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Vatikan: Erster öffentlicher Auftritt des Papstes nach der Ankündigung seines Rücktritts

Benedikts triumphaler Auftritt

Von unserem Korrespondenten Julius Müller-Meiningen

Papst Benedikt XVI. freut sich über den starken Applaus. Daneben sein Sekretär, Erzbischof Georg Gänswein.

© dpa

Rom. Plötzlich ist da ein ganz neuer Widerstand. Der Mann im weißen Talar setzt zu seiner Rede an, doch die Worte finden keinen Weg. "Wie ihr wisst, habe ich entschieden . . .", sagt der Papst auf Italienisch. Dann umschlingt der Applaus der Gläubigen seine Stimme. Benedikt XVI. bricht ab. Er wirkt berührt, peinlich oder geschmeichelt, das ist nicht ganz eindeutig. Es ist sein erster Auftritt nach der Nachricht vom Rücktritt, die viele Menschen erst in eine gewisse Orientierungslosigkeit und dann zum Nachdenken gezwungen hat. In der kühlen Audienzhalle im Vatikan dringt dem Papst eine ungebremste Wärme entgegen, die er vielleicht nur zum Anfang seines Pontifikats gespürt hat.

12 000 Menschen applaudieren

Benedikt blickt auf die Menge, der Papst des Wortes will unbedingt weitersprechen. Sein Einzug mit vorsichtigen Schritten bei der Generalaudienz an diesem Mittwochvormittag ist nur als triumphal zu beschreiben. Es ist auch der Triumph eines Gescheiterten, dem diese Anhimmelung sichtbar fremd ist.

Päpste werden wie Popstars verehrt. Ein Papst, der wieder normaler Mensch sein will und damit Schwäche zeigt, ist für die Massen noch verehrungswürdiger. Die Halle ist bis auf den letzten Stuhl gefüllt, 12 000 Menschen haben hier Platz. Alle stehen auf und spenden Applaus. Es dauert nicht lange, dann füllen "Benedetto!"-Rufe den Raum.

Der Papst wartet nicht, bis der Applaus versiegt. "Danke für Eure Zuneigung", sagt er in seinem bayerisch gefärbten Italienisch. Dann kommt er erstmals öffentlich auf seinen Rücktritt zu sprechen. Seine Stimme ist schwach, wird dann aber lauter: "Ich habe in absoluter Freiheit und zum Besten der Kirche entschieden." Selten hat Benedikt XVI. Worte so deutlich betont. Es seien zuletzt keine einfachen Tage für ihn gewesen. "Betet weiter für mich, für die Kirche und für den zukünftigen Papst", sagt er noch. Dann spricht er über die Fastenzeit. Am Ende grüßt er mit gespreizten Fingern. "Papa, Papa, Papa", hallt es rhythmisch.

Es sind die Tage des unfreiwillig triumphalen Abschieds. Niemand hat ihn zum Rücktritt gezwungen, kein Komplott und keine andere Notwendigkeit. Das ist die Botschaft, die der Papst und alle ihm freundlich Gesinnten in diesen Tagen vermitteln wollen. Aber selbst in der Kurie ist man sich nicht einig über die Folgen der Entscheidung Benedikts. Ist das Amt künftig wirklich "entzaubert", wie der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki behauptet? Italienische Medien zitieren Kardinäle und hohe Prälaten, die gar von einem "Desaster" und einer schweren "Wunde" sprechen, die der Papst Kirche und Papstamt zugefügt habe. Diese Kritik wird nur anonym geäußert. Denn längst geht es auch um das Konklave, in dem ab Mitte März der nächste Papst gewählt wird.

Die Kardinäle munkeln am Rande von Veranstaltungen, Abendessen, Versammlungen. Auch sie müssen sich erst einmal sammeln. Wer wird imstande sein, die orientierungslos vor sich hintreibende Kirche wieder auf Kurs zu bringen? Der hoch gehandelte Erzbischof von Mailand, Angelo Scola? Oder der Kanadier Marc Ouellet? Wird ein Kardinal aus Afrika der nächste Papst?

Benedikt geht diese Entscheidung nichts mehr an. Unter großem Jubel verlässt er den Audienz-Saal. Bischöfe verabschieden sich persönlich, manche knien nieder. Fast alle küssen den Fischerring an der rechten Hand des Papstes. Der Ring wird in ein paar Wochen zerbrochen, als Symbol für das Ende dieses Pontifikats. Am Nachmittag feiert Benedikt seine letzte große Messe, die Aschermittwochsliturgie. Nicht wie üblich auf dem Aventin, sondern im Petersdom. Es sollen sich möglichst viele von ihm verabschieden können.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 14.02.2013
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