DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

 

Mittwoch, 23.07.2014

Suchformular
 
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden

Porträt: Joseph Ratzinger saß knapp acht Jahre auf dem Stuhl Petri / Im Missbrauchsskandal bat er um Vergebung

Bewahrer, nicht Reformer

Von dpa-Korrespondent Hanns-Jochen Kaffsack

Papst Benedikt XVI. mit seinem Privatsekretär Georg Gänswein. Der wohl engste Vertraute von Benedikt wurde erst kürzlich zum Erzbischof ernannt.

©  dpa

Rom. Eine richtungweisende "Ära Benedikt" ist es nicht geworden. Dafür war die Zeit des Joseph Ratzinger auf dem Stuhl Petri dann doch zu kurz und ein klarer Reformwille nicht zu sehen. Knapp acht Jahre regierte der Deutsche als Nachfolger des populären Johannes Paul II. die katholische Weltkirche. Dies gilt in der Zeitrechnung des Vatikans bereits nicht mehr als nur ein Zwischenspiel.

Der Bayer aus Marktl am Inn wird den Gläubigen trotz der Kürze seines Pontifikats in Erinnerung bleiben als einer, der das Gesicht seiner Kirche immens geprägt hat. Denn vor seiner von Krisen geschüttelten Zeit als Papst Benedikt XVI. war er über 20 Jahre lang als Kardinal Joseph Ratzinger "oberster Glaubenshüter" der Kirche. Auch das Bild bleibt: Benedikt, der sich 2010 dem üblen Missbrauchsskandal der Kirche gestellt hat. Zwei Jahre später traf ihn die "Vatileaks"-Krise um veruntreute Dokumente von seinem Tisch.

Auf konservativem Kurs

Jener bayerische Theologieprofessor, der gar nicht Papst werden wollte, hatte mit seiner freundlichen und zurückhaltenden Art zunächst die Masse der Gläubigen in seinen eher unspektakulären Bann gezogen. Dann sorgten kritische Worte dieses brillanten Denkers, der für sich den Papstnamen Benedikt XVI. gewählt hatte, für Aufruhr bei Muslimen.

Kommunikationspannen des Vatikans verschlimmerten die Krise rund um die Wiederannäherung Roms an die erzkonservativen Pius-Brüder mit dem Holocaustleugner Richard Williamson. Später verbreiterte das häppchenweise Aufdecken sexuellen Missbrauchs die Kluft zwischen der Kirche und den Gläubigen - und das beileibe nicht nur in Deutschland. In dieser tiefsten Krise seiner Kirche seit Langem beklagte er die "Sünde in der Kirche", bat um Vergebung und forderte "null Toleranz".

"Ich bin doch nur ein einfacher, kleiner Arbeiter im Weinberg des Herrn", hatte der frisch gewählte Papst erklärt, der als Präfekt der Glaubenskongregation oft als "Panzerkardinal" oder auch "Inquisitor" angefeindet worden war. Bereits als er 1981 von Johannes Paul II. in den Vatikan geholt wird, lautet Joseph Ratzingers bis zuletzt gültige Botschaft: "Nicht alle Meldungen, die aus Rom kommen, werden angenehm sein." Er sah auch als Papst seine Aufgabe darin, den konservativen Kurs seines polnischen Vorgängers fortzusetzen und als brillanter Theologe und Vielschreiber den Gläubigen Lesefutter zu bieten.

Er wollte die Einheit der Kirche bewahren, auch in heiklen Jahren. Deshalb hielt er trotz aller Kritik an den Werten fest, die er als überlebensnotwendig ansieht. So blieben Reformen etwa beim Zölibat oder der Sexualmoral aus. "Benedikt ist nicht gewählt worden, um das Steuer des Kirchenschiffs herumzureißen", erläuterte einmal treffend der ehemalige Ratzinger-Schüler Wolfgang Beinert. "Er hat eine im Wesentlichen konservative Persönlichkeitsstruktur." Und so blieb er der ablehnenden Haltung zu Abtreibung, Sterbehilfe und Kondomen treu, betonte weiter die "Einzigartigkeit" der katholischen Kirche und ließ begrenzt liturgische Formen aus der Zeit vor den Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) wieder zu. Ob er das nun gut erklärte oder nicht, immer kam Kritik von denen, die eine "Öffnung" wollten.

Neben dem Missbrauchsskandal lastete die Krise um die Piusbrüder bleiern auf dem Pontifikat - und legte vatikanische Defizite offen. Mit der umstrittenen Rücknahme der Exkommunikation der Piusbischöfe durch Benedikt schoss der Vatikan ein glattes Eigentor, wurde doch "übersehen", dass sich darunter der Holocaust-Leugner befand.

Die Muslime waren verärgert über Benedikts Islam-kritisches Zitat in der "Regensburger Rede" im September 2006. Kritiker bedauerten den Stillstand in der Ökumene. Auch wenn Benedikt offen in die vielen Gespräche mit anderen Kirchen und Religionen ging, das Misstrauen schien größer denn je, und die Medien belauerten jeden Schritt des deutschen Papstes. Den großen Reformwurf erwartete wohl kaum jemand mehr von dem Papst, der seine Kirche als "Global Player" für eine Welt der Werte, der Ökologie und des sozialen Handelns zu erhalten versuchte.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 12.02.2013
  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden
 
 
TICKER

Das Wetter in der Metropolregion

Mannheim - Prognose für 21 Uhr

19°

Das Wetter am 23.7.2014 in Mannheim: leicht bewölkt
MIN. 17°
MAX. 30°
 

Video

Gewalt in Nahost eskaliert

Tel Aviv, 10.07.14: Mit unverminderter Härte setzen Israel und die radikalislamische Hamas ihre gegenseitigen Angriffe fort. Vor allem auf palästinensischer Seite gab es zahlreiche Verletzte.

Chance vertan

Steffen Mack zu Beate Zschäpes gescheitertem Antrag auf neue Verteidiger und der Hoffnung, dass die Angeklagte doch noch ihr Schweigen bricht [mehr]

Separatist am Unglücksort

Nachrichten

Trauer, Kämpfe und viele Fragen nach dem Absturz von MH17

Donezk/Den Haag (dpa) - Die Aufklärung des mutmaßlichen Abschusses der malaysischen Passagiermaschine im Bürgerkriegsgebiet in der Ostukraine ist Detektivarbeit unter Extrembedingungen. Das Blutvergießen dort geht unvermindert weiter. Eine Woche nach dem mutmaßlichen Abschuss einer malaysischen… [mehr]

Kontakt zur Politik-Redaktion

Telefon: (ab 14 Uhr) 0621/392 13 32
Fax: 0621/392 14 90

Schreiben Sie uns eine E-mail!

 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR