersounds - eine exemplarische Wiedergabe dieser großartigen Klangarchitektur, die hier etwas Großes, Universales bekommt, weil die Logik der klanglichen Kontraste, der Charaktere und atmosphärischen Schwingungen vollkommen überzeugt.

Mit dem liebestödlichen Vorspiel zu Wagners Musikdrama "Tristan und Isolde" begann der Abend bereits beseelt, berührend und mit einiger Tragik, und besonders der Streicherapparat glänzte hierbei bereits mit einer Emphase und Geschmeidigkeit, die unter die Haut gingen. Etwas weniger gelungen standen Wagners fünf Wesendonck-Lieder in der Mitte des sinfonischen Sandwichs, und das lag am Gesang. Marina Prudenskayas Mezzosopran, wieder von einem berückend aufspielenden Orchester begleitet, konnte in den wunderlichen Stücken nicht jenen geheimnisvoll leuchtenden Zauber entfachen, den diese Lieder ausmachen. Zu dunkel und zu amorph, zu schwerfällig und zu undeutlich klang sie über weite Strecken, allenfalls in etwas höheren Lagen - etwa bei "Im Treibhaus" - erreichte sie die Qualität, die sie ja auch in Bayreuth schon als Floßhilde zu Gehör brachte. Zudem stimmte es auch mit der Diktion überhaupt nicht. Bei den Worten der Wagner-Geliebten Mathilde Wesendonck musste man sich im Mozartsaal vor allem auf eines verlassen: das eigene Gedächtnis.

Trotzdem stehen wir am Ende dieses Abends mit Musik von Wagner und Bruckner wie vor einem unerklärlichen Wunder, das - ganz im Sinne Friedrich Nietzsches - die Hässlichkeit der chaotischen und unter Ausbeutung, Terror und Naturzerstörung ächzenden Welt vergessen lässt und all dem klare, reine Gedanken entgegensetzt. Ist es nicht Musik, ist es nicht Kunst, die uns zu dem macht, was wir sind: Menschen einer zivilisierten Kultur? Jubel!

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 11.01.2017
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