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Geburtstag: Der in Israel geborene Dramatiker und Schriftsteller Joshua Sobol wird heute 75 Jahre alt

Überleben im Schattenreich der Zerstörung

Archiv-Artikel vom Freitag, den 22.08.2014

Von unserem Mitarbeiter Alfred Huber

Joshua Sobol. Bild: dpa

Skandale hat der Dramatiker Joshua Sobol nie gescheut. So ist aus ihm, heute vor 75 Jahren in Israel geboren, ein oft gescholtener Tabubrecher geworden. Stücke wie "Ghetto", das den Holocaust mit Theater, Tanz, Musical und Kabarett vermischt, ernteten in Israel 1984 heftige Vorwürfe. Geschockt war man vor allem darüber, Menschen zu sehen, deren Todesängste durchaus auch Freude, Erotik oder sinnliche Liebe zuließen. Peter Zadeks Inszenierung wenige Monate später an der Berliner Freien Volksbühne verstärkte diesen Eindruck. Obwohl sie nachdrücklich auf unterhaltsame Leichtigkeit und kitschige, sentimentale Effekte setzte, erhielt sie dennoch überraschend viel Lob. Die Fachzeitschrift "Theater heute" wählte "Ghetto" zum besten ausländischen Stück des Jahres.

Mannheimer Trilogie

Mannheims Nationaltheater zeigte das auf eine Trilogie erweiterte Sobol-Stück, bestehend aus "Ghetto", "Adam" und "Untergrund", über das Leben und Sterben der litauischen Juden in Wilna von 1941 bis 1943 während der Spielzeit '92/93. Was sich zwischen Realität und Fiktion, Wirklichkeit und Traum bewegte, erwies sich als ein mutiges, vom Publikum mit Interesse und Sympathie aufgenommenes Unternehmen, dem ein Jahr später Sobols "Auge in Auge" als Uraufführung im Werkhaus folgte.

Nach einem Kibbuz-Aufenthalt von 1957 bis 1965 studierte Sobol in Israel Literatur und Geschichte, später Philosophie an der Sorbonne in Paris. Dort beschäftigte er sich ausgiebig mit dem jüdischen Denker Baruch Spinoza. Für Sobol der Philosoph des 21. Jahrhunderts, weil er einen aufgeklärten, befreiten Menschen verkündet, der die Rechtfertigung seiner Existenz weder von politischen noch religiösen Gruppen abhängig macht.

"Weiningers Nacht" steht am Anfang der internationalen Karriere Sobols. Ein Text über den jüdischen Philosophen und Frauenhasser Otto Weininger, der sich 1903 im Wiener Sterbehaus Beethovens erschoss. Zusammen mit "Ghetto" markiert es zu Beginn der achtziger Jahre eine Zäsur im Schaffen Sobols, der hier erstmals versuchte, die "schwierige Beziehung zwischen Judentum, dem Staat Israel und den Zionismus" darzustellen.

Über fünfzig Stücke hat Sobol inzwischen verfasst. Gemeinsam mit dem Regisseur und Intendanten Dieter Wedel erarbeitete er 2011 für die Nibelungen-Festspiele in Worms als Co-Autor eine neue Fassung des "Jud Süss". Selbst in diesem bunt kostümierten Wirtschaftskrimi um Geld, Macht und Sex, wo die Schrecken sich in Grenzen halten, ist erneut der für Sobol so typische Überlebenswille erkennbar, dessen positive Energien auch im Zeichen des Scheiterns auf eine bessere Welt hoffen lassen. Eine Zuversicht mit Trauerflor.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 22.08.2014
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