Kleider machen Leute - und die Berlinale ist eine einzige große Modenschau. Maria Furtwängler erscheint im blauen Hosenanzug am Roten Teppich; schwarzer Rock, weiße Bluse - ganz "französisch" - tritt Nadeshda Brennicke auf, "Pretty in Pink" ist Jessica Schwarz, und im langen Schwarzen mit transparenter Spitzenoptik stöckelt Sibel Kekilli vorbei. Alle Damen natürlich bewehrt mit waffenscheinpflichtigen High Heels. "Rattenscharf" raunt neben mir der heftig transpirierende Berliner Kollege und lässt sein Handy klicken. Regisseur Rosa von Praunheim schießt wieder den Vogel ab, sein milchig transparenter Mantel sieht wie ein geplatztes Ganzkörperkondom aus und ist mit bunten Blumen verziert. Frau Fonda trägt Pelz, grüßt mit Victory-Zeichen und verrät gut gelaunt, dass sie Wong Kar Wais "The Grandmaster" nicht verstanden hat. Macht nichts, ging vielen so. Unter den schwarzen Jacketts des Security-Personals spannen sich Muskeln - vielleicht ist im Dienstvertrag festgelegt, dass immer eine Nummer kleiner gekauft werden muss -, und die Journaille fröstelt in Parkas, Jeans und ausgelatschten Turnschuhen. Außerdem sind die Bericht erstattenden Herrschaften am Teint zu erkennen: grau, unterlegt mit tiefschwarzen Augenringen. Daran sollte der Hauptsponsor der Festspiele, der Kosmetik-Gigant L'Oréal, bitte mal arbeiten. Gebhard Hölzl