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Kommt Zeit, kommt Wagner

Von Frederic Hormuth

© dpa

Mein erstes Mal mit Wagner war "Tristan und Isolde". Und man kann sagen: Das war keine schnelle Nummer. Vier Stunden Musik, bis die Liebenden endlich im Tod vereint sind. Das schaffte 1999 die finnische Band HIM mit ihrem Hit "Join Me in Death" in drei Minuten und 40 Sekunden.

Dennoch war ich begeistert. Vor allem, als ich erfuhr, dass mein damaliger Gesangslehrer dabei zwei Jobs hatte. Einen als Chormitglied im ersten Akt und einen als Statist am Ende. Dazwischen verging jede Menge Zeit, in der die diversen Leitmotive wie sedierte Katzen und Hunde umeinander rumschlichen. So dass er währenddessen immer zwei Stunden Pizza essen gegangen ist.

Großartig: Die Musik schürft in den Tiefen des Seins und Fühlens, und die Künstler kommen zwischendurch mal raus in das Leben und den Alltag, könnten die Steuererklärung machen, eine Familie gründen oder die FDP retten. Der Zuschauer sitzt wie festgenagelt sein Abo und die Subventionen ab, aber in ihm breitet sich Gelassenheit aus, weil er weiß: Wenigstens die Sänger dürfen an die Luft.

Ansonsten gilt für Wagner und mich: Ich hab ihn mir vorgenommen. Fest. Für später, als Rentner. Erst werde ich reisen, und danach dann tief einsteigen in den Wagner, "Hiaha! Hoyotoho!", Sie wissen schon. Ich gehöre ja nicht zur Generation, die vermutet, Wagner habe hemmungslos beim "Herr der Ringe" geklaut. Aber: Einmal im Jahr sehe ich mir an, was die Kanzlerin in Bayreuth als Kleid aufträgt - und mehr Walküre brauche ich nicht. Noch. Geben Sie mir etwas Zeit.

Samstag, 09.02.2013
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