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Eine Droge und die Krone

Von Ilse Hannibal

© dpa

Mit Richard Wagners Musik kam ich schon früh in Berührung. Wir hatten auf dem Malwida-von-Meysebug-Gymnasium in Kassel einen tollen Musikprofessor, der unsere Klasse besonders liebte und uns ab Quarta mit Genehmigung des Direktors zweimal wöchentlich während der großen Pause in der Aula Wagners Musikdramen vorspielte und erklärte.

Es war faszinierend! Entweder man hat keinen Zugang zu Wagners Musik, oder man verfällt ihr - dann ist sie wie eine Droge. Wenn man überlegt, dass Wagner ja nicht nur die Musik schuf. Er war ja auch ein literarischer Mensch; seine riesige Bibliothek ist im Hause Wahnfried in Bayreuth zu besichtigen. Er verfasste selbst die Dichtungen - ich mag hier nicht Libretti sagen - zu seinen Musikdramen, versah die Textbücher mit genauen Regieanweisungen und schenkte uns somit: das Gesamtkunstwerk. Interessant, dass seine "Lichtgestalten" (z.B. Elsa im "Lohengrin" und Elisabeth im "Tannhäuser") die Tonart A-Dur, Bösewichter wie Telramund ("Lohengrin") Fis-Dur bevorzugen.

Musik, sagt Wagner, ist der Atem der Seele. Die besten Eingebungen kamen ihm bei Spaziergängen in freier Natur. Als ich vor Jahren als Vorsitzende des hiesigen Richard-Wagner-Verbands in Tribschen (Schweiz) war, wo Wagners Sohn Siegfried geboren wurde, hat mich das tief beeindruckt. Bekanntlich hat er ja dort seiner Cosima das herrliche Siegfried-Idyll geschenkt zur Geburt des gemeinsamen Sohnes und mit Musikern des Züricher Tonhalleorchesters im Treppenhaus des Tribschener Landhauses uraufgeführt. Ich nehme niemandem übel, wenn er Wagner nicht mag oder keinen Zugang zu seiner Musik findet. Man muss ihn halt begreifen. Ich liebe ja auch Verdi und Puccini, aber Wagner ist für mich die Krone.

Samstag, 26.01.2013
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