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Politischer Aschermittwoch (II): Seehofer und Stoiber attackieren vor allem die SPD / Schonzeit für die FDP

CSU zieht Kampfanzug an

Von unserem Korrespondenten Ralf Müller

Bierselige CSU (von links): Generalsekretär Alexander Dobrindt, Ministerpräsident Horst Seehofer, seine Frau Karin und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich.

© dpa

Passau. Dieser CSU-Aschermittwoch war endlich mal wieder voll nach dem Geschmack der Fans: Mit deftigen Sprüchen knöpften sich Parteichef Horst Seehofer und der Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber den politischen Gegner, allen voran den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück und den bayerischen Spitzenkandidaten Christian Ude, vor. "Die können es immer noch nicht", sagte Stoiber unter dem Jubel der gezählten 4500 und behaupteten 7000 Zuhörer. Der Ehrenvorsitzende warnte in Abänderung eines früher von ihm geprägten Ausspruchs: "Attenzione, Dilettanti!". Vorsitzender und Ehrenvorsitzender schlossen im Chor mit dem Haindling-Song "Bayern, des samma mia".

Seehofer attackierte Steinbrück auch wegen seiner Millioneneinkünfte aus Vorträgen. Der SPD-Kanzlerkandidat verstehe unter sozialer Gerechtigkeit "jedem das Seine und mir das Meiste", sagte der Ministerpräsident. Er hätte nach seinem Rücktritt als Bundesgesundheitsminister viele Möglichkeiten zu bezahlten Vorträgen gehabt, habe es aber vorgezogen, ehrenamtlich für den Sozialverband VdK tätig zu sein.

"Besser den Mund zuhalten als die Hand aufhalten", rief Seehofer den nur wenige Kilometer entfernt in Vilshofen auftretenden SPD-Spitzenkandidaten zu. Steinbrück möge sich in Berlin um den "Pleitier Wowereit" kümmern, "den besten Flughafenmanager, den Deutschland und Europa je hatten", höhnte der ziemlich heisere CSU-Chef.

Die Opposition in Bayern rede völlig an den Menschen vorbei: "Sie kennen Bayern und das bayerische Lebensgefühl nicht", sagte Stoiber, der zum 16. Mal als Aschermittwochsredner in Passau auftrat. Die vom Münchener OB Ude ("Dank des Ude-Effekts liegt die SPD bei stattlichen 20 Prozent") angestrebte Dreier-Koalition in Bayern hätte man früher als "italienische Verhältnisse" bezeichnet, meinte der ehemalige CSU-Chef: "Wohin das geführt hat, wissen Sie ja".

"Bunga-Bunga"-Berlusconi

Die gesamte dreieinhalbstündige Veranstaltung diente vor allem dem Zweck, die Botschaft "Bayern gleich CSU" in die Köpfe zu hämmern. Das könne man auch übertreiben, gab der Passauer Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter zu bedenken: Immerhin wählten 50 Prozent der Bayern die CSU nicht, und wenn man die Liberalität herausstelle, müsse man auch Vielfalt zulassen. In der Passauer Dreiländerhalle waren solche Differenzierungen nicht gefragt. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt nahm sogar das Wort "unbayerisch" in den Mund und meinte damit die Grünen-Landesvorsitzende Margarete Bause, die sich seiner Meinung nach despektierlich über den Papst-Rücktritt geäußert habe.

Seehofer bekam viel Beifall über die von Bayern vorbereitete Klage gegen den Länderfinanzausgleich ("Wir haben die Schnauze voll"), wobei ihm einmal mehr Berlins angeschlagener Bürgermeister Klaus Wowereit als Watschenmann diente. Dessen "arm, aber sexy" hielt der bayerische Ministerpräsident ein "Wir sind reich, aber nicht blöd" entgegen. Auffallend: Die FDP kam in den Reden von Seehofer und Stoiber ebenso wenig vor wie die Studiengebühren, derzeit wohl das wichtigste Thema der bayerischen Landespolitik. Dafür zeigte sich die CSU betont von ihrer sozialen Seite: Der niederbayerische Bezirksvorsitzende Manfred Weber sprach sich für Mindestlöhne und gleichen Lohn für gleiche Arbeit aus. Stoiber forderte, die "Millionäre und Milliardäre" in den in Schieflage geratenen südlichen EU-Ländern zur Kasse zu bitten.

Die Italiener warnte Stoiber vor der Wiederwahl des "Bunga-Bunga-Ministerpräsidenten" Silvio Berlusconi, der früher freilich einmal von einem CSU-Parteitag als Gast eingeladen worden war. Vom ehemaligen CSU-Chef und "Mister Aschermittwoch" waren aber auch ungewohnte Töne zu hören: "Familien sind keine Aktien, Kinder keine Lohnnebenkosten und Frauen keine Gebärmaschinen, die man am besten vom Kreißsaal gleich wieder in die Fabrikhallen schicken sollte."

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 14.02.2013
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