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Katholische Kirche: Den nächsten Papst erwarten teils alte Probleme, er muss auf Reformstau und Glaubenstief reagieren

Benedikt XVI. geht, Baustellen bleiben jedoch

Von dpa-Korrespondent Hanns-Jochen Kaffsack

Die katholische Kirche ist in Lateinamerika sehr stark verwurzelt. Im März 2012 wurde Papst Benedikt XVI. in Kuba bejubelt.

© dpa

Rom. Sein Pontifikat war eines der tiefen Krisen, eine Reform seiner Kirche und ihres bürokratischen "Kopfes" in Rom blieb aus. Benedikt XVI. gab am Aschermittwoch der katholischen Weltkirche aber noch dringend mit auf den Weg, wo sein Nachfolger ansetzen müsse: Er geißelte "Sünden gegen die Einheit der Kirche, die Spaltungen im Leib der Kirche". "Individualismen und Rivalitäten zu überwinden", das ist ein wieder und wieder formuliertes Anliegen des 85-jährigen Joseph Ratzinger. Wobei die Weltkirche nicht nur eine Reform der römischen Kurie und ihrer "Regierungsfähigkeit" braucht. Auf jedem Kontinent stehen die Katholiken vor anderen Problemen. Der neue Pontifex müsste dann all dieses zusammenführen.

"Die kirchlichen Institutionen müssen die Evangelisierungsaktion unterstützen, nicht bremsen." Kämpferisch gibt der einflussreiche südafrikanische Kardinal Wilfried Fox Napier seine Richtung vor. "Zu häufig gibt die Kurie nach außen mehr ein Bild des Karrierismus ab, sie steht weniger für den Dienst an den Gläubigen", spricht sich der Franziskaner für eine starke spirituelle Erneuerung aus. Nach dem "Vatileaks"-Skandal von 2012, in dem es doch gerade auch um Intrigen und Machtkämpfe im Vatikan ging, braucht Rom eine neue Ära.

Starke Rolle in Lateinamerika

Fortschritte in der Ökumene, Lockerungen bei der Sexualmoral, eine stärkere Rolle der Frauen und die Zölibatsfrage bei den Priestern - das sind einige der vielen "europäischen" Anliegen an den nächsten Papst. Im März blicken allerdings Gläubige von fünf Kontinenten auf die Papst-Wahl. In Lateinamerika lebt der katholische Glaube weit stärker als in manch anderer Weltregion. Der Kontinent erwartet den neuen Pontifex zum Weltjugendtag im Juli in Rio de Janeiro. Drogenhandel, Gewalt, Armut und Korruption sind Probleme, für die auch die Kirche Antworten anbieten muss. Pfingstkirchen und andere aggressive religiöse Gruppen setzen der Mission der Kirche zu.

Rückenwind statt Stillstand erwarten auch die Katholiken des aus Vatikan-Sicht aufsteigenden Kontinents Afrika. Der Berg der Probleme ist groß, die Kirchenleute kämpfen mit anderen gegen Aids, wiederkehrende Hungersnöte und einen neuen wirtschaftlichen "Kolonialismus". Islamistischer Hass und Aggression gegen Christen in Afrika reihen sich in die weltweit verbreitete Christenverfolgung ein.

Asien strategisch bedeutsam

Benedikt hat mehrfach Afrika und den Nahen Osten bereist, vor allem um den Glauben der bedrängten Christen zu stärken und sie - etwa im Heiligen Land - zum Bleiben zu bewegen. Asien ist für die Welt in diesen Jahren von strategisch herausragender Bedeutung, auch für die Kirche. Der deutsche Papst hat Asien nicht besucht, in seinem Pontifikat gab es Ärger mit der Pekinger Führung, die auch die Religion massiv kontrollieren will. Nur wenige Prozent der Asiaten sind Christen, während diese Region doch die Mehrheit der Weltbevölkerung stellt. Das bedeutet eine Herausforderung für eine Kirche, die das Evangelium verbreiten will. Ein asiatischer Papst wäre also ein außerordentliches Zeichen für einen Weg in die Zukunft.

Die Glaubenskrise in der westlichen Welt, das nachwirkende Beben des Missbrauchsskandals, das weiter ungeklärte Verhältnis der Mutterkirche zu den abtrünnigen Pius-Brüdern - auch das sind mögliche Barrieren für den Vatikan auf diesem Weg. Viel wird davon abhängen, von welchem Kontinent der neue Pontifex kommt und wie konservativ oder Neuem aufgeschlossen er ist. Benedikt hat mit seinem ungewöhnlichen Rücktrittsschritt das Amt schon ein wenig modernisiert - künftig kann sich jeder Nachfolger darauf berufen und den Stuhl Petri verlassen. Und es wird vielleicht jüngere Päpste geben. Diese könnten den Berg an dringenden Kirchenreformen womöglich dynamischer angehen.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 15.02.2013
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