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Krankenhäuser: Experten erwarten ein großes Kliniksterben in den kommenden Jahren / Finanzspritze von 1,1 Millionen Euro

Auf Dauer keine Lösung

Archiv-Artikel vom Montag, den 22.04.2013

Von unserem Korrespondenten Martin Ferber

Mit der Finanzspritze von 1,1 Millionen Euro will die schwarz-gelbe Koalition die jüngsten Tariferhöhungen an Krankenhäusern ausgleichen. Zudem sollen die Kliniken zusätzliches Hygienepersonal einstellen.

© dpa

Berlin. Die von der Bundesregierung in der vergangenen Woche beschlossene zusätzliche "Nothilfe" für Krankenhäuser in Höhe von 1,1 Milliarden Euro für dieses und das kommende Jahr wird nach Ansicht von Experten zahlreichen ums Überleben kämpfenden Kliniken nicht helfen. Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft schreibt voraussichtlich jedes zweite Haus in diesem Jahr rote Zahlen, und die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute prognostizieren, dass jede dritte Klinik langfristig in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten könnte. Während die Personal- und die Betriebskosten seit 2005 um 28 Prozent gewachsen sind, gab es bei den Zuweisungen an die Krankenhäuser lediglich ein Plus von 8,7 Prozent. "Uns steht das Wasser bis zum Hals", klagte jüngst Matthias Einwag, Verbandsdirektor der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft. Die Folge: Vor allem in den ländlichen Räumen wird es in den nächsten Jahren zu einem größeren Kliniksterben kommen.

Ausgleich für Tariferhöhungen

Mit der zusätzlichen Finanzspritze von 1,1 Milliarden Euro sollen nach dem Willen der schwarz-gelben Koalition die jüngsten Tariferhöhungen ausgeglichen werden, zudem sollen die Kliniken zusätzliches Hygienepersonal einstellen. Doch die Summe reiche nicht aus, die akuten finanziellen Nöte der Kliniken zu lösen, sagt Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Krankenhausgesellschaft. "Die Krankenhäuser bleiben auf circa 25 Prozent der Tarifsteigerung sitzen." Die als jährliche Einmalzahlung ausgestalteten Versorgungszuschläge verbesserten die Finanzierung der Personalkosten auf Dauer nicht.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisiert dagegen die "Gießkannenpolitik" der Koalition. Denn die Zuschläge kommen allen Häusern zugute, unabhängig davon, ob sie Überschüsse erwirtschaften oder rote Zahlen schreiben. Nach seiner Ansicht sollten schwerpunktmäßig die kommunalen Häuser in abgelegenen Regionen gefördert werden, die für die Grundversorgung der Menschen wichtig seien und sich weder spezialisieren noch teure Patienten ablehnen könnten.

Mehr Geld oder eine dauerhafte Verfestigung der Mittel, das macht Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) deutlich, wird es nicht geben. Die vom Kabinett beschlossenen Mittel seien nur kurzfristig wirksame Maßnahmen. "Mittelfristig wird es darauf ankommen, dass wir die Mengenentwicklung in den Krankenhäusern analysieren und geeignete Mechanismen finden, die Entwicklung besser zu steuern."

Bahr reagiert damit auf einen vor wenigen Tagen veröffentlichten Bericht der OECD, wonach die Krankenhausversorgung in Deutschland im internationalen Vergleich überdimensioniert und überteuert sei. Mit 240 Krankenhausfällen pro 1000 Einwohner liegt die Bundesrepublik um 50 Prozent über dem OECD-Durchschnitt. Und in keinem Industrieland werden so viele künstliche Knie- oder Hüftgelenke sowie Herzkatheder eingesetzt, Leistenbrüche operiert oder Bandscheibenoperationen durchgeführt.

Die Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), Ulrike Elsner, kritisiert, dass das derzeitige Vergütungssystem falsche Anreize setze. "Es wird zu viel und zu schnell operiert, das schadet den Patienten und den Beitragszahlern." Das System belohne Kliniken, die statt auf Qualität auf reine Masse setzten. Sie fordert, dass künftig nur noch Krankenhäuser mit guter Behandlungsqualität einen Anspruch auf die volle Vergütung haben.

Ähnlich äußert sich AOK-Chef Jürgen Graalmann. Das seit 2003 geltende System der Fallpauschalen müsse so weiterentwickelt werden, dass es sich für Kliniken finanziell nicht mehr lohne, unnötige Operationen vorzunehmen. Experten der Universität Duisburg-Essen haben die Einführung von Behandlungszertifikaten vorgeschlagen. Die Idee: Jede Klinik erhält eine bestimmte Menge an Zertifikaten, die ge- und verkauft werden können. Übersteigt die Zahl der Operationen die Zahl der Zertifikate, gibt es empfindliche Honorarabschläge.

© Mannheimer Morgen, Montag, 22.04.2013
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