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Literatur regional: Turovskis „Polnische Dörfer“ bei Andiamo

Suche nach nationaler Identität

Archiv-Artikel vom Donnerstag, den 08.09.2016

Von unserer Mitarbeiterin Maria Herlo

Mit "Polnische Dörfer" ist Jan Turovski wieder ein eindringliches Buch gelungen, das achte, das im Mannheimer Verlag Andiamo erschienen ist. Auch diesmal folgt der in Bad Godesberg lebende Autor einer subtilen Komposition mit unverkennbarem Sound. In 41 Kapiteln erzählt er die Geschichte des Jan Krzystof Cox, eines Mannes Ende 50, der von Chicago in den beschaulichen Ort Red Oaks zieht, um sich einige ruhige Jahre zu gönnen, aber auch, weil er dem polnischen Viertel der "amerikanischsten Stadt Amerikas" entfliehen will.

Denn Turovskis namensähnlicher Protagonist gehört zur dritten Generation polnischer Einwanderer, die sich zwischen 1870 und 1914 in den Vereinigten Staaten angesiedelt haben. Sein Vater hatte von Polish Downtown erzählt, in das der Großvater nur mit den Kleidern auf dem Leib angekommen war. Im Alter von 25 hat Cox seinen ursprünglichen Namen, Cocowisz, wie einen Ballast abgeworfen, weil er nichts mehr mit Polen zu tun haben wollte.

Erinnerungen an die polnische Exil-Gemeinde quälen ihn wie eine offene Wunde. Cox will nur noch Amerikaner sein und hat sich in der Großstadt "völlig aufgegangen in seiner amerikanischen Nation gefühlt". Denn Amerika hatte ihm "jede Chance geboten und am Ende Reichtum beschert". Um sich und andere von seiner Ur-Ethnie zu überzeugen, zieht er vor dem Haus, das er auf einem Rasenhang in Red Oaks erstanden hat und in dessen Renovierung er sich mit paradiesischem Vergnügen stürzte, an einem Fahnenmast die amerikanische Flagge auf. Red Oaks scheint auch sonst ein Schauplatz der Idylle zu sein, wo "Wind und Gerüche noch eine Seele haben", gleichzeitig erregt jedoch alles, was aus dem Rahmen fällt, spekulativen Verdacht.

Wie durch ein Fernglas

Misstrauisch wird der Einzelgänger Cox beäugt. Oft wird er auf dem Dach seines Hauses gesichtet, wie er durch ein Fernglas die Umgebung belauert. Eines Tages entdeckt Cox dort, eingeritzt in eine hölzerne Dachstütze, das polnische Wort Nareszcie (Endlich). Es löst in ihm einen Schock aus und in der Handlung des Romans eine Spannung, die der Autor durch angedeutete Verbrechen, die vor Jahren begangen wurden, durch gegenwärtige Bluttaten und eine überraschende Affäre zu nähren weiß.

In diesem komplexen Geflecht von Darstellungsebenen, wo auch Fremdenhass und Terror gegen Einwanderer eine Rolle spielen, entfaltet sich die Existenzproblematik des Protagonisten, der zusehends zu seiner alten Identität zurückfindet. Sprachlich gelingt es Turovski, Andeutungen, atmosphärische Feinheiten, Mutmaßungen, Erinnerung und Geschichte so zu gestalten, dass der Leser sich dem Sog des Buches kaum entziehen kann.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 08.09.2016
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